41,7 Milliarden Euro Dividende Aktionäre dürfen sich über Rekorddividenden freuen

Deutsche Konzerne schütten in diesem Jahr so viel aus wie nie, vor allem in den großen Indizes Dax, MDax und SDax überzeugt die Zahlungsmoral der Unternehmen. Die "neuen Anleihen" sind Dividendentitel trotzdem nicht.

Allianz-, Siemens- und Daimler-Dividenden Quelle: dpa/Montage

Dividenden sind so populär wie selten. Angesichts niedriger Zinsen in fast allen Anlageklassen ist die Bedeutung des Aktionärs-Obolus deutlich gestiegen. Einige sehen in Dividenden bereits einen Ersatz für Zinsen auf sichere Anleihen, die aufgrund der Niedrigzinsphase immer mickriger ausfallen. Insbesondere Dividendenaristokraten, also Unternehmen, die für kontinuierliche Ausschüttungen stehen, gelten zunehmend als "neue Anleihen".

Auch wenn dieser Vergleich etwas schief ist, werden die Ausschüttungen der Konzerne in diesem Jahr genau beobachtet. Die Gewinne der Unternehmen waren ordentlich, die Kursgewinne sowieso. Nun müssen die Unternehmen liefern. Die am Montag veröffentlichte Dividendenstudie des Anlegerschutzvereins DSW und dem Institute for strategic finance (isf) der FOM Hochschule vermittelt zunächst auch ein sehr positives Bild. Insgesamt schütten deutsche Konzerne 2015 41,7 Milliarden Euro aus, 13,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Selbst das Ergebnis des bisherigen Dividenden-Rekordjahres 2008 wird um mehr als neun Prozent übertroffen. "Aktuell wird die Renaissance der Dividende durch die extrem niedrigen Zinsen befeuert", sagt DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler.

Top-Dividendenzahler Dax 2015

Weiterhin ist die Zahl der ausschüttenden Unternehmen in den großen Indizes Dax, MDax, TecDax und SDax am größten. Bei den Nebenwerten dagegen bemängelt der DSW die niedrige Ausschüttungsquote, von zehn Konzernen zahlt dort nicht mal jedes fünfte Unternehmen eine Dividende an seine Aktionäre. "Das ist recht heftig", sagt Eric Frère, Direktor des isf. Im Dax dagegen fallen Nicht-Zahler mittlerweile aus der Rolle. Nur jeweils ein Unternehmen aus der ersten Börsenreihe hat die Dividende gekürzt (E.On), erstmals ausfallen lassen (Lufthansa) oder wie im Vorjahr nichts gezahlt (Commerzbank).

Top-Dividendenzahler MDax 2015

Führungswechsel

Spitzenzahler im Dax ist in diesem Jahr die Allianz. Der Münchener Versicherer schüttet insgesamt 3,1 Milliarden Euro an seine Aktionäre aus, je Aktie können sich die Anteilseigner über 6,85 Euro freuen. Gegenüber dem Vorjahr sind das fast 30 Prozent mehr. Mit dieser deutlichen Erhöhung hat die Allianz auch Siemens von Platz eins der Spitzenzahler verdrängt. Deutlich angehoben haben ihre Dividende auch der Düngemittelkonzern K+S (+260 Prozent), Infineon (+50 Prozent) und Continental (+30 Prozent).

Im MDax werden voraussichtlich erstmals alle Unternehmen eine Dividende zahlen. Die höchste Summe schüttet Flugzeugbauer Airbus aus - die Dividende wurde gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent auf 1,20 Euro erhöht. Auch zahlreiche andere MDax-Konzerne sind großzügiger als im Vorjahr, deutlich aufgestockt haben unter anderem Wacker Chemie, Celesio und Tui.

Top-Dividendenzahler SDax 2014

Diese absoluten Zahlen sollten allerdings nicht täuschen. Sicherlich wird 2015 ein gutes Dividendenjahr, relativ betrachtet sind die Ergebnisse allerdings durchschnittlich. "Viel wichtiger als die Dividendensumme ist die Qualität", sagt Christian Röhl, der Autor der isf-Studie. Weiterhin zahle fast jedes zehnte Unternehmen im Dax, MDax und SDax die Dividende aus der Substanz, erklärt Frère. Kann ein Unternehmen die Ausschüttung nicht aus den laufenden Gewinnen stemmen, gilt das unter Analysten als Warnsignal. Insbesondere im SDax mache die Zahl der Substanzausschütter Sorge, sagt Röhl. Sieben Unternehmen zahlten dort mehr als den erwirtschafteten Gewinn, es bestehe die Sorge, dass dies die Unternehmen auszehre.

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