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Gbureks Geld-Geklimper

Anlegermessen: Börse, Bier und Bullenreiten

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Manfred Gburek

Mit den Themen und Anlageschwerpunkten ändert sich oft auch das Publikum, wobei die Grenze zwischen sogenannten Profis und Laien zunehmend verschwimmt. Das ist ein besonders interessanter Aspekt, weil hier eine Schwachstelle des deutschen Bankensystems erkennbar wird: Die traditionellen Anlageberater, die früher nach der Lektüre der Frankfurter Börsenbriefe oder der Actien-Börse mit ihren Kunden am Tresen Aktientipps ausgetauscht hatten, wurden seit den 80er Jahren in den vorzeitigen Ruhestand geschickt und durch andere ersetzt, die Fonds und Zertifikate verkaufen sollten. Doch der Erfolg dieser Aktion blieb bescheiden, denn die besten Verkäufer von Anlageprodukten hatten längst bei Finanzvertrieben wie DVAG, AWD oder MLP angedockt.

Für Banken und Sparkassen kommt es dick

Bis heute sind die vermeintlichen Anlagelaien längst zu Hobbyanlegern geworden, denen die als Anlageberater verkappten Verkäufer der Banken und Sparkassen in puncto Aktien kaum noch etwas vormachen können. Ist ja auch logisch: Wer sein Soll an verkauften Fonds und Zertifikaten erfüllen muss, hat keine Zeit mehr, um sich auch noch intensiv mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen oder Chartformationen von Aktien zu beschäftigen. Für Banken und Sparkassen kommt es sogar noch viel dicker: Viele ihrer fähigen Vermögensverwalter und Analysten sehen nicht mehr ein, warum sie eingezwängt in Hierarchien Jobs verrichten sollen, die ihren Arbeitgebern zwar hohe Provisionen bringen, aber den Kunden zum Teil sehr hohe Verluste bescheren. Also gründen die Mutigen unter den Fähigen ihre eigenen Vermögensverwaltungen oder – wenn es hoch kommt – Family Offices mit finanzieller Rundumversorgung und nehmen gleich ihre besten Kunden mit. Nicht von ungefähr führen die so entstandenen Vermögensverwaltungen immer häufiger die Hitlisten von Prüfinstanzen wie First Five an. Derweil schmücken sich die gegen sie konkurrierenden Fondsgesellschaften der Finanzkonzerne mit fragwürdigen Auszeichnungen, deren Bedeutung mit wachsender Zahl immer mehr abnimmt.

Zwei positive Ergebnisse

Wer im Bewusstsein solcher Zusammenhänge und mit der entsprechenden kritischen Einstellung Anlegermessen besucht, kann viel dazulernen – vor allem dann, wenn er oder sie die aufgeschnappten Aussagen von Referenten und Gesprächspartnern sowie die eigenen Beobachtungen notiert und sie ein Jahr später mit der tatsächlichen Entwicklung vergleicht. Ein Ergebnis dieser Übung dürfte auf jeden in der zunehmenden Distanz zu denen bestehen, die sich als Profis geben, aber in Wahrheit zu Opfern der Schwächen im deutschen Bankensystem geworden sind, nämlich lieber schlecht zu verkaufen als gut zu beraten. Und ein anderes Ergebnis: neue Erkenntnisse durch viel Zuhören und noch mehr Kommunikation. Insofern kann dann sogar das reichlich fließende Bier auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten sein Gutes haben.

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