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Gbureks Geld-Geklimper

Kunden der Finanzdienstleister in Gefahr

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Was also tun, armer Kunde? Einzig die folgende dreiteilige Antwort erscheint plausibel: 1. Viel mehr Zeit als bisher in eine Art Mini-Königsweg investieren, also die Funktion des Family Office soweit wie möglich selbst übernehmen. 2. Berater jeder Art erst nach gründlicher Vorbereitung auf das betreffende Thema einschalten, aber die abschließende Entscheidung selbst treffen. 3. Allen Verkaufshilfen misstrauen, die inzwischen schon wie eine Epidemie daherkommen, von klangvollen, mit Aglizismen gespickten Titeln wie Certified Financial Planner oder Financial Consultant über alle möglichen Ratings von offenen und geschlossenen Fonds bis zu TÜV- und DIN-Siegeln. Im Jargon der nicht immer feinen Finanzbranche spricht man auch von „Schweinestempeln“.

Das Allerletzte

Dahinter steckt die perfide Idee, Kunden mittels neutral erscheinender Instanzen zum Produktkauf zu bewegen. Titel kommen gegen hohe Honorare für Fortbildungsveranstaltungen bei privaten Hochschulden zustande, wie ebs Finanzakademie oder Frankfurt School of Finance & Management. Ratings werden von einer Vielzahl mit unterschiedlichen Methoden arbeitender Firmen vergeben, wie Standard & Poor's oder Scope; wer ein Rating haben will, zahlt dafür. Die vor einiger Zeit in Mode gekommenen TÜV- und DIN-Siegel schließlich sind das Allerletzte, allein schon weil sie enorme Haftungsprobleme mit sich bringen dürften.

Fazit: Die Masse der Finanzdienstleister dient weder den Kunden noch leistet sie etwas, sondern schielt auf Provisionen. Kunden, die hohen Beratungsbedarf haben, sollten sich vor allem wegen der Wirtschaftskrise viel mehr als bisher um alle ihre Finanzen kümmern. Denn die Gefahr, aufgrund von Empfehlungen so genannter Berater Fehler zu begehen, wächst mit deren durch den Provisionsdruck erheblich gestiegener Verkaufsaggressivität. Titel, Ratings - oft in Verbindung mit Awards, also Auszeichnungen – und Vertrauen erweckende branchenfremde Siegel sind in erster Linie Verkaufshilfen. Wer sich an dieses Fazit hält, hat schon gewonnen.

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