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Gbureks Geld-Geklimper

Irland knickt ein, Deutschland zahlt

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Aus Rettungsaktionen für Banken werden Staatsaffären in der EU. Damit wächst die Gefahr, dass sogar deutsche Bundesanleihen nicht mehr sicher sind.

Deutsche-Bank-Chef Josef Quelle: REUTERS

Als am Mittwoch aus Anlass der 13. Euro Finance Week in Frankfurt eine illustre Runde von Bankern mit Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin über die Schuldenkrise diskutierte, kam die Sprache natürlich auch auf das heiße Thema Irland. Da warf der auffallend aufgeräumte scheidende HSH Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher zwei Begriffe in die Debatte: „too complex to fail“ und „too connected to fail“. Nun hat man sich gerade an „too big to fail“ und „too big to save“ gewöhnt, was sollen dann schon wieder neue Anglizismen?

Im Fall Irland eine ganze Menge. Zielt „too big to fail“ darauf ab, dass Großbanken um jeden Preis vor der Pleite bewahrt werden müssen, weil sonst ein Finanzkollaps droht, steckt in „too big to save“ schon die Kapitulation vor der zu großen Rettungsaufgabe. Also lässt die EU es um keinen Preis der Welt so weit kommen. Dies vor allem auch deshalb, weil die Rettung von Banken und ganzen Staaten bedeutet, in finanzielle Gebilde (zum Beispiel Derivate oder staatliche Garantien) vorzudringen, die „too complex“ sind, und dabei feststellen zu müssen, dass man in der EU schon „too connected“ ist.

Zu komplex und zu verbandelt

Aber warum hat Irlands Statschef Brian Cowen sich so lange geziert, Finanzhilfe von der EU anzunehmen? Eine plausible, aber längst noch nicht ausreichende Antwort: Weil er weder sein Gesicht noch die nächsten Nachwahlen verlieren will. Die wichtigste Ursache dürfte indes darin bestehen, dass Irland bis Mitte 2011 finanziell gut versorgt ist, folglich den Kapitalmarkt bis dahin erst gar nicht anzuzapfen braucht. Im Übrigen verfügt Irland über eine Liquiditätsreserve in Höhe von etwa 30 Milliarden Euro, mit der das Land locker auch noch bis Ende 2012 über die Runden käme.

Damit schließt sich die nächste Frage an: Warum knickt Cowen jetzt ein? Die Antwort: Das Geflecht von EU-Staaten und -Banken (nicht nur im Euro-Raum) ist „too complex“ und „too connected“, als dass ein einzelner Regierungschef sich ihm entziehen könnte. So geht die zuletzt von den Medien hochgespielte Neuverschuldung Irlands auf die Rettung irischer Banken mit 350 Milliarden Euro zurück. Das führt rein zahlenmäßig zur riesigen Neuverschuldung Irlands in Höhe von 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Clou besteht laut Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hier nicht etwa in dieser ungewöhnlichen Dimension, sondern in etwas ganz anderem: „Der Finanzmarkt behandelt diese Maßnahmen derzeit, als handle es sich bereits um 350 Milliarden an Abschreibungen. Das ist absurd.“

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