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Gbureks Geld-Geklimper

Immobilienbranche zwischen Dichtung und Wahrheit

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Manfred Gburek

Das im Durchschnitt schlechte Abschneiden der Gewerbeimmobilien ist ein Spiegelbild der Ergebnisse offener Immobilienfonds, deren Befürworter einst mit der Parole angetreten waren, dem gemeinen Volk ein Gefühl von Sachwerteigentum zu vermitteln. Was ist daraus nur geworden: Ein Teil der volkseigenen Betriebe musste geschlossen werden, die Anleger wurden verprellt, und der Gesetzgeber brachte hurtig ein Anlegerschutzgesetz auf den Weg, um Schlimmeres zu verhindern. Jetzt tönt es aus Branchenkreisen, das alles sei von gestern, die Zukunft liege nicht mehr in Europa, sondern in Asien. Das mag so sein, doch die cleversten Immobilienmanager sind schon dort und diktieren die Preise. Zudem kostet die Bildung von funktionierenden Partnerschaften, ganz zu schweigen vom Aufbau eigener Niederlassungen, viel Zeit und vor allem Geld, was letzten Endes zu Lasten der Anleger geht.

Haben Normalanleger denn überhaupt keine Chance, mit Immobilien Geld zu verdienen? Sie haben. Allerdings weder mit offenen Immobilienfonds noch mit staatlich verordneten Vertriebshilfen wie dem sogenannten Wohn-Riester. Sondern entweder, indem sie in zukünftig gefragten Innenstadtlagen Objekte  erwerben, die sie sich leisten können; dazu gehört allerdings sehr viel Marktforschung vor Ort. Oder, indem sie sich an Immobilien-AGs beteiligen, deren Aktien zu ein- bis zweistelligen Kursen zu haben sind. Einige dieser Aktien sind zuletzt kräftig gestiegen, etwa Deutsche Wohnen oder TAG Immobilien. Andere können zwar nicht mit üppigen Kursgewinnen aufwarten, aber mit hohen Dividenden, wie Deutsche Euroshop, oder mit ungehobenen Schätzen, wie conwert. Wiederum andere, vor allem IVG, sind nach einem möglichen weiteren Kursrückschlag allein schon deshalb spekulativ interessant, weil sie potente Großaktionäre haben.

Eine Lanze für Immobilienaktien

Zweifellos erfordert die Investition in Immobilienaktien mit ihren starken Kursschwankungen vor der Anlageentscheidung ebenso viel Marktforschung und Spekulation wie die Suche nach einem passenden Objekt aus Beton und Backsteinen. Nur konzentriert sich die Aufmerksamkeit dann zunächst mehr auf die Internetseiten der Unternehmen mit wenigen knallharten Ad hoc-Meldungen und leider auch viel weicher Prosa, aufgehängt an Begriffen wie Shareholder Value und Investor Relations. Wichtig ist das Verfolgen des Informationsflusses über eine längere Zeit, weil sich so am besten ermitteln lässt, wie glaubhaft Vorstände wirklich sind und wie die Aktienkurse darauf reagiert haben.

Großanleger vertreiben die Amateure

Amateurvermieter mit wenigen Mietshäusern sind Auslaufmodelle. Großanleger, die gleich Hunderte oder Tausende von Wohnungen kaufen und wieder verkaufen, bestimmen immer mehr das Szenario. Auch das ist ein Grund, warum potenzielle Verkäufer einzelner Objekte es so schwer haben, ihre Preisvorstellungen durchzusetzen: Ihnen fehlt, sieht man von Portalen wie ImmobilienScout24, Immowelt, Immonet und spezialisierten Portalen ab, ganz einfach ein funktionsfähiger Markt. Der sieht bei den genannten Immobilien-AGs schon ganz anders aus: Die Deutsche Wohnen-Aktie gehört seit einiger Zeit dem MDax an, TAG Immobilien schwingt sich durch die Übernahme von Konkurrenten zu neuer Größe auf, und conwert arbeitet mit der Fondsgesellschaft DWS zusammen. Fehlt nur noch, dass die Kurse kräftig durchgeschüttelt werden, damit potenzielle Käufer günstig einsteigen können.

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