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Gbureks Geld Geklimper

Inflation kommt spät, aber gewaltig

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Frankreich gewinnt, Deutschland verliert. Das ist nur eine von mehreren fatalen Folgen der jüngsten geldpolitischen Beschlüsse der EZB. Jetzt bleibt Anlegern erst recht nichts anderes übrig, als in Edelmetalle zu flüchten.

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ARCHIV - ILLUSTRATION - Zwei Quelle: dpa

Als am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ eine Währung mit dem Namen „Schizo“ aus der Taufe gehoben wurde, hatten die Kabarettisten die Lacher auf ihrer Seite. Dabei ist die Idee, den Euro von nun an schizophren anmuten zu lassen, gar nicht so abwegig.

Denn auf einmal bildet die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit der Fiskalpolitik der Euro-Länder einen ungesunden Mischmasch, und  - schlimmer noch – alle Euro-Länder haften gegenseitig für ihre Schulden. Abzusehen ist, dass Deutschland als führende europäische Wirtschaftsnation bald am meisten in Haftung genommen wird, und zwar nicht nur qua Beschluss (wie offenbar bereits geschehen), sondern in Form von immer größer werdenden Hilfspaketen.

Da klingt der folgende Satz von Kanzlerin Angela Merkel wie blanker Hohn: „Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland.“

Derweil ergießt sich das Geld der Profis in Konsequenz aus dem in die Schizophrenie (schwere Psychose) geratenen Euro dahin, wo die Profis es sicher wähnen: weiter in Edelmetalle und nach kurzer Pause wieder in Aktien. Das, obwohl die Edelmetalle ihre alten Preisgipfel entweder schon übersprungen haben (Gold) oder kurz davor sind (Silber) und obwohl die Aktienkurse immer wieder mal kräftig schwanken.

Die EZB lädt zum Spiel ein

Diese Entwicklung ist am besten so zu erklären: Andere Euro-Länder, besonders Frankreich, haben offenbar schon lange einen schwachen Euro herbeigesehnt.

Warum auch und gerade Frankreich, konnte man leicht an den eiskalten Mienen ablesen, mit denen sich Kanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zeitweise in der Öffentlichkeit begegneten. 

Die tiefen Ursachen des Zerwürfnisses zwischen Deutschland und den meisten anderen Euro-Ländern bestehen wohl darin, dass diese Länder unfähig sind, Reformen durchzusetzen, und jetzt hoffen, erst mit deutscher Hilfe einen Teil ihrer Probleme bewältigen zu können und später ihre Schulden mit inflationiertem Geld zurückzuzahlen. Die Edelmetall- und Aktienmärkte nehmen das mit steigenden Preisen bzw. Kursen vorweg.

Dorthin fließt indes nicht nur Anlage-, sondern auch Spielgeld. Die Einladung zum Spiel kommt von der EZB, die nach wildem Hin und Her beschlossen hat, Staats- und Privatanleihen zu kaufen, damit also dem Modell der US-Notenbank Fed und der Bank von England zu folgen.

Um jedoch von den fatalen Folgen dieser Wende um 180 Grad abzulenken, versucht die EZB die Gemüter mit den folgenden Sätzen zu beruhigen: „Um die Auswirkungen der obigen Interventionen (gemeint sind die Anleihenkäufe)  zu sterilisieren, werden gezielte Operationen durchgeführt, um die durch das Programm für die Wertpapiermärkte bereitgestellte Liquidität wieder abzuschöpfen.

Dadurch wird gewährleistet, dass der geldpolitische Kurs nicht beeinflusst wird.“ Sozusagen sterilisieren auf der Intensivstation. Die Wortwahl kann kaum davon ablenken, dass die Geldpolitik der EZB in Zukunft extrem expansiv sein wird.

Streuung, Timing und das Gold

Besteht unter diesen Voraussetzungen Inflationsgefahr? Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Axel Weber beantwortet diese zurzeit heiß diskutierte Frage auf seine zurückhaltende  Art: „Der Ankauf von Staatsanleihen birgt erhebliche stabilitätspolitische Risiken.“

Die Antworten anderer führender Köpfe lauten ähnlich, aber um einige Nuancen schärfer. Tenor: Die Inflation kommt spät, aber gewaltig. Das heißt, das Inflationspotenzial baut sich erst langsam auf. Es erfasst wie bereits in den vergangenen Jahren vor allem die sogenannten Assets (Aktien, Immobilien, Edelmetalle, Rohstoffe). Und wenn die Voraussetzungen für das Überschwappen auf die Güter des täglichen Bedarfs gegeben sind, ziehen auch deren Preise kräftig an.

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