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Agrar-Spekulation Das Geschäft mit dem Hunger

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Maßnahmen gegen Marktmanipulation

Hohe Energiekosten treiben Preise für Agrargüter in die Höhe. Quelle: dpa

Die große Differenz erklärt sich jedoch aus der besonderen Struktur des Terminmarkts. In schneller Folge wechseln die Händler von Wetten auf steigende zu solchen auf fallende Preisen – je nach Nachrichtenlage. So wird auf den Terminmärkten ein Vielfaches dessen umgeschlagen, was auf den Spotmärkten an realen Gütern gehandelt wird.

Seit die Preise für wichtige Agrarrohstoffe 2007 und 2008 massiv anzogen und in der Folge Spekulanten auf den fahrenden Zug aufsprangen, ist der Terminhandel mit Lebensmitteln unter Beschuss.

Spekulation verstärkt sich von selbst

Foodwatch kritisiert, dass der Anteil der spekulativen Wetten an den Agrarbörsen von 30 auf zuletzt 80 Prozent gestiegen sei. „Inzwischen ist erkennbar, dass sich die Spekulation von selbst verstärkt. Mit der Knappheit von Agrargütern haben die Preise dann nichts mehr zu tun“, sagt Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag.

In den Schubladen der Regulierer und Politiker liegen Folterinstrumente für Agrarspekulanten griffbereit. So hat die US-Börsenaufsicht CFTC beschlossen, dass einzelne Investoren von 2012 an maximal über 25 Prozent der kurzfristig lieferbaren Menge eines Rohstoffs verfügen dürfen. Das gilt für 28 Rohstoffe, darunter Zucker und Getreide.

Solche Maßnahmen sollen verhindern, dass Investoren den Markt manipulieren können. Ausgelöst haben dürfte diese Regel der Hedgefondsmanager Anthony Ward. 2010 kaufte sein Fonds sieben Prozent der Weltkakaoernte auf. In der Folge kletterten die Preise auf den höchsten Stand seit 30 Jahren.

Was Regulierer dabei gern über- sehen: Wer so große Wetten eingeht, kann auch scheitern. Beispiele dafür gibt es genug. Wenn dann die Preise fallen, verstummen Klagen über Spekulanten schnell.

Zocker können Preisschwankungen kurzfristig verstärken. Umstritten ist aber, inwiefern diese Schwankungen an den Terminmärkten tatsächlich die realen und aktuell gehandelten Preise beeinflussen. Und ganz starke Zweifel gibt es an der These, dass vor allem Spekulanten für steigende Preise verantwortlich sind.

Dass sie in der Regel den Preisen folgen und nicht umgekehrt, zeigt ein genauer Blick auf deren Wetten (siehe Bildergalerie). In diesem Jahr wetteten die Finanzinvestoren mehrheitlich auf steigende Weizenpreise (Long). Immer, wenn Weizen im Terminhandel teurer wurde, stockten sie ihre Long-Positionen auf. Knickte der Preis ein, fuhren sie Wetten zurück.

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