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Gbureks Geld-Geklimper

Die Schuldenkrise treibt den Goldpreis

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Nun ist die aktuelle Krise der US-Währung nicht die erste, und sie wird auch nicht die letzte sein. Sie unterscheidet sich allerdings von den früheren, die nach dem 2. Weltkrieg 1961 (Mark-Aufwertung) begannen und 1971 mit dem Ende der Konvertierbarkeit des Dollars in Gold einen vorläufigen Höhepunkt erreichten, durch die extrem hohe Verschuldung der USA einschließlich Bundesstaaten und dadurch, dass auch Europa in den Schuldensumpf geraten ist. Daraus folgt zum einen, dass ohne China als wichtigstes Gläubigerland der USA nichts mehr geht, und zum anderen, dass kommende Währungskrisen einschließlich der aktuellen im Gegensatz zu den ersten Jahrzehnten  nach dem 2. Weltkrieg sich nicht mehr primär um das Dollar-Mark- bzw. Dollar-Euro-Verhältnis drehen werden, sondern um einen ganzen Währungskorb.

Daraus wird zunächst zwangsläufig eine ökonomische wie vor allem auch eine politische Machtverschiebung zugunsten der Chinesen erwachsen. Ihr Ausmaß lässt sich zurzeit zwar kaum abschätzen, aber ihre ersten Indizien sind längst erkennbar. Zum Beispiel verfügt China über umgerechnet 2,3 Billionen Euro an Devisenreserven. Um diesen Betrag zu relativieren: Die Euro-Länder haben über 8,6 Billionen Euro an Schulden. Die chinesische Wirtschaft wächst rasant weiter, zuletzt um 9,5 Prozent auf Jahresbasis. Und weder die Regierung noch die Zentralbank des Landes beabsichtigt, die Früchte des Wachstums über den Kauf von US-Staatsanleihen im bisherigen Ausmaß mit den Amerikanern zu teilen.

Warum Gold kaufen?

Keine Frage, China hortet stattdessen Gold. Wie viel genau und welcher Anteil auf quasi staatliche Käufe entfällt, bleibt für externe Beobachter weitgehend im Dunkeln. Die dazu vom World Gold Council, dem von Minenkonzernen dominierten internationalen Branchenverband, bekannt gegebene Statistik sagt nur so viel aus: China besitzt im Juli 2011 offiziell Goldreserven in Höhe von 1054,1 Tonnen, entsprechend 1,6 Prozent der gesamten eigenen Währungsreserven. Damit liegt das Land an sechster Stelle der Goldbesitzer, sofern es um die offiziellen Bestände geht. Zum Vergleich: Die erste Stelle haben die USA mit 8133,5 Tonnen inne, die zweite Stelle Deutschland mit 3401,0 Tonnen. Auch vielen westlichen Beobachtern ist nicht entgangen, wie sehr die chinesische Zentralregierung und die ihr untergeordneten Stellen die eigene Bevölkerung seit nunmehr fast drei Jahren animieren, Gold zu kaufen. Da seitdem nicht nur der Goldpreis, sondern auch die chinesische Inflationsrate gestiegen ist, haben die Chinesen bis zuletzt geradezu ganze Goldhorte angelegt. Aktuell deutet sich noch nichts an, dass dieser Trend abbrechen könnte.

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