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Gbureks Geld-Geklimper

Wohin mit den liquiden Mitteln?

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Der Bund will den Markt für seine inflationsgeschützten Papiere beleben. Anleger, die ihre liquiden Mittel parken möchten, können davon profitieren.

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Ein überdimensionales Quelle: dpa/dpaweb

Eine Woche vor Weihnachten hatte die Vermögensverwaltung des Bundes mit dem sperrigen Namen Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur eine bemerkenswerte Pressemitteilung veröffentlicht, der mit der Bundesanleihe am Dreikönigstag der erste – noch routinemäßige - Vollzug des Jahres 2010 folgte. Routine herrschte auch noch vor, als von optimistisch klein gerechneten Einmalemissionen über 343 Milliarden Euro zur Finanzierung des Bundeshaushalts und der Sondervermögen des Bundes im neuen Jahr die Rede war. Doch dann fiel eine Bemerkung auf, wonach drei bis vier Milliarden Euro pro Quartal zum weiteren „Aufbau des Marktsegments für inflationsindexierte Bundeswertpapiere im Jahr 2010“ vorgesehen sind. Dazu der Hinweis: „Darüber hinaus ist der Bund weiterhin bestrebt, die Liquidität am Sekundärmarkt für inflationsindexierte Bundeswertpapiere durch eigene Marktaktivitäten zu unterstützen.“

Da tut sich also etwas. Das heißt, die Aktivitäten der Finanzagentur verlagern sich – zunächst ein wenig, später wahrscheinlich immer mehr – auf die bisher eher stiefmütterlich behandelten Papiere mit Inflationsschutz. Das kann man in Anbetracht der zurzeit noch geringen Inflationsrate durchaus als antizyklische Schuldenstrategie bezeichnen. Im übrigen auch deshalb, weil der Emissionskalender des Bundes für 2010 eine höhere Beanspruchung des Kapitalmarktes zu Lasten des Geldmarktes vorsieht (60 zu 40 Prozent), wobei Bundesschätze mit zwei, Bundesobligationen mit fünf und Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit den Schwerpunkt bilden sollen, wogegen Kurzläufer (Bubills) auf dem Rückzug sind.

Kompliziert, aber mit Inflationsschutz

Wie steht es um den Inflationsschutz aus dem Blickwinkel der Anleger? Mit einem Wort: kompliziert. Hier die Details inflationsindexierter Bundesanleihen beziehungsweise -obligationen (Sammelbegriff: Linker) in groben Zügen: Der Zinskupon wird als fester Prozentsatz des Produktes aus dem Nennwert der Anleihe beziehungsweise Obligation und der zum Kupontermin (Tag der Zinszahlung) gültigen Indexzahl gezahlt. Ist die Rückzahlung der Papiere fällig, erfolgt sie nicht zum üblichen Nennwert, sondern zu einem Wert, der mit der am Fälligkeitstag gültigen Indexzahl multipliziert wird. Das ist dann quasi die zweite Etappe des Inflationsausgleichs. Als Messlatte für die Inflation gilt der unrevidierte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) der Eurozone ohne Tabak. Im Fall der Deflation gibt es den ursprünglichen Nennwert zurück.

Der HVPI kann natürlich nur jeweils im Nachhinein ermittelt werden, die entsprechende zeitliche Verzögerung schlägt also auf die Bundes-Linker durch. Das gilt auch für die Berechnung der tagesgenauen Stückzinsen. Beispielrechnungen finden sich in der betreffenden Rubrik unter deutsche-finanzagentur.de. Das hier kurz beschriebene Linker-Konstrukt ist übrigens nicht zu verwechseln mit der sogenannten Tagesanleihe des Bundes, deren Indexierung vom Zinssatz im Interbankenhandel abhängt, dem sog. Eonia (Euro overnight index average). Wer allerdings aus gutem Grund darauf spekuliert, dass in Zukunft höhere Inflationsraten und steigende Zinsen konform gehen, ist im Endeffekt mit der Tagesanleihe des Bundes ebenso gut bedient wie mit einem Linker.

Manfred Gburek

Eine in diesem Zusammenhang oft gestellte Frage lautet: Lohnt sich wegen der zurzeit geringen Inflation überhaupt schon der Kauf von inflationsgeschützten Anleihen (lange Laufzeit) oder Obligationen (mittlere Laufzeit)? Und eine weitere Frage, die sich unmittelbar anschießt: Ist das in solchen Anleihen angelegte Geld überhaupt noch sicher, wenn die Inflationsraten irgendwann zweistellig sein werden?

Die erste Frage lässt sich leicht beantworten: Wer die heute üblichen Minizinsen leid ist und höhere Zinsen anstrebt, ohne dafür die Ausfallrisiken hochverzinslicher Schrottanleihen in Kauf nehmen zu wollen, trifft mit zurzeit umlaufenden inflationsgeschützten Bundesanleihen, Restlaufzeit bis 2016, und mit inflationsgeschützten Bundesobligationen, Restlaufzeit bis 2013, sicher eine vernünftige Wahl. Bei längeren Restlaufzeiten, beispielsweise bis 2020, ist dagegen schon Vorsicht angebracht – was zur Antwort auf die zweite Frage führt: Da Inflationsraten in der Regel nicht von heute auf morgen nach oben schießen, sondern zunächst schleichend und erst danach immer heftiger steigen, dürfte der rechtzeitige Ausstieg dank der eingangs zitierten Liquiditätsvorsorge des Bundes für den Sekundärmarkt problemlos gelingen.

Staatsschulden erst später ein Problem

Eine weitere, ebenfalls oft gestellte Frage betrifft die Staatsschulden: Sind Bundesanleihen und -obligationen überhaupt noch sicher, wenn der Bundeshaushalt vor lauter Schulden aus den Nähten platzt? Anleihen mit langen Restlaufzeiten (egal, ob mit oder ohne Inflationsschutz) bestimmt nicht, weil ihre Kurse – besonders die der nicht inflationsgeschützten Anleihen – dann in den Keller gehen werden. Da Staatsschulden sich aber ähnlich schleichend aufbauen wie Inflationsraten und erst zu einem späteren Zeitpunkt außer Kontrolle geraten, dürften inflationsgeschützte Bundesobligationen mit einer Restlaufzeit bis 2013 sicher und inflationsgeschützte Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit bis 2016 zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht von der kommenden Schuldenblase betroffen sein. Immerhin haben wir in Deutschland längst keine griechischen Verhältnisse, sondern ein Bruttoinlandsprodukt, das die Staatsverschuldung in diesem Jahr 1,3-mal übertrifft. Das wird zwar nicht mehr jahrelang so bleiben, spricht aber nicht gegen das Parken liquider Mittel in den genannten Papieren mit Inflationsschutz.

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