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Aktien Die Wahrheit über Agrar-Investments

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Spekulanten und die Agrarpreise

Wegen der Trockenheit in Osteuropa fällt die weltweite Weizenernte geringer aus, der Börsenpreis für Weizen zieht an Quelle: US-Landwirtschaftsministerium (USDA)

Die Diskussion und der von Parteien, Kirchen und Organisationen wie Foodwatch ausgeübte öffentliche Druck haben auch die Chefetagen der Banken erreicht. Agrarrohstoffe gelten inzwischen als Tabu. Die Landesbank Baden-Württemberg verzichtet künftig bei ihren Agrarfonds auf Investments in Rohstoffe. Stattdessen sollen die Fonds nur noch Aktien von Agrarunternehmen halten. Es gehe der Landesbank darum, schon den Eindruck zu vermeiden, als würde der Hunger in der Welt durch Produkte der Bank verschärft, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Auch die Dekabank, Fondstochter der Sparkassen, und die Commerzbank verbannen Agrarrohstoffe aus ihren Fonds. Mehrere Banken kündigten bereits an, keine neuen Agrarzertifikate mehr auflegen zu wollen.

Die Moralkeule wirkt. Selten verteidigen sich Banker. „Es gibt kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten zu Preissteigerungen oder erhöhter Volatilität führen“, sagte David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, bei einer Anhörung des Deutschen Bundestags. Trotz dieser Aussage knickte auch die Deutsche Bank ein. Sie hat signalisiert, in diesem Jahr keine neuen Produkte aufzulegen, die in Agrarrohstoffe investieren.

Absichern statt zocken

Dass Agrargüter überhaupt an der Börse gehandelt werden, hat allerdings wenig mit Hedgefonds und Banken zu tun. Entstanden sind die Termingeschäfte, weil Händler, Landwirte und Lebensmittelhersteller eine transparente Plattform brauchten, um sich gegen schwankende Preise abzusichern. Noch heute dominieren Profis aus der Agrarbranche die Terminbörsen in Chicago oder Paris. Sie machen rund 80 Prozent der Umsätze.

Fonds und ETFs aus der Agrarindustrie

Wie groß der Einfluss von Spekulanten auf die Agrarpreise ist, bleibt umstritten. Klar ist nur, dass die Terminmärkte den Preistrend nicht auslösen, sondern Angebot und Nachfrage. Der Berliner Agrarökonom Harald von Witzke untersuchte den Preissprung bei Weizen von Januar 2007 bis Juni 2008. Er stellte fest, dass der Preisanstieg von 78 Prozent vor allem aufgestiegene Energie- und Transportkosten zurückzuführen waren. „Nach gegenwärtigem Stand der Forschung ist Spekulation nicht die treibende Kraft hinter dem Trend steigender Preise, jedoch an ihrer zunehmenden Volatilität und an den extremen Preisspitzen ursächlich beteiligt“, sagt Joachim von Braun, Agrarökonom am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn.

Regierungen zeigen gern mit dem Finger auf Spekulanten und Banken. Dabei sind Politiker keinesfalls unschuldig an Preissprüngen. Ganz im Gegenteil. Ihr Einfluss ist weitaus größer auf die Lebensmittelpreise als derjenige der Spekulanten.

Denn Regierungen können Preise festlegen, den Anbau subventionieren oder einschränken und den Agrarhandel regulieren. Oft verfälschen sie die Preissignale des Marktes. Aktuelles Beispiel: Obwohl der Weizenpreis steigt, bauen die Farmer in Argentinien lieber Braugerste an. Damit weichen sie Exportbeschränkungen der Regierung für Weizen aus. Laut der argentinischen Getreidebörse Bahia Blanca Cereals dürfte die mit Weizen bewirtschaftete Fläche in der Erntesaison 2012/13 um ein Viertel zurückgehen.

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