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Gbureks Geld-Geklimper

TÜV-Siegel ohne Wert

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Manfred Gburek

Ihre angeblich preiswertere, in Wahrheit aber viel teurere Alternative hieße dann: Allfinanzberater, sprich Verkäufer. Dessen Vorschlag bestünde dann wahrscheinlich in einem ganzen Paket von Finanzprodukten,  zusammengesetzt aus einer Kapital- oder fondsgebundenen Lebensversicherung über 300.000 Euro (gesamte Provision: nicht unter 10.000 Euro), aus diversen weiteren Versicherungen (Provision alles in allem mindestens 1.000 Euro), aus einem Bausparvertrag über 100.000 Euro (Provision: 1.000 Euro) und aus einem Fondssparplan (Total Expense Ratio über die ganze Laufzeit: zwei Prozent von 100.000 Euro = 2.000 Euro), macht zusammen 14.000 Euro. Das sind horrende 8.000 Euro mehr als im Fall des Honorarberaters. Angenommen, der Verkäufer, der die Familie zu solchen Angeboten drängt, ist in erster Linie umsatz- und provisionsgetrieben (was seine Bank oder Sparkasse, sein Versicherungskonzern oder Finanzvertrieb ja von ihm verlangt), dürfte obendrein die Produktauswahl – im Gegensatz zu der des Honorarberaters – alles andere als optimal sein. Doch statt ihn an die frische Luft zu befördern, lädt die Familie ihn auch noch zu Kaffee und Kuchen ein, weil sie die versteckten Provisionen nicht ohne Weiteres so schnell entdecken kann.

Ohnmächtige Verbraucherzentralen

Bis die Honorarberatung für Finanzprodukte in Deutschland etabliert ist, werden nicht nur bis zu fünf Jahren für die Ausformulierung des endgültigen Gesetzentwurfs vergehen, sondern auch allerlei bürokratische und organisatorische, ja sogar mentale Hürden zu überwinden sein. So hat die für den Verbraucherschutz zuständige Ministerin Ilse Aigner sich zwar des Provisions- und Beraterthemas angenommen, „aber sie kann nichts durchsetzen“, kritisiert Siepe. Sie arbeitet zwar eng mit der Stiftung Warentest zusammen und gewährt ihr weitere Millionen aus dem Staatssäckel, aber für die Gesetzgebung sind die Ministerien für Justiz, Wirtschaft und gegebenenfalls Finanzen zuständig. Die Stiftung führt zwar so genannte Beratertests durch, aber deren Methodik bleibt umstritten. „Aus unserer fachlichen Sicht liegt die Stiftung Warentest nicht immer richtig“, bemängelt VERS-Chef Hans-Hermann Lüschen. Und nach Ansicht von TÜG-Chef Martin Lindenberg ist es inzwischen sogar zu einer „Täuschung der Verbraucher“ mit Zertifikaten und Qualitätssiegeln gekommen, „die wir nicht länger unwidersprochen hinnehmen wollen“. Was setzen die Verbraucherzentralen dagegen? Zu wenig, denn ihre fähigsten Köpfe wechseln entweder die Seiten, indem sie etwa bei Banken anheuern, oder sie kommen in den relevanten Ministerien unter.

Fazit für Anleger

Solange der Anlegerschutz als qualifizierte Variante des Verbraucherschutzes den TÜVs und anderen in Geldangelegenheiten nicht viel kompetenteren Stellen überlassen bleibt (wie dem Verbraucherschutzministerium oder der Stiftung Warentest), bieten mahnende Einzelkämpfer wie Siepe einen gewissen Schutz vor den gröbsten Fehlern. Und solange es kein umfassendes Anlegerschutzgesetz mit dem Ziel einer vernünftigen Honorarberatung gibt, muss jede(r) die eigenen Finanzen selbst in den Griff bekommen. Das erfordert zwar eine individuelle Planung und umfangreiche Recherchen, von Fall zu Fall auch Informationsgespräche am Banktresen (möglichst ohne direkten Abschluss), aber mangels Alternativen lohnt es sich – noch bis zu fünf Jahren.

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