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Gbureks Geld-Geklimper

Eine Lanze für den Euro

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Der Euro gibt ein schwaches Bild ab, der Dollar ein noch schwächeres. Am Ende werden die Schulden in beiden Währungen weginflationiert.

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Manfred Gburek

Der Euro wird hier und da schon abgeschrieben, aber er verliert gerade jetzt nicht mehr an Boden gegen den Dollar, wie reimt sich das? Die Antwort ist komplex und aufschlussreich: Die Reformen in den angeschlagenen Euro-Ländern machen allen Unkenrufen zum Trotz Fortschritte. Die bereits hoch verschuldete Europäische Zentralbank (EZB) kann sich nicht gegen flankierende Maßnahmen sperren. Der von den Regierungen der relativ starken Euro-Länder angeführte Verhandlungsmarathon lässt konstruktive Kompromisse erkennen. Und der sukzessive Rückzug der Banken aus dem Geschäft mit maroden Staatsanleihen und Krediten wird sie nicht vor Opfern schützen.

Dazu noch ein Blick in die USA: Sie werden zwar nicht pleite gehen, aber spätestens am 2. August, wenn sie ihre Schulden neu strukturieren müssen, wird der Dollar alles andere als stark sein. Fast alle aktuellen volkswirtschaftlichen Daten sprechen gegen Dollar. Die US-Notenbank Fed kann ihr Quantitative Easing (Geldschöpfung) im Grunde ohne Einschränkungen fortführen, also den Dollar unter Druck setzen. Und wenn Kritiker auf die dadurch entstehende Inflationsgefahr hinweisen, kommt von Seiten der Fed oder der US-Regierung sofort der Hinweis auf die um drei Prozent pendelnde offizielle Inflationsrate. Die spiegelt aber ein falsches Bild vom wahren Ausmaß der Inflation wider. Nun zu den Details: Je deutlicher die Erfolge der griechischen Reformen erkennbar werden, desto kräftiger schießen die Euro-Gegner mithilfe der Medien aus allen Rohren – ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.

Euro-Länder machen Fortschritte

Portugals Reformen dürften ausreichen, um schon 2011 zu einer Staatsverschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu führen, die nicht mehr weit von der deutschen (85 Prozent) entfernt ist. Irland tritt konsequent auf die Schuldenbremse, sodass – auch weil das Land zum Industriestandort ausgebaut wurde – die langjährige Abhängigkeit von problematischen Banken und Immobilien weniger ins Gewicht fällt. Und die spanischen Reformen machen so deutliche Fortschritte, dass die Staatsverschuldung sogar wieder angehoben werden könnte.

Die hohen Schulden der USA können, auch wenn ihre Obergrenze von 14,3 Billionen (Trillions) Dollar bereits im Mai dieses Jahres überschritten wurde, weiter mit ihnen leben – schließlich lässt die Obergrenze sich ja anheben. Doch die oppositionellen Republikaner werden alle Register ziehen, um Präsident Barack Obama zu einem Kompromiss zu zwingen: Zusage zur Anhebung nur gegen drastische Ausgabenkürzungen. So etwas ist alles andere als ein freundliches Umfeld für die eigene Währung, zumal weniger Ausgaben die US-Konjunktur noch mehr nach unten dümpeln lassen werden.

Ein Euro auf einer Quelle: REUTERS

Die Fed wird bei dieser Konstellation natürlich ihrer bisherigen Devise treu bleiben und den Geldhahn weiter offen lassen. Das kann sie, anders als die Multikulti-EZB, weil sie die Möglichkeit hat, Staatsschulden der USA in beliebiger Höhe aufzukaufen. Die Folge: Der Dollar verliert an Wert. Oder von einer anderen Warte aus betrachtet: Die durch die Fed inszenierte Dollar-Abwertung führt dazu, dass die USA den Staatsbankrott vermeiden. Der Dollar-Wertverlust lässt sich übrigens schon anhand der echten US-Inflationsrate nachweisen, die aus den Shadow Government Statistics hervorgeht: aktuell rund 11 Prozent und damit weit über die offiziell vom Bureau of Labor Statistics bekannt gegebene Inflationsrate von etwa 3 Prozent hinaus.

Was machen die Euro-Länder anders als die USA? Sie haben die EZB, die unter anderem als Drehscheibe für Transfers von reichen Gläubigerländern zu armen Schuldnerländern fungiert. Das kann nicht ohne Friktionen vonstatten gehen, zumal hier auch die EU und der Internationale Währungsfonds mitmischen, indem sie ihre Hilfe an Auflagen knüpfen. Das äußere Erscheinungsbild dieser Gemengelage besteht zurzeit aus wilden Streiks in einigen Schuldnerländern einerseits und aus deren Vorwürfen gegen den Hauptgläubiger Deutschland andererseits. Die Friktionen eröffnen den Euro-Gegnern, einigen Hedgefondsmanagern und ihren Freunden bei den Medien viele Möglichkeiten, den Euro schlecht zu machen und gegen ihn zu spekulieren. Insofern kann man es durchaus als dessen Stärke interpretieren, wenn er gegenüber dem Dollar kurzfristig nicht weiter an Wert verliert.

Am Ende werden die Schulden weginflationiert

Obwohl der Schuldentransfer in Europa sich von dem in den USA unterscheidet, was den Ablauf betrifft, gibt es doch eine große Gemeinsamkeit: Im Zweifel wird der Widerstand der Schuldner gegen allzu strenge Auflagen der Gläubiger und ihrer Helfer hüben wie drüben so groß sein, dass die Kräfte, die sich für eine nachhaltige Entschuldung einsetzen, am Ende klein beigeben werden. Die wichtigste Folge: höhere Inflationsraten.

Der zuletzt wieder gestiegene Goldpreis, und zwar in Dollar wie in Euro, ist dafür ein untrüglicher Indikator. Bis auf Weiteres wird sich, abgesehen von zwischenzeitlichen Schwankungen, im Trend nichts daran ändern. Über den denkbaren Zeitpunkt einer abschließenden Wende zu spekulieren, erscheint in Anbetracht der aufgehäuften riesigen Schuldenberge verfrüht. Von diesen wird man sich, ebenfalls hüben wie drüben, mit der seit Jahrhunderten üblichen Methode trennen. Sie heißt: Schulden weginflationieren.

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