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Abgeltungsteuer Wie Sie Altverluste zu Steuergewinnen machen

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Gewinn realisieren und Stückzinsen holen

Investmentideen für ein flexibles Portfolio

Strategie 1: Gewinn realisieren

Sitzen Anleger noch auf Altverlusten, die bislang nicht verrechnet worden sind, sollten sie unter den seit 2009 gekauften Wertpapieren nach solchen mit hohem Buchgewinn suchen. Da die Kurse der Dax-Aktien heute etwa 50 Prozent über dem Stand von Anfang 2009 notieren, stehen die Trefferchancen bei Aktien nicht schlecht. Verkaufen sie nun solche Aktien, aber auch Fonds oder Zertifikate, können sie die neuen Gewinne mit den Altverlusten verrechnen. Wollen Anleger die verkauften Wertpapiere eigentlich dauerhaft halten, weil sie an weitere Wertzuwächse glauben, können sie die Papiere kurz darauf, auch am gleichen Tag, erneut kaufen.

Achtung: Sind seit 2009 aus anderen Verkäufen neue Verluste entstanden, gleicht die Bank erst einmal diese aus. Anleger sollten daher vorab schauen, welchen Stand die Verlusttöpfe für Aktien und sonstige Wertpapiere haben. Auf Nachfrage informiert die Bank darüber.

  • Beispiel: Ein Anleger mit 5000 Euro Altverlust hat bei seiner Bank im Verlusttopf Aktien noch seit 2009 entstandene Verluste von 2000 Euro, die er bislang nicht ausgeglichen hat. Der Verlusttopf für sonstige Wertpapiere ist leer. Verkauft der Anleger nun einen Fonds mit 5000 Euro Gewinn, wird dieser Gewinn mit den Altverlusten aus Aktien verrechnet. Die neuen 2000 Euro Verlust aus dem Verlusttopf Aktien dürften nur mit neuen Gewinnen aus Aktien verrechnet werden, nicht mit denen aus Fonds („sonstige Wertpapiere“). Der Anleger könnte die Altverluste also komplett nutzen.

    Schlägt der Anleger hingegen statt des Fonds Aktien mit 5000 Euro Gewinn los, würde die Bank die 2000 Euro aus dem Verlusttopf Aktien verrechnen und nur für die verbleibenden 3000 Euro Gewinn Abgeltungsteuer berechnen, die der Anleger sich vom Fiskus über die Verrechnung mit Altverlusten zurückholen könnte. Nachteil: Seine restlichen 2000 Euro Altverlust blieben dann ungenutzt.

Strategie 2: Stückzinsen holen

Haben Anleger Anleihen im Depot, bei denen die nächste Zinszahlung noch bis Jahresende aussteht, können sie diese vor dem Zinstermin verkaufen. Für die Zeit zwischen dem vergangenen und dem nächsten Termin der Zinszahlung bekommen sie vom Anleihekäufer dann Stückzinsen – einen Ausgleich dafür, dass der neue Käufer später die vollen Zinsen kassiert, obwohl er die Anleihe nur kurz gehalten hat. Der Clou: Stückzinsen wertet das Finanzamt nicht als Zinsen, sondern als Teil des Kauf- und Verkaufspreises. Erhaltene Stückzinsen erhöhen also den steuerlichen Verkaufsgewinn. Und der kann mit Altverlusten verrechnet werden. Hält der Anleger die Anleihe hingegen weiter und kassiert die Zinsen ganz normal, kann er diese Zinserträge nicht verrechnen, schließlich sind nur Kursgewinne, aber keine Zinseinkünfte mit Altverlusten verrechenbar. Auch hier gilt: Will der Anleger die Anleihe eigentlich behalten, kann er sie kurz nach Verkauf wieder kaufen.

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