250 Milliarden US-Dollar Gold Im größten Goldkeller der Welt

Ein Goldtresor der New Yorker Federal Reserve Bank. Quelle: Federal Reserve New York

Unter den Straßen Manhattans bunkert die Federal Reserve für Kunden aus aller Welt deren Goldreserven. Auch für Deutschland – obwohl die Bundesbank einen Teil des Goldes heimgeholt hat. Ein Besuch.

Fünf Stockwerke geht es mit dem Fahrstuhl in die Tiefe. Wir sind 24 Meter unter den Straßen Manhattans und 15 Meter unter Normalnull. Hinter einer schweren silbernen Tür liegt ein langer Gang aus Naturfels und Stahlbeton, mit Videokameras in den Ecken und einer für Außenstehende unüberwindbaren Panzertür an dessen Ende. Denn sie ist mehr als 90 Tonnen schwer und in eine 140 Tonnen schwere Türfassung eingearbeitet.

Um in den Lagerraum des Goldes zu kommen, müssen die Türen per Code geöffnet werden. Es gibt drei Schlösser und Zahlenkombinationen. Laut der New Yorker Fed gibt es keine einzige Person, die alle drei Codes kennt. So braucht es immer mindestens drei Menschen, um in den Tresorraum zu gelangen. Und auch wenn die richtige Zahlenkombinationen eingegeben werden, und sich der Stahlzylinder in Bewegung setzt, löst das Sicherheitssystem stillen Alarm aus. So kann das Sicherheitspersonal überprüfen, ob es sich um einen autorisierten Zugriff handelt oder nicht.

Heute nimmt alles seinen geplanten Lauf und der Weg ist frei, zumindest optisch, auf den größten Goldschatz der Welt. Rund 500.000 Goldbarren lagern hier an der Südspitze Manhattans. Sie sind über 6200 Tonnen schwer. Ihr Wert: je nach Kurs zwischen 250 bis 260 Milliarden US-Dollar. Nicht weniger als 25 Prozent der weltweiten Goldreserven liegen bei der New Yorker Fed. Und damit mehr als in Fort Knox oder anderswo.

„Wir lagern das Gold für Institutionen, Nationalbanken und Staaten – nicht aber für private Kunden wie etwa Banken“, erklärt eine Fed-Sprecherin. Insgesamt knapp 50 dieser Kunden würden die 118 Schließfächer nutzen, darunter der Internationale Währungsfonds, die USA und auch die deutsche Bundesbank. 300 Tonnen der deutschen Reserven hat die Bundesbank bis 2017 aus den USA nach Hause transportiert – nachdem die Öffentlichkeit protestierte, dass der größte Teil des Goldschatzes außerhalb Deutschlands lagerte. Das ist nun anders. Nach Angaben der Bundesbank liegen 1619 Tonnen oder 47,9 Prozent des deutschen Golds in heimischen Tresoren.

Wie der Transport genau ablief, darüber schweigt sich die Bundesbank aus Sicherheitsgründen aus. Die Federal Reserve in New York sagt immerhin, dass beim Abtransport die ausländischen Kunden „eigenes Personal“ mitbringen, um gemeinsam mit dem Fed-Personal die Barren zu verladen. Über einen Lastenaufzug werde das Gold nach oben befördert, dort in Trucks verladen und zum Flughafen gefahren. Während die Fed für die Lagerung des Goldes kein Geld nimmt, kostet die Ein- und Auslagerung pro Barren 1,75 US-Dollar.

Wo das restliche deutsche Gold in New York gelagert ist, könne die Fed-Mitarbeiterin nicht sagen. Die Schließfächer seien anonymisiert – bis auf ein kleines Schild mit einer Nummer, das an jedem der schwarzen Gittertüren zu den Schließfächern baumelt. Fest steht: Noch immer lagert die Bundesbank 1236 Tonnen Gold bei der Federal Reserve in New York. Und das wohl auch sehr sicher. Bis heute habe es keinen Einbruchversuch gegeben, so die Mitarbeiterin. Das sei auch keine gute Idee. Bei der Alarmschließung versperrt die schwere Panzertür in nur 27 Sekunden den Weg nach draußen. Und: Die Atemluft im Tresorraum reicht dann für eine Person gerade einmal rund 72 Stunden.

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