Abwicklung Lehman Brothers Europäische Lehman-Anleger werden entschädigt

Die europäischen Gläubiger der US-Pleitebank Lehman Brothers haben Glück: Bereits Anfang April sind erste Investoren entschädigt worden. Und so wie es derzeit aussieht, bekommen alle ihr Geld zurück.

Die Testamente der Banken
Logo von JP Morgan Chase Quelle: dpa
Bank of America Die Bank of America bleibt im öffentlichen Teil ihres Testaments ähnlich vage wie die übrigen Institute. Sie spricht unter anderem von unbestimmten Käufern (darunter „nationale, internationale und regionale Finanzinstitute“), die im Falle einer Pleite Teile der Bank übernehmen würden. Der Steuerzahler müsse nicht zur Hilfe kommen. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Bank unter Firmenchef Vikram Pandit beteuert, im Fall einer Pleite abgewickelt werden zu können. Und zwar in einer Weise, die kein systemisches Risiko berge, die die Finanzmärkte nicht in Aufruhr bringe und keine Milliarden von den Steuerzahlern notwendig mache. Quelle: dpa
Goldman Sachs Laut dem Notfallplan würde die Investmentbank „rasch“ Geschäftsteile oder Vermögenswerte verkaufen und damit eine Liquidation vermeiden. Der Branchenprimus nutzt derweil sein Testament auch, um die ganze Übung indirekt als sinnlos zu bezeichnen. „Die Umstände, die zu einem Kollaps einer für das System wichtigen Institution führen, werden wahrscheinlich andere sein als in diesen Annahmen vorgegeben“. Quelle: REUTERS
Logo von Morgan Stanley Quelle: dpa
BarclaysDie britische Großbank kommt für das Szenario ihres Untergangs im öffentlichen Teil des Testaments mit einer halben Seite aus. Darin heißt es unter anderem, die Notfallpläne seien so ausgeklügelt, dass im Falle einer Pleite eine Katastrophe auf den Finanzmärkten nicht zu erwarten sei. Quelle: REUTERS
Deutsche BankDie Deutsche Bank deutet an, dass die US-Regulierer im Erstfall die deutsche Bankenaufsicht BaFin umgestört operieren lassen sollten. Dann sei die im Notfall zu gründende Überbrückungsbank in der Lage, die US-Firmenteile mit Liquidität zu versorgen. Quelle: dpa
Credit SuisseDie Credit Suisse wartet mit drei verschiedenen Szenarien jeweils für den Schweizer, den amerikanischen und den britischen Markt auf. So sollen die wichtigsten Geschäfte im Fall einer Pleite in eine Überbrückungsbank überführt werden.  Außerdem, so heißt es vage weiter, beinhalte der Plan „eine beträchtliche Anzahl vorbereitender Maßnahmen, um eine zügige und effektive Auflösung“ zu erreichen. Quelle: dapd
UBSDie Schweizer Großbank begnügt sich mit einem Absatz am Ende des öffentlich zugänglichen Dokuments. Darin heißt es unter anderem, dass die Zahl der potentieller Käufer von UBS-Geschäften angesichts der schieren Größe der Bank begrenzt sei. „Die wahrscheinlichsten Kandidaten wären die Konkurrenten der UBS“. Quelle: REUTERS

Gläubiger des europäischen Ablegers der im Herbst 2008 pleitegegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers können auf weitere Rückzahlungen hoffen. Der Lehman-Abwickler Tony Lomas von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sagte am Montag, womöglich könnten sogar alle Ansprüche bedient werden. Dafür gebe es mittlerweile eine realistische Chance. "Es gibt noch viel zu tun bei dem Abschluss der Abwicklung, aber wir erwarten kurzfristig eine zweite, signifikante Dividende an die Gläubiger zahlen zu können." Bislang sind bei der Europa-Einheit Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet rund 16 Milliarden Euro verteilt worden. Weltweit sollen mehr als 65 Milliarden Dollar gezahlt werden. Damit würden Gläubiger im Durchschnitt 21 Prozent ihrer genehmigten Forderungen eintreiben können.

Insgesamt 47 Milliarden Dollar ausgezahlt

Erst Ende März war bekannt geworden, dass die Nachfolgefirma der Lehman-Bank erneut Milliarden an Gläubiger ausschüttet. Am 4. April flossen dann tatsächlich 14,2 Milliarden Dollar, die die Summe der bisher getätigten Auszahlungen auf etwa 47 Milliarden Dollar hochschraubte. Es war die dritte Zahlung, seitdem Lehman im Jahr 2011 das Insolvenzverfahren abschloss.

Die Abwicklung der einst viertgrößten US-Investmentbank dauert voraussichtlich mehrere Jahre. Lehman hat etwa das Institut JPMorgan Chase verklagt, das früher ihre wichtigste Verrechnungsbank war. Auch Klagen gegen weitere Unternehmen sind anhängig, um so viel Geld wie möglich aufzutreiben und an Gläubiger zurückzahlen zu können.

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Mit der Lehman-Insolvenz am 15. September 2008 nahm die Finanzkrise dramatische Züge an. Damals hatte die Firma Vermögenswerte in Höhe von 639 Milliarden Dollar, womit die Lehman-Pleite mit Abstand die größte in der Geschichte der USA war. Viele Banken liehen sich untereinander und den Kunden kein Geld mehr. Zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, rutschten tief in die Rezession.

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