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Gbureks Geld-Geklimper

Griechenland-Krise: Was Anleger jetzt tun sollten

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Sind außer griechischen auch andere Staatsanleihen gefährdet? Haben Aktien weiteres Kurspotenzial? Ist Gold immer noch interessant? Solche und andere Fragen haben Anlageprofis in dieser Woche diskutiert – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Quelle: AP

Bert Flossbach erzählt gern von seiner jüngsten Reise nach Athen, wie er vor der Akropolis saß und über die unglaublichen Zahlen nachdachte, die seine Gesprächspartner vor Ort ihm genannt hatten. Als Vorstand und Anlagestratege der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch war es zu Beginn dieser Woche schließlich eine seiner wichtigsten Aufgaben, für Anleger aktuell die entscheidenden Schlussfolgerungen aus dem Finanzdesaster Griechenlands zu ziehen. Flossbach fasst zusammen: "Die Zahlen, die ich gehört habe, waren erschreckend. Die Restrukturierung der griechischen Schulden ist unvermeidlich. Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Hauptthema der nächsten Dekade heißt Staatsschulden. Die Steuern gehen hoch." Leider nicht nur die griechischen, sondern auch die deutschen, so die Quintessenz.

Als hätte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dem Vermögensverwalter zugehört, sah er sich wenige Stunden später im Rahmen eines ARD-Interviews gezwungen, die Bundesbürger beim Thema Steuern zu beruhigen: Er hoffe, dass die deutsche Hilfe für Griechenland "nichts kostet", es gehe ja "nicht um Steuergelder", sondern um einen Kredit. Das war als Ablenkungsmanöver vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai durchaus clever formuliert. Aber was sollte es bedeuten? Jens Ehrhardt, Chef der nach ihm benannten Vermögensverwaltung in Pullach, zerbricht sich zu diesem Fragenkomplex schon seit Monaten den Kopf, weil er wie Flossbach für seine Anleger die richtigen Schlüsse ziehen muss. "Man wird einen Konkurs Griechenlands nicht zulassen", argumentiert er, "man wird Zeit kaufen". Man, das ist die EU, das ist speziell die Eurozone und noch spezieller Deutschland.

Inflation: Die Experten sind uneinig

Den Pullacher Vermögensverwalter verbindet in diesem Punkt eine gewisse geistige Verwandtschaft mit Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der Investmentgesellschaft DWS in Frankfurt. Auch er ist sicher, man werde sich "erst einmal Zeit kaufen". Dann wird er konkreter: "In der nächsten Woche wird das Problem gelöst sein." Die Folge auf lange Sicht: "Auch Deutschland wird sein Schuldenproblem nie lösen können." Kaldemorgen resümiert: Zur Lösung des Problems böten sich zwar Steuererhöhungen an, aber sie seien "kein gangbarer Weg". Darüber hinaus könnten die Schulden durch mehr Wirtschaftswachstum kompensiert werden. Und schließlich gebe es ja noch den Ausweg aus der Schuldenfalle durch mehr Inflation, den Kaldemorgen als "Königsweg" bezeichnet. Sein Fazit mit Blick auf die Geldanlage: Weder mehr Wirtschaftswachstum noch mehr Inflation ist für Anleihen gut. Damit zielt er besonders auf Staatsanleihen ab und ergänzt: "Inzwischen sind Unternehmen die besseren Schuldner."

Beim Thema Inflation sind die Experten sich nicht einig. Während Kaldemorgen argumentiert, die Notenbanken könnten den Politikern nicht ohne Weiteres in den Rücken fallen, wenn diese sich zu wenig um die Inflationsgefahren kümmerten, meint Ehrhardt: "In diesem Punkt tue ich mich schwer." Und Rolf Banz,  Anlagestratege der Privatbank Pictet in Genf, findet etwas Inflation, außer dass sie den Staaten die Schuldentilgung erleichtert, aus einem ganz spezifischen Grund gar nicht so schlecht: "Sie hat den Vorteil, dass Vermögen von der alten auf die junge Generation transferiert wird." Natürlich vorausgesetzt, beide verhalten sich entsprechend und investieren nicht ihr ganzes Geld in Staatsanleihen.

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