Aktien: Kapitalistische Ideen gegen Einsamkeit
In Berlin kämpften Bundeskanzler, Finanz- und Wirtschaftsminister nächtelang ums Geld. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) aber war mit den Gedanken woanders: „Es ist nun Winter, es wird dunkel und die Menschen sehnen sich nach Nähe“, sagte die Ministerin laut Tagesspiegel, als sie nach der umstrittenen Kindergrundsicherung ihr neues Herzensprojekt in Berlin vorstellte: eine Initiative, die mit 111 Maßnahmen Einsamkeit bekämpfen soll.
Gesteuert aus Berlin und basierend etwa auf Umfragen der Deutschen Depressionshilfe kommt das Thema wie Kai aus der Kiste, mitten in dieser an Krisen nicht gerade armen Zeit. Aber laut der Umfragen fühlt sich ein Viertel der Deutschen sehr einsam.
Ein bereits seit 2021 vom Familienministerium gefördertes Kompetenznetz Einsamkeit hat offenbar keine nachhaltige Wirkung erzielt. Und am Winterwetter, der Dunkelheit und Kälte wird die Initiative auch nichts ändern. Aber die Mitarbeiter der Ministerin, die sich bislang um Forschung, Netzwerk und Wissenstransfers rund um Einsamkeit kümmern durften, haben in dieser Zeit neue Bekanntschaften geschlossen. Immerhin. Dass ihre Auftraggeberin jetzt noch einen draufsetzt, wird dafür sorgen, dass ihre Runde noch größer wird. Und wieder ist die Einsamkeit ein wenig bekämpft.
Aber sind das auch diejenigen, die besonders einsam sind? Auf jeden Fall werden sie an der ausgerufenen Einsamkeitskrise verdienen. Bevor die Sozialindustrie jetzt weiter ordentlich aufdreht, wollen wir ein paar Aktien von Unternehmen vorstellen, deren Produkte und Geschäftsmodelle einen Ausweg aus der Einsamkeit bieten. Da darf ein Risikohinweis nicht fehlen: Wer sich einsam fühlt, für den kann dieser Text mitunter verstörend sein. Lesen Sie nicht weiter, sondern nutzen Sie anonyme Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Hilfe finden Sie aber eher nicht bei in Berlin ersonnenen Initiativen, sondern vor Ort in der Nachbarschaft, gemeinnützigen Vereinen, der Volkshochschule, in Kirchengemeinden.
Unsere kapitalistischen Angebote gegen Einsamkeit zielen auch in die Richtung der Hilfe zur Selbsthilfe und beginnen mit einem Spoiler: Vieles, was für Spaß in der Gesellschaft steht, hat an der Börse gerade einen schweren Stand. Künstliche Intelligenz und Technologie dagegen boomen. Aber der Trend kann drehen. Vielleicht stehen Aktien von Getränkekonzernen, Kreuzfahrtanbietern oder Datingplattformen vor dem Comeback, wenn jetzt jeder etwas gegen seine Einsamkeit unternimmt.
Mal wieder in die Kneipe
In der Eckkneipe trifft man Gleichgesinnte und kommt schnell mit ihnen ins Gespräch, übers Wetter und den Winterblues. Die Typen dort sind nicht Ihr Ding? Der Getränkekonzern Diageo bietet 150 Marken vom Alcopop bis zum Whisky, darunter Johnnie Walker, Lagavulin, Smirnoff, Guiness, Baileys, Gordon’s Gin. Im leichten Rausch sind manche Mitmenschen einfacher zu ertragen. Das Geschäft des britischen Unternehmens leidet unter der Konsumzurückhaltung und den hohen Preisen in Kneipen und Restaurants. Die Bundesregierung war gegen die Inflation machtlos, der Mindestlohnanstieg trieb die Kneipenpreise weiter nach oben. Der ein oder andere kann sich die Kneipe um die Ecke nicht mehr leisten. Aber ob eine Maßnahme von Lisa Paus gegen Einsamkeit verlockender wäre als ein guter Gin in munterer Runde?
Bei begrenztem Budget hilft auch ein Bier. An dem verdient häufig der US-Getränkeriese Anheuser-Busch Inbev. Der Getränkehersteller zählt weltweit zu den größten und sein Marktanteil beim Bier liegt bei rund einem Drittel. Die bekanntesten internationalen Marken sind Budweiser, Corona, Stella Artois, Beck’s, Franziskaner und Spaten. Den Höhepunkt der Feierlaune gab es für die Aktionäre des Marktführers schon im Jahr 2015/16. Damals lag der Aktienkurs bei 120 Euro, inzwischen nur noch bei 60 Euro. Es wird zu wenig gefeiert und getrunken. Ein Gutschein für die Kneipe wäre eine Idee auf die sicherlich auch noch jemand in Berlin kommen wird.
Der Genuss eines Joints verbindet
Cannabisaktien hatten 2021 ihren großen Durchbruch. Seitdem geht es abwärts. Am Cannabiskonsum verdienen kann man mit einem börsennotierten Indexfonds, der auf Cannabis als Medikament setzt, wie der Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF (IE00BJXRZ273). Er besteht aus 15 Aktien aus dem Pharma- und Landwirtschaftsbereich. Die größten sind der Düngemittel- und Herbizidproduzent Scotts Miracle-Group mit Marken wie Celaflor, die fast ein Fünftel des ETF ausmachen. Andere Pharmaunternehmen sind Perrigo Company und Jazz Pharmaceuticals, aber auch Teva, Novartis und Abbvie. Spezielle Cannabisunternehmen findet man in den hinteren Rängen, sie sind tief abgetaucht. Der ETF hat seit dem Start im Mai 2020 rund die Hälfte an Wert eingebüßt.
Freunde von der Plattform
Wer nicht weiß, wie er Kontakte zu Mitmenschen aufnehmen soll, findet bei Dating-Plattformen Gleichgesinnte. Die Muttergesellschaft von Tinder und Bumble, die Match Group, betreibt über 45 soziale Netzwerke und Singlebörsen. Da wird jeder Pott einen Deckel finden. Aber die Scheu ist offenbar groß, die Aktie liegt einsam am Boden.
Familienbande knüpfen
In einer Familie wird es nie langweilig. Sie sorgt für Leben in der Bude. Windeln.de würde sich auch freuen, wenn mehr Babys geboren würden. Der deutsche Versandhändler für Baby- und Kinderartikel mit Firmensitz in München war 2015 an die Börse gegangen und hat Ende 2022 Insolvenz angemeldet. Die Webseite Windeln.de ist jetzt Teil der Yuunic AG aus der Schweiz, deren Aktien in Deutschland nicht gehandelt werden. Online-Einkauf für frisch gebackene Eltern bieten längst auch die bekannten Drogeriemärkte – eigentümergeführt und nicht an der Börse.
Ein Ausweg ist der US-Konzern Procter&Gamble, der neben vielen Körperpflegeprodukten auch Pampers produziert. Die Aktie ist allerdings teuer, Anleger zahlen das 22-Fache des Jahresgewinns bei einer mit 2,6 Prozent nicht ganz üppigen Dividendenrendite. Die Angst vor einer Pleite wie bei windeln.de müssen Anleger aber nicht haben. P&G ist weltweit präsent, wächst auch in Schwellenländern und eben nicht nur mit Windeln.
Raus aus der Villa
Wer es in der Villa nicht mehr aushält, weil die Nachbarschaft zu weit weg ist und man nur die Gärtner oder Hausangestellten auf der Straße trifft, kann stattdessen in einen Wohnblock ziehen. Dort ist man nie allein. Der Bochumer Konzern Vonovia hat einen riesigen Bestand an Wohnungen bundesweit. Spätestens dann, wenn der Aufzug kaputt ist oder der Paketbote klingelt, kommt es zu sozialem Kontakt. Im Hausflur kommt man leichter ins Gespräch als durch hohe Hecken und das elektrische Garagentor. Im Zweifel haben die Wohnungsnachbarn gleich ein Thema und einen gemeinsamen Feind – den Vermieter. Das schweißt zusammen.
Momentan sind unsanierte Wohnungen mit schlechter Energiebilanz nicht gefragt. Die Vonovia-Aktie hat sich von ihrem Tiefkurs von 15 Euro Ende März aber trotzdem bereits erholt und kostet gerade 28 Euro. Es hat sich herumgesprochen, dass die Bundesregierung kein Rezept gegen die Wohnungsnot in Deutschland gefunden hat. Existierende Wohnungen werden also wertvoller.
Flucht in die Karibik
Auf einer Kreuzfahrt sollte man spätestens beim Dinner oder einem Landausflug Kontakt zu Mitreisenden bekommen. Reiseveranstalter wie TUI verdienen an der Reiselust, die Aktie steht bei sieben Euro. 2019 – vor Corona – waren es mal 40 Euro. Da ist also noch viel Luft nach oben.
Es gibt noch viele weitere Ideen, wie man der Einsamkeit die Stirn bieten kann. Wer sich in seinen vier Wänden nicht wohlfühlt, kann die Wohnung umgestalten, Gymnastik- oder Volkshochschulkurse besuchen. All das muss nicht viel Geld kosten.
Bundesministerin Lisa Paus will zwar auch für ihre Einsamkeitsstrategie kein zusätzliches Geld ausgeben. Doch wenn die Bundesregierung eine interministerielle Arbeitsgruppe bildet und Akteure aus Wirtschaft, Verbänden, Stiftungen und Kirchen zusammentrommelt, ist das wohl nicht ganz umsonst. Das sollte sie vielleicht doch lieber sparen und sich auf das Subsidiaritätsprinzip besinnen. Nicht Berlin ist dafür zuständig, sondern die Kommunen: Einsamkeit vertreibt man vor Ort. Und jeder von uns springt auch mal selbst über seinen Schatten und spricht seine Mitmenschen einfach an – auch wenn er selbst nicht einsam ist.
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