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Aktie stürzt ab Staramba schießt gegen Abschlussprüfer

„In Erklärungsnot: Staramba-Chef Christian Daudert schiebt die Schuld für das Bilanz-Desaster BDO zu“

Das börsennotierte Unternehmen steht unter Druck, nachdem BDO den Jahresabschluss 2017 nicht testiert hat. Jetzt gibt es den Prüfern die Schuld.

Der Streit zwischen der börsennotierten Staramba SE und dem Wirtschaftsprüfer BDO eskaliert weiter. Im Mai hatten die Prüfer bekannt gegeben, den Jahresabschluss 2017 des Unternehmens nicht testieren zu wollen. Staramba musste deswegen die Veröffentlichung des Jahresberichts mehrfach verschieben, zuletzt auf den 30. November. Am Freitagabend nach Börsenschluss kam der Geschäftsbericht dann tatsächlich – der Wirtschaftsprüfer aber hatte dem Zahlenwerk kein Testat, sondern einen Versagungsvermerk erteilt.

Die Begründung hatte es in sich. Gut 60 Prozent der für 2017 ausgewiesenen Umsätze seien nicht nachweisbar; die Umsatzprognose für das laufende Jahr zu hoch. Das Unternehmen befinde sich in einer Ertragskrise, die Liquiditätslage sei angespannt. Zuvor hatte die WirtschaftsWoche über Geschäfte des Unternehmens mit einer Firma in den USA namens 3D Safe Corporation berichtet.

Die Recherchen legten nahe, dass 3D Safe in enger Verbindung zu Staramba steht und die Geschäfte vor allem dazu dienten, das Vermögen von Staramba künstlich aufzublähen.

Dafür spricht auch der nun vorgelegte Jahresabschluss. Die Firmenwerte, die Staramba nach einem Deal mit den Amerikanern im Jahr 2016 in die Bilanz buchte, mussten zum größten Teil abgeschrieben werden. Vor allem deshalb weist Staramba für das vergangene Jahr einen Nettoverlust von 44 Millionen Euro aus. Trotzdem steht in der Bilanz noch immer ein Firmenwert von 21 Millionen Euro aus den Geschäften mit dem amerikanischen Partner.

Wie werthaltig diese Position ist, konnte der Wirtschaftsprüfer laut Versagungsvermerk nicht nachvollziehen. Würde auch dieser Firmenwert auf null abgeschrieben, wäre das Eigenkapital aufgebraucht. BDO schließt: „Es wurden uns keine ausreichenden Nachweise vorgelegt, dass die Fortführung des Unternehmens überwiegend wahrscheinlich ist.“

An der Börse löste dieses vernichtende Urteil am Montag Schockwellen aus. Im Xetra-Handel verlor die Aktie bei hohen Umsätzen zwischenzeitlich mehr als 50 Prozent ihres Werts und ging mit 42 Prozent Minus aus dem Handel. Das Unternehmen hat inzwischen reagiert und versucht, dem Wirtschaftsprüfer die Schuld für das Desaster zu geben. Es macht BDO in einer Mitteilung schwere Vorwürfe. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Prüfer ihrer Sorgfalts- und Treuepflicht nicht nachgekommen sind“, lässt sich der Verwaltungsrat zitieren. Staramba prüfe daher „zivil-, straf- und berufsrechtliche Schritte“ gegen BDO.

In der Mitteilung geben die Berliner ungewöhnlich detailliert Einblicke in den Prüfungsprozess. Demnach hätten die Prüfer lange den Eindruck erweckt, statt eines Versagungsvermerks einen eingeschränkten Bestätigungsvermerk zu erteilen. Am vergangenen Donnerstag um 15 Uhr habe sich das Unternehmen mit den Prüfern dann zur Bilanzsitzung getroffen. „Erst zu Beginn der Sitzung wurde dann erstmalig ein erneuter Versagungsvermerk thematisiert“, klagt Christian Daudert, geschäftsführender Direktor von Staramba. Eine Begründung sei BDO schuldig geblieben. Daudert spekuliert, die Wirtschaftsprüfer hätten angesichts „negativer Berichterstattung kalte Füße bekommen“. Der WirtschaftsWoche-Artikel zu den US-Geschäften von Staramba war ebenfalls am Donnerstagnachmittag erschienen.

Weil Staramba die Veröffentlichung des Geschäftsberichts bereits mehrfach verschoben hatte und Druck von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bekam, sah Daudert sein Unternehmen in einer Zwangslage – und wirft BDO indirekt Erpressung vor. Der Prüfer habe Staramba vor die Wahl gestellt, noch einmal lange zu prüfen oder den Versagungsvermerk zu erteilen. Staramba entschied sich schließlich für Letzteres. Chef Daudert betont aber: „Eine Liquiditätskrise lag und liegt zu keinem Zeitpunkt vor. Auch eine bilanzielle Überschuldung lag und liegt zu keinem Zeitpunkt vor.“ BDO wollte die Vorgänge gegenüber der WirtschaftsWoche nicht kommentieren.

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