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9000 Produkte im Test Mit regelmäßigen Sparplänen ein Vermögen aufbauen

Anleger, die mit Fonds sparen, sollten einige Faustregeln beachten. Doch mit regelmäßigen Sparplänen können Anleger ein Vermögen fürs Alter aufbauen. Wir haben 9000 Angebote unter die Lupe genommen.

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Fondssparen: Vermögen mit den richtigen Sparplänen fürs Alter aufbauen. Quelle: Illustration: Mark Conlan

Birgit Haubenschild ist spät dran. Erst vor eineinhalb Jahren, im Alter von damals immerhin schon 56 Jahren, begann die Leiterin einer Familienbildungsstätte, sich mit Geldanlage zu beschäftigen: „Für Finanzthemen kann ich mich eigentlich gar nicht begeistern“, sagt sie. Doch einfach „irgendetwas“ wollte sich die Münchnerin nicht von einem Berater aufschwatzen lassen. Auf eigene Faust machte sie sich deshalb schlau und stieß dabei auf eine relativ simple Methode, um rentierlich zu sparen: auf börsengehandelte Indexfonds, bekannter unter dem Namen ETF, der Abkürzung für Exchange Traded Fund.

Einfach, bequem, kostengünstig

Solch ein ETF entwickelt sich genau analog zu einem Index, beispielsweise dem Deutschen Aktienindex Dax. Bei ihrer Bank richtete Haubenschild ein Sparplandepot ein. Jetzt zahlt sie jeden Monat je 150 Euro in zwei Indexfonds ein. Der eine bildet den Dax ab, der andere den weltweiten Aktienindex MSCI Welt. „Damit kann ich nicht viel falsch machen“, sagt Pädagogin Haubenschild.

Einfach, bequem und kostengünstig, das sind die schlagenden Argumente für Fondssparpläne. Millionen Anleger vertrauen ihr Geld dieser Form der Kapitalanlage an, entweder auf Basis von ETFs oder aktiv gemanagten Fonds. Laut einer Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment sind 8,7 Prozent aller Deutschen Fondssparer. Allein die Fondsanbieter der Sparkassen (Deka) sowie der Volks- und Raiffeisenbanken (Union) verwalten zusammen 3,1 Millionen Fondssparpläne, staatlich geförderte Riester-Produkte und Verträge mit vermögenswirksamen Leistungen noch nicht mitgezählt. Banken und Sparkassen vermitteln vorzugsweise hauseigene Fonds, darunter auch viele mittelmäßige Produkte. Auffällig: Ausgerechnet die Fondsgesellschaft mit dem größten Vertriebsnetz, die sparkasseneigene Deka, hinkt hinterher. Im Performancevergleich der Ratingagentur Morningstar kommt sie unter den 50 größten Anbietern Europas nur auf Platz 48.

Die besten Fonds für Sparpläne der vergangenen 15 Jahre

Um die besten Fondssparpläne für den Vermögensaufbau zu ermitteln, hat die Research-Agentur Scope Analysis für die WirtschaftsWoche rund 9000 Angebote unter die Lupe genommen. Darunter sind sowohl aktiv gemanagte Fonds, bei denen ein Börsenprofi Aktien oder Anleihen kauft, als auch ETFs.

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    Scope hat das Sparplanergebnis über die vergangenen zehn Jahre berechnet, das Risiko der Fonds und die Qualität des Managements mit Noten bewertet (siehe Tabelle Seite 76). Im Vergleich wurden nur Fonds berücksichtigt, denen Scope die Höchstnoten A oder B gegeben hat. „Wir schätzen mit dem Rating ein, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Fonds auch in Zukunft besser ist als der Schnitt seiner Kategorie“, sagt Andreas Köchling, Ratinganalyst bei Scope.

    Fonds mit gutem Anlagekonzept und diszipliniertem Management holen für Sparer mehr raus. So erzielte der mit der Note A bewertete Fonds Jupiter European Growth das beste Sparplanergebnis in der Kategorie Aktien Europa.

    Je mehr Zeit, desto mehr Aktien

    Anleger, die mit Fonds sparen, sollten einige Faustregeln beachten:

    • Je mehr Zeit bis zum Ruhestand bleibt, desto höher sollte die Aktienquote sein. Zwar schwanken Aktienfonds im Wert stärker als Anleihefonds. Über 20 oder mehr Jahre fällt das jedoch nicht ins Gewicht. Wichtiger ist die höhere Rendite von Aktien.

    Ob Anleger in den Jahren unmittelbar vor dem Ruhestand ihre Aktienquote senken sollten, hängt davon ab, wie viel Geld sie auf einen Schlag benötigen. Wer etwa einen Immobilienkredit ablösen will, sollte mit zunehmendem Alter weniger mit Aktienfonds sparen. Denn ein Börsencrash in den letzten Jahren eines Sparplans reißt ein besonders tiefes Loch, weil das angesparte Vermögen dann logischerweise am größten ist. In den ersten Jahren, wenn nur wenig Fondsanteile im Depot liegen, lassen sich Verluste dagegen leichter verschmerzen.

    Sparer, die ihr Vermögen im Alter in Form einer regelmäßigen Rente kassieren wollen, können die Aktienquote hochhalten. Möglich ist das über einen Auszahlplan, der aus dem Vermögen nur so viel entnimmt, wie der Anleger monatlich an Rente benötigt. Der Rest wird weiter an der Börse angelegt. Verluste lassen sich so wieder reinholen.

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      • Fondssparen ist ab 50 Euro pro Monat sinnvoll. Basis sollte ein weltweit anlegender Fonds sein. So profitieren Anleger von vielen Regionen und Branchen. Wer monatlich mehr als 100 Euro übrig hat, sollte mit mehreren Fonds sparen. So lassen sich Klumpenrisiken vermeiden. Immerhin 44 Prozent aller Fondssparer legen laut Union-Umfrage mehr als 200 Euro im Monat an.

      Der beste unter den weltweit anlegenden Fonds ist der Oyster World Opportunities, gemanagt von Roberto Magnatantini. Der gebürtige Italiener, der für den Schweizer Vermögensverwalter Syz Asset Management arbeitet, hat eine Vorliebe für Nischenplayer. Zu seinen Favoriten zählt beispielsweise Tongda, ein Hersteller von wasserfesten Smartphone-Gehäusen aus Hongkong. „Als Vater von zwei Kindern hätte mir die Technologie viel Geld für den Ersatz von abgesoffenen Handys erspart“, so der 44-Jährige. Ebenfalls zu seinen Lieblingen gehört der US-Tabakhersteller Vector Group, Spezialist für preisgünstige Zigaretten und Eigentümer von Immobilien im Großraum New York. „Wegen dieser zwei völlig verschiedenen Geschäftsmodelle ist das Unternehmen schwer zu bewerten und wird in den USA nur von einem Analysten beobachtet“, sagt Magnatantini. Gerade das ziehe ihn an. Schließlich sei es mit wenig beachteten Werten leichter, den Markt zu schlagen.

      Das Sparverhalten der Deutschen im Ländervergleich

      Bevor sich Sparer aber für einen aktiv gemanagten Fonds oder einen Indexfonds entscheiden, sollten sie sich über Vor- und Nachteile beider Varianten im Klaren sein.

      Aktiv gemanagte Fonds können schlecht laufende Aktien eines Marktes meiden und mehr Geld in renditestarke Titel schaufeln. Zumindest gilt das in der Theorie. In der Praxis dagegen gelingt es nur wenigen Fondsmanagern, den Index langfristig zu schlagen. Beispiel: Im Durchschnitt brachten es Sparpläne mit aktiv gemanagten deutschen Aktienfonds laut Scope-Analyse bei einem Monatsbeitrag von 100 Euro nach zehn Jahren auf 18.645 Euro. Hätten die Anleger im gleichen Zeitraum passiv mit ETFs auf den Dax gespart, hätten sie dagegen 19.436 Euro rausgeholt.

      Größe kostet Rendite

      Bei aktiv gemanagten Fonds nimmt die Rendite mit zunehmender Größe des Fonds ab. Grund dafür ist, dass die Fondsmanager öfter große, bekannte Aktien kaufen müssen, die gut handelbar sind. Brillante Investmentideen, vor allem bei Nebenwerten, schlagen mangels Masse kaum noch auf die Fondsrendite durch.

      Prominentes Beispiel dafür ist der Aktienfonds Fidelity European Growth. Starmanager Anthony Bolton holte noch zweistellige Renditen. 2002 stieg er aus. Nach seinem Abgang schwoll das Portfolio auf zeitweise 25 Milliarden Euro an. Boltons Nachfolgern fiel es daher schwer, dessen Erfolgsrezept zu kopieren. Das aktuell 7,5 Milliarden Euro schwere ehemalige Fidelity-Flaggschiff gehört nicht mehr zur Spitzengruppe der europäischen Aktienfonds. Zwei Drittel des Portfolios stecken derzeit in großen Standardwerten. Diese Blue Chips sind gut analysiert. Es ist daher schwer, mit ihnen besser als der Markt abzuschneiden. Nur wenige Fonds ziehen rechtzeitig die Reißleine, wie beispielsweise der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Als das Portfolio im Mai vergangenen Jahres auf 1,5 Milliarden Euro angewachsen war, nahm das Management kein Geld von Neukunden mehr an.

      Indexfondssparer wie Birgit Haubenschild dagegen müssen auf solche wichtigen Details nicht achten. Ihre Indexfonds verändern ihr Portfolio nur, wenn ein Titel im Index ersetzt wird, und das automatisch. Für Sparer, die ihren Sparplan abschließen und danach nicht mehr beobachten wollen, sind ETFs daher eine gute Alternative. Sie sind so gut oder so schlecht wie der Markt, und die Rendite ist unabhängig von der Fondsgröße.

      Entwicklung-der-Aktienfonds

      Diese Argumente ziehen: Bei der DAB Bank beispielsweise investieren 65 Prozent der dort abgeschlossenen Sparpläne in ETFs, nur 29 Prozent in aktiv gemanagte Fonds. Der Rest wird in Aktien und Zertifikaten gespart.

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        Scope hat bei seinem Vergleich zwar die laufenden Kosten der Sparpläne eingerechnet. Zusätzlich kassiert jedoch der Vertrieb einen Ausgabeaufschlag auf jede Sparrate. Diese Vertriebsprovision von bis zu 2,5 Prozent kann die Rendite erheblich drücken. Beispiel: Ein Anleger zahlt über zehn Jahre monatlich 100 Euro in einen Aktienfonds. Dessen Rendite liegt bei sechs Prozent pro Jahr, die laufenden Kosten bei 1,5 Prozent. Müsste er auf jede Sparrate 2,5 Prozent Ausgabeaufschlag zahlen, hätte er 14.680 Euro angespart. Ohne den Aufschlag wären es schon 15.047 Euro.

        Disziplin und gute Nerven sind die Basis

        Viele Banken werben mit Fondssparplänen ohne Ausgabeaufschlag. Allerdings sind das oft befristete Angebote, oder der Rabatt beschränkt sich nur auf ausgewählte Fonds. Anleger sollten erst die passenden Fonds aussuchen und dann den Anbieter wählen, der die entsprechenden Sparpläne dauerhaft ohne Ausgabeaufschlag anbietet.

        Die größte Auswahl an sparplanfähigen Fonds bieten Discounter wie AVL, Fondsdiscount oder FondsSuperMarkt. Aber auch hier lohnt der Vergleich, weil einige Anbieter bei Indexfonds dann doch ein Aufgeld verlangen.

        Um die Rabatte der Discounter zu nutzen, müssen die Anleger zwar ein Sparplandepot bei einer Bank einrichten. Die Depotgebühren sind jedoch niedriger als die Ausgabeaufschläge, die Anleger sonst für Fondssparpläne zahlen müssten.

        Wer an der Börse erfolgreich sein will, der sollte nicht nur auf die zahlreichen Gebühren achten, sondern auch Anlagedisziplin mitbringen. Das gilt nicht zuletzt für Fondssparer. Die lösen oftmals ihre Sparpläne auf, wenn eine größere Anschaffung ansteht. Oder sie verlieren die Nerven, wenn der Aktienmarkt crasht.

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          Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
          Der comdirect Spar- und Anlageindex ist im September den sechsten Monat in Folge gesunken Quelle: dpa
          Schon etwas beliebter als die Aktien ist das Festgeld. Immerhin 19 Prozent der Geldanlagen fallen in diesen Bereich. Quelle: dpa
          Fonds befinden sich mit dem Festgeld gleichauf Quelle: gms
          Die Altersvorsorge wird in Deutschland zu einem immer wichtigeren Thema Quelle: dpa
          Die Lebensversicherung schafft es in diesem Ranking auf den sechsten Platz Quelle: dpa
          Im Mittelfeld dieses Rankings findet sich der Bausparvertrag. Quelle: dpa
          Nur ein Prozent vor dem Bausparvertrag liegt das Bargeld. Quelle: dpa

          Bildungsstättenleiterin Haubenschild will dagegen durchhalten: „Wenn die Börse weit unten ist, dann ist ein Ausstieg sinnlos, und ich kann auch drinbleiben.“ Ihr Vorteil: Im Notfall könnte sie Hilfe bekommen – über den Gartenzaun. Ihr Nachbar ist Markus Köppl. Der Mitgründer der V-Bank hat 25 Jahre in der Finanzbranche gearbeitet und ist krisenerfahren. Köppl hat das Platzen der Dotcom-Blase 2000 bis 2002 ebenso miterlebt wie den Crash nach der Lehman-Pleite 2008. Derzeit hilft er Anlegern über das Internetportal Anleger24.de, passende Vermögensberater zu finden.

          Mit Haubenschild kam er bisher nicht ins Geschäft. Denn das Onlineanalysetool von Anleger24.de hätte sie als Selbstentscheiderin und damit nicht als potenzielle Kundin eingestuft. Haubenschild hält sich lieber an das Motto des Montessori-Bildungskonzepts: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

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