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Gbureks Geld-Geklimper

Sparer für dumm verkauft

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Der Staat und die Finanzkonzerne machen gemeinsame Sache. Heraus kommt ein legalisiertes Schneeballsystem, dem Sparer sich unbedingt entziehen sollten.

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Abschmelzender Schneemann in Quelle: dpa

Griechenland, Opel, Ikea – um nur drei markante aktuelle Brandherde zu nennen – haben eines gemeinsam: Sie stehen stellvertretend für zig Instrumente der Umverteilung. Wer so naiv ist, zu glauben, sie seien ohne Einfluss auf die eigenen Finanzen, unterliegt einem Trugschluss. Griechenland besorgt sich Geld von der EU wie auch direkt von Deutschland (und damit von den Steuerzahlern) mal eben einfach über den Druck der Straße, sprich Streiks. Opel wird auf Kosten der Beschäftigten und der Steuerzahler kaputtsaniert, und die Politik ist so gut wie machtlos, in Deutschland etwa wegen des Opel-Werks in Bochum, das seine Schatten auf die nordrhein-westfälische Landtagswahl am 9. Mai wirft. Und Mitarbeiter von Ikea haben kurzerhand die französische Zentrale des Möbelkonzerns besetzt, um ihre Gehaltsforderungen durchzusetzen.

Solche und ähnliche Fälle wird es demnächst immer häufiger geben. Denn wo die Wirtschaft nicht mehr wächst, wird umverteilt, und da sind die Spielregeln ganz andere als in Zeiten wirtschaftlicher Blüte: Wer den größten Druck erzeugt, gewinnt; wer sich dem Druck beugen muss, verliert. In diesem Kampf zeigt der Staat zwei Gesichter: Als ultimative Machtinstanz kann und muss er zwar letztlich für Ordnung sorgen, aber als von der nächsten Wahl abhängiges Parteienkonglomerat nimmt er diese Möglichkeit nur wahr, sofern er damit bei den Wählern punkten kann – mit immer höheren Schulden, die am Ende entscheidend zur Geldentwertung führen werden. Und die Bürger, speziell in ihrer Funktion als Steuerzahler und Sparer? Sie lassen sich zunehmend vom Staat für dumm verkaufen, indem sie seine Geschenke (von den durch das Bundesverfassungsgericht korrigierten Hartz IV-Beträgen bis zur staatlich verordneten Rettung der Banken und damit ihrer Ersparnisse) dankend annehmen und darauf bauen, dass der Staat sich schon weiter verschulden wird, um die Wähler bei der Stange zu halten.

Schneeballsystem von Staats wegen

Damit erreicht der Verteilungsmechanismus eine gefährliche Dimension, eine Art  Schneeballsystem, das man bisher eher von Betrügern wie Ponzi und Madoff kannte: Der Staat nimmt immer höhere Kredite auf, die in Form von Anleihen und sonstigen Zinspapieren auf dem Umweg über Kapitalsammelstellen (Fonds, Versicherer, Pensionskassen usw.) bei den Sparern landen. Neu daran ist, dass der Staatsanteil bei dem so angelegten Geld in einem Ausmaß wächst, das den meisten Sparern gar nicht bewusst ist. Beispielsweise ist das Geldvermögen der Deutschen (insgesamt über 4,6 Billionen Euro) zu 38 Prozent auf Konten und in Sparbriefen angelegt. Da der Staat hierfür eine Sicherheitsgarantie abgegeben hat, lässt sich diese Anlage nur noch bedingt als privat bezeichnen. Ähnlich verhält es sich mit dem Geld, das die Sparer – immerhin zu 28 Prozent – in Lebensversicherungen deponiert haben. Denn deren Manager verwalten es, indem sie vorzugsweise in festverzinsliche Titel investieren, darunter auch Papiere von Banken, die wiederum von der Staatsgarantie profitieren.

Ebenfalls zu 28 Prozent ist das Geldvermögen deutscher Sparer in Kapitalmarktprodukten angelegt, vor allem in Anleihen, Fonds und Aktien. Nun könnte man meinen, wenigstens dieser Teil der 4,6 Billionen werde dynamisch verwaltet. Doch weit gefehlt: Was Anleihen betrifft, gehören die Emittenten überwiegend zum öffentlich-rechtlichen Sektor. Das gilt auch für einen Großteil der Fonds: Für Rentenfonds, weil sie direkt in Anleihen investieren, wobei zum Teil sogar Unternehmensanleihen einen öffentlchen Anstrich haben, sofern sie von den staatlich geförderten Versorgern emittiert wurden. Und für Aktienfonds, weil ein Großteil ihrer Anlagen auf Aktien von Banken und Versicherern (s.o.) sowie von Versorgern entfällt.

Manfred Gburek

Damit ist das staatlich sanktionierte Schneeballsystem allerdings nicht abschließend beschrieben. Denn es gibt ja noch die Riester-Rente, eine inzwischen über 13 Millionen mal verkaufte Variante der privaten Altersvorsorge, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient. Warum nicht, hat Uwe Wystup, Mathematikprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management, akribisch anhand der ihm vorliegenden Angebote ermittelt. Danach bleiben große Teile der Ersparnisse von potenziellen Riester-Rentnern in einem wahren Gebührenwirrwarr hängen. Wystup zählt auf: Abschluss-, Verwaltungs- und Managementgebühr, Gebühren auf Zulagen und Zuzahlungen, Ratenzuschläge und Ausgabeaufschläge, Depot-, Fondswechsel-, Anbieterwechsel- und Kapitverrentungsgebühr. Insgesamt versickert so etwa ein Zehntel der eingezahlten Beiträge bei den Anbietern, die das Geld der Sparer – sieht man vom so genannten Wohn-Riester ab – wiederum überwiegend in das staatlich geförderte Schneeballsystem investieren. So gesehen, ist die Riester-Rente zunächst vor allem ein Subventionsprogramm für Banken, Sparkassen, Versicherer, Bausparkassen und Finanzvertriebe. 

Wenn die Umverteilung schon solche Formen angenommen hat, dass der Staat sie in der hier beschriebenen Art und Weise sogar auf die Anbieter von Finanzprodukten ausdehnt, wie kann man ihr dann noch entgehen? Vor allem durch Verzicht auf staatliche Geschenke, die bei näherer Betrachtung keine sind, durch Nachdenken über Alternativen und darauf aufbauend durch eine individuelle flexible Anlagestrategie. So dürften die meisten Sparer, die beabsichtigen, später in den eigenen vier Wänden zu wohnen, mit der Kombination aus einem normalen Bausparvertrag und dem auf die persönlichen Verhältnisse abgestimmten Vermögensaufbau besser fahren als mit dem total überregulierten Wohn-Riester.

Lieber individuell vorsorgen

Und beim individuellen Vermögensaufbau sollte die steuerliche Komponente mehr Beachtung finden, als die Propaganda der Finanzkonzerne und der anderen Anbieter verheißt. Das bedeutet: Da der Staat den Sparern ein Viertel ihrer Gewinne aus Wertpapieranlagen mithilfe der Abgeltungsteuer wegnimmt, sind sie gut beraten, ihr Geld in Wohnimmobilien und physische Edelmetalle (Anlagemünzen, vorwiegend aus Gold und Silber) zu investieren, deren Gewinne von der Abgeltungsteuer verschont bleiben – und nicht zu vergessen: von der unsäglichen Umverteilung sowie der staatlich initiierten Geldentwertung ebenfalls.

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