Gbureks Geld-Geklimper

Beim Öl braut sich was zusammen

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Konjunktur hängt vom Ölpreis ab und umgekehrt. Dieses Wechselspiel wird immer gefährlicher. Anleger ziehen die Konsequenzen.

Ölpreis Quelle: AP

Der ADAC ließ neulich die „Autos der Zukunft“ prämieren. Etwa Elektromobile oder sonst wie alternativ angetriebene Karossen? Fehlanzeige. Außer dem halb mit Benzin, halb elektrisch bewegten Toyota Auris Hybrid nur die sattsam bekannte  „Made in Germany“-Mischung aus Audi, BMW, Mercedes und Porsche, allesamt zwar Diesel oder Benzin sparend, aber eben immer noch verbrauchend. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, als der Literpreis für Superbenzin zum ersten Mal 1,50 Euro übersprang.

Sind die Autobosse etwa zu träge geworden, um sich neue Antriebe einfallen zu lassen? Sind sie nicht, denn mit dem Argument der Spritersparnis können immer noch besonders viele Kunden gewonnen und hohe Gewinne erzielt werden, vorausgesetzt, man motzt die Karossen mit teuren Extras auf. Bester Beweis: die BMW-Aktie, im vergangenen Jahr eine Kursrakete unter den Dax-Werten. Warum also schon jetzt das ganze Geld für Forschung und Entwicklung in alternative Antriebe stecken? Unter betriebswirtschaftlichen Aspekten macht das jedenfalls keinen Sinn.

China mischt in Saudi-Arabien mit

Nun das Gegenargument: Zur selben Zeit, als die Autobosse vom ADAC die Preise für ihre „Zukunfts“-Autos entgegen nahmen, steuerte der Preis für Rohöl der Sorte Brent die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) an; zwischenzeitlich hat er sie übersprungen. Das wäre nicht weiter verwunderlich, wenn dieser Anstieg sich einfach mit der konjunkturellen Erholung in Europa erklären ließe. Doch außer Brent gibt es noch andere Ölsorten, und deren Preise zeigen alle in dieselbe Richtung: nach oben. Wobei eine Entwicklung, die aus Anlass der Unruhen in Ägypten und in anderen arabischen Ländern kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, besonders zu denken geben muss: China hat die USA als Importeur von Erdöl aus Saudi-Arabien überholt und von dort zeitweise sogar doppelt so viel importiert.

Es braut sich also ein von der Konjunktur – in Europa, besonders aber in China – getriebener Kampf um die Ölreserven zusammen, der per se zum Preisanstieg führt. Hinzu kommt die latente Furcht vor offenen Konflikten im Nahen Osten, die zusätzlich preistreibend wirkt. So ist es kaum verwunderlich, dass seit Monaten mit dem Ölpreis auch die Aktienkurse der Ölmultis steigen, vom Branchenprimus Exxon Mobil bis zum angeschlagenen britischen Konzern BP, dessen Aktie nach dem Bohrinselunglück im Golf von Mexiko kräftig zugelegt hat.

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