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Aktien, Anleihen, Fonds Die Anlagetipps der Woche

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Aktie: Coats Group für Value-Investoren, EMC mit Dell-Spekulation

Die Wurzeln von Coats Group reichen zurück zu jenen Familien, die im 18. Jahrhundert die Textilindustrie im schottischen Paisley aufgebaut haben. Heute ist die Gruppe der weltweit größte Produzent von Industrienähgarnen und die Nummer zwei bei Reißverschlüssen. Coats beschäftigt 19.000 Mitarbeiter, produziert in über 70 Produktionsanlagen auf sechs Kontinenten und verkauft seine Produkte in über 100 Ländern. Zwei Drittel des Geschäfts kommen aus der Bekleidungs und Schuhindustrie, 18 Prozent entfallen auf Handarbeitsbedarf, etwa zum Stricken, Sticken oder Flicken. Den Rest steuern Spezialitäten wie Fäden für Tampons und Teebeutel oder Nähgarne für Airbags oder medizinisches Nähzeug bei. 2015 holte die Gruppe aus 1,5 Milliarden Dollar Umsatz 118 Millionen Dollar operativen Gewinn. Unter dem Strich stand ein Verlust von 46 Millionen Dollar.

Aktientipp Coats Group

Dafür gesorgt haben Kosten für Restrukturierungen und Umweltauflagen, aber vor allem der Verlust aus dem Verkauf des defizitären Geschäfts mit Handarbeitsbedarf in Europa. Coats bilanziert in Dollar. Nach vier Monaten 2016 drückte dessen Stärke, vor allem gegenüber dem brasilianischen Real und der indischen Rupie, den Umsatz um fünf Prozent. Bei konstanten Wechselkursen wäre er stabil geblieben. Noch länger beschäftigen wird das Management die Löcher in den Pensionskassen. Auf Basis der Rechnungslegungsvorschrift IAS 19, die die Bilanzierung von Leistungen an Arbeitnehmer vorgibt, klaffte hier Ende 2015 eine Lücke von 469 Millionen Dollar. Das Defizit wird aber in den nächsten Jahren schrittweise ausgeglichen, aus liquiden Mitteln (650 Millionen Dollar Ende 2015) und freien Mittelzuflüssen. Für Dividenden wird da nicht viel bleiben. Aber: Nach Abzug der Nettoliquidität (218 Millionen Dollar) kommt Coats auf einen Unternehmenswert von nur 382 Millionen Dollar. Das lockt Value-Investoren an. George Soros ist mit 11,2 Prozent an Bord. Die Umsätze der Aktie in London sind gering. Aufträge limitieren!

Anleihe: EMC - Investmentklasse mit Fragezeichen

Zwar geht der Firmenname EMC auf die Nachnamen der Gründer Richard Egan und Roger Marino zurück, aber die Parallele zu Einsteins Formel E= mc2 fällt auf. Alles ist relativ. Das gilt auch für die Anleihe des US-Technologiekonzerns. Diese lockt bei einer Laufzeit bis Juni 2020 mit einer Rendite (in Dollar) von rund 4,5 Prozent. Das ist ungewöhnlich. Immerhin ist EMC einer der weltweit führenden Anbieter von Software- und Speicherlösungen. Das 1979 in Hopkinton, im US-Bundesstaat Massachusetts gegründete Unternehmen steuert in diesem Jahr auf gut 26 Milliarden Dollar Umsatz zu und wird voraussichtlich über vier Milliarden Dollar freie Mittelzuflüsse erzielen. Die Nettoliquidität liegt bei 2,5 Milliarden Dollar. Die Ratingagentur Moody’s bewertet EMC mit A1 als sicheren Schuldner – zumindest noch.

Kurs93,46 Dollar
Rendite4,47 Prozent
Kupon:
2,65 Prozent
Laufzeit bis1.6.2020
WährungDollar
ISINUS268648AQ50
Stand: 03.06.2016

Denn das Schicksal von EMC wird künftig mit dem des Computerbauers Dell verbunden sein. Geht alles nach Plan, wird dieser EMC im Oktober für gut 67 Milliarden Dollar schlucken – und zwar überwiegend finanziert auf Pump. Der neu formierte Technologieriese dürfte mit einer Schuldenlast von 50 Milliarden Dollar an den Start gehen. Anleihen des Käufers Dell werden von Moody’s mit Ba2 eingestuft, also als spekulatives Investment. Seit Jahren arbeitet Gründer Michael Dell daran, sein Unternehmen neu auszurichten. Der PC-Markt schrumpft, das Hardwaregeschäft allein ist auf Dauer nicht mehr tragfähig. Mit Produkten rund um die Megatrends Cloud Computing und Big Data will Dell nun das Comeback schaffen. Dazu passend bringt EMC seinen Anteil von 80 Prozent an VMware in die Fusion ein. Die Tochter entwickelt Software im Bereich Virtualisierung und steuert ein Viertel zum Umsatz bei. An der Börse kommt VMware auf einen Marktwert von 25 Milliarden Dollar. Eine wertvolle Reserve, die notfalls versilbert werden könnte, um mit dem Erlös Schulden abzubauen.

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