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Abgeltungsteuer Wie Sie Altverluste zu Steuergewinnen machen

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Neue Gewinne müssen her

Goldene Regeln für den Vermögensaufbau
Foto eines Eigenheims im Entstehen (Baustelle) Quelle: dpa
Foto Sparbuch Quelle: Fotolia
Foto eines Pappreiters "Lebensversicherung" Quelle: Fotolia
Börsenhändler vor Anzeige eines fallenden Kurses Quelle: dpa
Bild einer Rentnerin am Meer Quelle: Fotolia
Foto einer Finanzberatung Quelle: dpa
Die alte Börsenweisheit "Nicht alle Eier in einen Korb legen" stösst derzeit an Grenzen Quelle: Marcel Stahn

Um Altverluste steuerlich verrechnen zu können und so die auf andere Gewinne oder Kapitalerträge bereits gezahlte Abgeltungsteuer wieder erstattet zu bekommen, brauchen Anleger neue, steuerpflichtige Gewinne. In Betracht kommen nur Gewinne aus Papieren, die seit Jahresanfang 2009 gekauft wurden.

  • Beispiel: Hat ein Anleger Ende 2008 für 5000 Euro Siemens-Aktien gekauft, könnte er bei einem Verkauf heute seine rund 80 Prozent Gewinn nicht mit Altverlusten verrechnen – schließlich bleiben Gewinne aus vor 2009 gekauften Aktien dauerhaft steuerfrei. Hat er die Aktien hingegen nach dem 1. Januar 2009 gekauft, könnte er den steuerpflichtigen Gewinn problemlos mit Altverlusten verrechnen.

    Wichtig: Verrechenbar mit Altverlusten sind generell nur Kursgewinne beim Verkauf eines Wertpapiers; Dividenden und Zinsen aus Anleihen, Tages- oder Festgeld zählen hingegen nicht.

    Seit Einführung der Abgeltungsteuer 2009 führen die Banken für ihre Kunden automatisch die Steuer auf Kursgewinne, Zinsen und Dividenden ab. Dazu verrechnen sie Verluste und Gewinne in den Depots der Anleger. Nur wenn am Ende des Jahres ein steuerpflichtiger Gewinn bleibt, stellen sie dem Anleger über diesen Gewinn und die darauf gezahlte Steuer eine Steuerbescheinigung aus. Reicht der Anleger die Bescheinigung beim Finanzamt ein, verrechnen die Finanzbeamten dann den Gewinn mit den Altverlusten. Dieser Schritt ist notwendig, denn nur das Finanzamt, nicht die Bank, kennt die genaue Höhe der noch verrechenbaren Altverluste.

  • Beispiel: Ein Anleger hat 10.000 Euro Altverlust und 2013 zwei nach 2009 gekaufte Aktienpakete verkauft. Das eine Paket brachte ihm 15.000 Euro Gewinn, das andere 5000 Euro Verlust. Zum Jahresende verbleiben ihm also 10.000 Euro Gewinn, auf die seine Bank bereits rund 2640 Euro Abgeltungsteuer abgeführt hat. Nun reicht er die Bescheinigung darüber beim Finanzamt ein. Das verrechnet den Altverlust und den neuen Gewinn und erstattet dem Anleger mit seiner Einkommensteuer die 2640 Euro.

    Etwas komplexer wird es, wenn Anleger verschiedene Geldanlagen bei ihrer Bank haben und hier Wertpapiergewinne und -verluste sowie sonstige Kapitalerträge, wie Zinsen, aufgelaufen sind. Die Banken führen seit 2009 mehrere steuerliche Töpfe, in denen sie die fällige Steuer berechnen und steuerlich anrechenbare, aber noch nicht verrechnete Verluste festhalten. Besonderheit: Verluste aus Aktien dürfen dabei nur mit Gewinnen aus Aktien verrechnet werden. Für andere Wertpapiere, selbst für Aktienfonds, gilt die Einschränkung nicht.

  • Beispiel: Ein Anleger hat 2013 seine nach 2009 gekauften Wertpapiere verkauft: Aktien mit 3000 Euro Verlust und einen Fonds mit 1500 Euro minus. Außerdem hat die Depotbank ihm auf einem ebenfalls bei ihr geführten Festgeldkonto 5000 Euro Zinsen gutgeschrieben. Die Bank würde nun die Zinsen mit dem Fondsverlust verrechnen, sodass der Kunde nur auf die verbleibenden 3500 Euro Zinsertrag Steuern zahlen muss. Die Aktienverluste blieben unberücksichtigt im entsprechenden Verlusttopf. Sie könnten erst zu einem späteren Zeitpunkt mit neuen Aktiengewinnen ausgeglichen werden.

    Bleiben zum Jahresende in einem Topf nicht verrechnete Verluste übrig, überträgt die Bank diese einfach ins Folgejahr. Solche seit 2009 entstandenen Verluste verfallen nach aktueller Rechtslage nie und können unbegrenzt in die Zukunft verschoben werden, um sie irgendwann mit Gewinnen zu verrechnen.

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