WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

41,7 Milliarden Euro Dividende Aktionäre dürfen sich über Rekorddividenden freuen

Deutsche Konzerne schütten in diesem Jahr so viel aus wie nie, vor allem in den großen Indizes Dax, MDax und SDax überzeugt die Zahlungsmoral der Unternehmen. Die "neuen Anleihen" sind Dividendentitel trotzdem nicht.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Allianz-, Siemens- und Daimler-Dividenden Quelle: dpa, Montage

Dividenden sind so populär wie selten. Angesichts niedriger Zinsen in fast allen Anlageklassen ist die Bedeutung des Aktionärs-Obolus deutlich gestiegen. Einige sehen in Dividenden bereits einen Ersatz für Zinsen auf sichere Anleihen, die aufgrund der Niedrigzinsphase immer mickriger ausfallen. Insbesondere Dividendenaristokraten, also Unternehmen, die für kontinuierliche Ausschüttungen stehen, gelten zunehmend als "neue Anleihen".

Auch wenn dieser Vergleich etwas schief ist, werden die Ausschüttungen der Konzerne in diesem Jahr genau beobachtet. Die Gewinne der Unternehmen waren ordentlich, die Kursgewinne sowieso. Nun müssen die Unternehmen liefern. Die am Montag veröffentlichte Dividendenstudie des Anlegerschutzvereins DSW und dem Institute for strategic finance (isf) der FOM Hochschule vermittelt zunächst auch ein sehr positives Bild. Insgesamt schütten deutsche Konzerne 2015 41,7 Milliarden Euro aus, 13,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Selbst das Ergebnis des bisherigen Dividenden-Rekordjahres 2008 wird um mehr als neun Prozent übertroffen. "Aktuell wird die Renaissance der Dividende durch die extrem niedrigen Zinsen befeuert", sagt DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler.

Top-Dividendenzahler Dax 2015

Weiterhin ist die Zahl der ausschüttenden Unternehmen in den großen Indizes Dax, MDax, TecDax und SDax am größten. Bei den Nebenwerten dagegen bemängelt der DSW die niedrige Ausschüttungsquote, von zehn Konzernen zahlt dort nicht mal jedes fünfte Unternehmen eine Dividende an seine Aktionäre. "Das ist recht heftig", sagt Eric Frère, Direktor des isf. Im Dax dagegen fallen Nicht-Zahler mittlerweile aus der Rolle. Nur jeweils ein Unternehmen aus der ersten Börsenreihe hat die Dividende gekürzt (E.On), erstmals ausfallen lassen (Lufthansa) oder wie im Vorjahr nichts gezahlt (Commerzbank).

Top-Dividendenzahler MDax 2015

Führungswechsel

Spitzenzahler im Dax ist in diesem Jahr die Allianz. Der Münchener Versicherer schüttet insgesamt 3,1 Milliarden Euro an seine Aktionäre aus, je Aktie können sich die Anteilseigner über 6,85 Euro freuen. Gegenüber dem Vorjahr sind das fast 30 Prozent mehr. Mit dieser deutlichen Erhöhung hat die Allianz auch Siemens von Platz eins der Spitzenzahler verdrängt. Deutlich angehoben haben ihre Dividende auch der Düngemittelkonzern K+S (+260 Prozent), Infineon (+50 Prozent) und Continental (+30 Prozent).

Im MDax werden voraussichtlich erstmals alle Unternehmen eine Dividende zahlen. Die höchste Summe schüttet Flugzeugbauer Airbus aus - die Dividende wurde gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent auf 1,20 Euro erhöht. Auch zahlreiche andere MDax-Konzerne sind großzügiger als im Vorjahr, deutlich aufgestockt haben unter anderem Wacker Chemie, Celesio und Tui.

Top-Dividendenzahler SDax 2014

Diese absoluten Zahlen sollten allerdings nicht täuschen. Sicherlich wird 2015 ein gutes Dividendenjahr, relativ betrachtet sind die Ergebnisse allerdings durchschnittlich. "Viel wichtiger als die Dividendensumme ist die Qualität", sagt Christian Röhl, der Autor der isf-Studie. Weiterhin zahle fast jedes zehnte Unternehmen im Dax, MDax und SDax die Dividende aus der Substanz, erklärt Frère. Kann ein Unternehmen die Ausschüttung nicht aus den laufenden Gewinnen stemmen, gilt das unter Analysten als Warnsignal. Insbesondere im SDax mache die Zahl der Substanzausschütter Sorge, sagt Röhl. Sieben Unternehmen zahlten dort mehr als den erwirtschafteten Gewinn, es bestehe die Sorge, dass dies die Unternehmen auszehre.

Dividendenhöhe sollte nicht alleiniges Kriterium sein

Auch bei der Dividendenrendite ist das Bild nicht ganz so rosig. So schnell wie die Kurse sind die Dividenden nicht gewachsen, daher fällt die durchschnittliche Verzinsung des investierten Kapitals je Aktie im Vergleich zu den Vorjahren geringer aus. Während die Dax-Werte 2013 noch eine durchschnittliche Rendite von knapp über drei Prozent aufwiesen, sind es mittlerweile weniger als 2,5 Prozent. Allerdings muss auch eine hohe Dividendenrendite nicht zwingend ein Kaufsignal sein, oft sei das lediglich ein Hinweis auf akute Probleme beim Geschäftsmodell. So ist bei manch einem Unternehmen die Dividendenrendite bloß so hoch, weil der Aktienkurs so tief gesunken ist.

Top-Dividendenzahler TecDax 2015

Wie viel ist dann tatsächlich dran an der vielgepriesenen "Verrentung der Aktie", der Dividende als neuem Zinsersatz?

Risiko wird verdrängt

Röhl und Frère warnen davor, diese Floskel einfach so als Tatsache hinzunehmen. "Dividenden sind kein Schutz vor Verlusten", sagt Röhl. Angesichts des Risikos, welches mit volatilen Aktien verbunden ist, sei der Vergleich zu den Erträgen von festverzinslichen Papieren wie Anleihen schwierig. "Auch Dividendenaktien sind kein Ersatz für Anleihen", sagt Röhl, denn Anleger bräuchten dafür starke Nerven.

Die Dividendenaristokraten 2015

Hinzu kommt, dass Dividendenaktien schon jetzt nicht mehr unbedingt günstig sind. Das Problem: die laufenden Kursanstiege werden nicht ewig halten, irgendwann wird es auch an den Börsen wieder Rückschläge geben. "Dann dürften Dividendenaktien stärker einbrechen als der Gesamtmarkt, weil sie im Moment stärker nachgefragt werden als andere Papiere", sagt Röhl.

Die Experten raten Anlegern daher, sich bei ihrer Aktienauswahl nicht so sehr auf einzelne Kriterien wie Ausschüttungen oder die Dividendenrendite zu fokussieren. Vielmehr gelte es, mehrere Merkmale gemeinsam im Blick zu behalten. Dazu gehörten die Kontinuität der Ausschüttungen, das Wachstum der Dividende, die Rendite sowie die Ausschüttungsquote, also der Anteil des Gewinns, der letztlich an die Aktionäre gezahlt wird. "Auf dieses magische Viereck sollten Anleger achten", erklärt Röhl.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Wichtig ist den Aktionärsschützern vor allem die Kontinuität. Kumuliert über die letzten zehn Jahre ist weiterhin die Deutsche Telekom das Maß aller Dinge, wenn es um die Dividendensumme geht. Die Tendenz der Bonner ist allerdings rückläufig, seit 2008 wurde die Dividende nicht mehr erhöht, zweimal musste sie gekürzt werden. Zudem zahlte der Konzern das Aktionärsgeld teilweise aus der Substanz. Auf Platz zwei hinter der Telekom folgt Energieriese E.On. Zuletzt lief es für die Düsseldorfer allerdings auch nicht rund, in den vergangenen zwei Jahren musste die Dividende jeweils gekürzt werden.

Für Röhl ist E.On ein gutes Beispiel dafür, dass auch Dividendenaktien eben nicht die neuen Anleihen sind. "Der Fall zeigt, was passieren kann, wenn man sich auf Dogmen verlässt". Einst galt das Papier als klassischer und sicherer Dividendentitel, Energie bräuchten die Verbraucher eben immer, glaubten viele Aktionäre. Etwas wie eine Energiewende, die den gesamten Energiesektor durcheinander rüttelt, konnten sich die meisten nicht vorstellen. Nun ächzen Konzerne wie E.On unter der Regulierung, die Dividenden vor Steuern gleichen für Anleger so gerade die Kursverluste aus. Von einer sicheren Anlage wie beim festverzinslichen Papier kann also nicht die Rede sein.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%