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Gbureks Geld-Geklimper

Europa pennt, Amerika drängt, China rennt

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Das heißt, was sie an Plänen vorgibt, wurde vorher in unzähligen Gremien diskutiert und optimiert. In Sachen Menschenrechte halten die Chinesen sich an das Gebot des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy: Frage nicht, was der Staat (die Allgemeinheit) für dich tun kann, sondern was du für die Allgemeinheit leisten kannst. Also individuelle Menschenrechte ja, aber verbunden mit der Verpflichtung, erst einmal kollektive Aufgaben zu erledigen.

Schlagen wir den Bogen nach Europa, so könnte man meinen, vor allem die sprachliche Vielfalt sei hier das entscheidende Hindernis auf dem Weg zu mehr wirtschaftlicher Dynamik. Doch abgesehen davon, dass die englische Sprache sich längst allgemein durchgesetzt hat, fehlt es in Europa an einer überall akzeptierten politischen Führung. Gegenbeispiel China: Dort ist das Sprachengewirr noch viel größer als in Europa und geht so weit, dass Menschen aus Peking oft nichts mehr verstehen, wenn ihre Landsleute aus Shanghai miteinander sprechen. Doch die politische Führung hat Mandarin als offizielle Sprache durchgesetzt; sogar die eigenwilligen Shanghaier müssen sie lernen. Und was das Englische betrifft: In Metropolen, ihrem Umfeld und in touristisch erschlossenen Gebieten findet man kein Schild, das nicht auch englisch beschriftet wäre – in Europa Fehlanzeige.

Hohe Barreserven sind Trumpf

Der Mangel an politischer Führung in Europa ist es, der das Durcheinander beim Versuch zur Bewältigung der Schuldenkrise in Ländern wie Griechenland und Portugal von Mal zu Mal  schlimmer macht. Dass ausgerechnet US-Präsident Obama, dessen Land gerade eine viel schlimmere Schuldenkrise durchsteht als Europa oder der Euro-Raum insgesamt, der deutschen Bundeskanzlerin unter anderem Ratschläge zu mehr militärischen Einsätzen und sogar zur Rettung der europäischen Schuldensünder mit auf den Weg gegeben hat, spricht Bände: Das Schlitzohr aus dem Weißen Haus nutzt das Führungsvakuum des Alten Kontinents eiskalt aus, um eine ihm genehme Politikerin für seine eigenen Ziele zu instrumentalisieren.

Es war noch nie ratsam, in einem solchen Umfeld allzu mutig Risiken bei der Geldanlage einzugehen. Das gilt gleichermaßen für Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe und – zumindest temporär – auch für Gold und Silber. Das heißt, wer mit einem relativ hohen Anteil an Barreserven in die nächste Anlagerunde geht, kann im Zweifel nur gewinnen. Zumal zu erwarten ist, dass die Bundeskanzlerin ihre Rolle in Europa demnächst um die Funktion als Obamas Vollstreckerin ergänzen und damit für noch mehr Unruhe unter den europäischen Partnerländern sorgen wird. Daraus drohen Konflikte zu erwachsen, die sich negativ auch auf die Kurse von Aktien und Anleihen auswirken werden. Ein Liquiditäts-GAU wie im Herbst 2008, als alle Anlagen nach unten mitgerissen wurden, ist jedoch nicht zu erwarten. Denn wie Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, erst vor wenigen Tagen ankündigte, wird er die lockere Geldpolitik fortsetzen. Die Europäische Zentralbank wird nicht auf Dauer dagegenrudern können.

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