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Geldanlage Sicherheit vor Rendite

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Thorsten Polleit Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

Könnte eine Zwangskapitalisierung der Banken helfen, die diskutiert wird?

Flossbach: Ich befürchte, dass die Zeit für eine Stabilisierung der Banken über normale Maßnahmen wie Kapitalerhöhungen am Aktienmarkt schon verpasst worden ist und es deswegen keine Alternative mehr dazu gibt. So hat etwa die Deutsche Bank die Erholung der letzten zwei Jahre nicht genutzt, um ihre Bilanz zu stärken. Nun lamentieren die Banker, dass sie sich bei den tiefen Aktienkursen nicht mehr genügend Kapital auf dem Markt holen können. Ja schön, aber ist das unser Problem? Nein! Die Konsequenz kann nur lauten, dass man die Banken nun zu ihrem Glück zwingt und sie teilverstaatlicht. Zumindest temporär. Das geht. Man hat es in den USA mit der Citigroup ja vorgemacht.

Polleit: Ich bin nicht sicher, ob das so einfach gelingt. Der Bankenapparat in Europa ist sehr, sehr groß im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Die Idee, ihn mit Steuergeldern zu stützen, freiwillig oder unfreiwillig über Verstaatlichung, sehe ich skeptisch. Die Banken in Euro-Land haben zusammen ein bilanzielles Eigenkapital von 2200 Milliarden, aber eine Bilanzsumme von 32 500 Milliarden Euro. Das sind 337 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In den USA beträgt dieses Verhältnis nur 80 Prozent. Dieses europäische Finanz-Ungetüm im Ernstfall ausreichend zu rekapitalisieren würde den Volkswirtschaften enorm viel Geld entziehen; die Geldmenge, die der Wirtschaft dann noch zur Verfügung stünde, würde stark schrumpfen.

Welche Optionen gibt es dann überhaupt?

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    Polleit: Es läuft vermutlich auf eine teilweise Verstaatlichung der Banken hinaus. Das in den Bilanzen fehlende Eigenkapital könnte durch neue Anleihen beigebracht werden, die die Europäische Zentralbank, EZB, gegen die Ausgabe von Zentralbankgeld aufnimmt. Die Frage, die Anleger und Unternehmen sich aber zu stellen haben, ist die nach den Langfristfolgen eines solchen Vorgehens.

    Welche wären die?

    Polleit: Die Geschäftsbanken werden mit dem Geld, das sie über die neuen Anleihen von der EZB bekommen, etwas tun müssen – sie müssen ja den Zins verdienen, den sie auf ihre Verbindlichkeiten zahlen. Sie können Kredite vergeben oder Anleihen kaufen. So oder so bringen sie das frische Geld in Umlauf. Das würde über kurz oder lang zu höherer Inflation führen.

    Ehrhardt: Wobei man aber auch klar sagen muss – und das macht die Sache ja so schwierig –, dass auch das Gegenteil, also fallende Preise und Depression wie in den Dreißigerjahren, noch immer möglich ist. Polleit: Absolut.

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