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Aktienkauf für einen Euro So gut ist die Broker-App Trade Republic

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Infotexte aus Wikipedia

In der App kann ich nachverfolgen, wie sich mein Einsatz entwickelt: weniger gut. Nach zehn Tagen sind von eingezahlten 50 Euro noch 45,60 Euro übrig. Infineon hat rund neun Prozent verloren. „Halbleiterwerte leiden unter Sorge um Huawei-Lieferbeziehungen“, meldet eine Nachrichtenagentur. Erste Lektion: Auch niedrige Gebühren schützen nicht vor Verlusten. Gut, dass ich nur Spielgeld eingesetzt habe.

Mich interessiert, wie Trade Republic so günstig sein kann. US-Vorreiter Robinhood geriet zuletzt in die Kritik: Das Geschäftsmodell basiere überwiegend auf Rückvergütungen. Sprich: Kauf- und Verkaufsaufträge würden an Spezialfirmen weitergeleitet, die diese ausführten – und Robinhood mit Rückvergütungen belohnten. Für die Spezialfirmen sind Orders bares Geld. Sie bringen Käufer und Verkäufer direkt zusammen und streichen die übliche Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskursen selbst ein. Kritiker fürchten aber Interessenskonflikte: Aufträge von Robinhood-Kunden würden nicht unbedingt dort ausgeführt, wo mit dem besten Preis zu rechnen sei, sondern dort, wo Robinhood die höchste Rückvergütung kassiere. Es geht um Kleinstbeträge. Doch bei Milliardenumsätzen summieren sich auch die. Robinhood reagierte auf die Kritik und führt Order nun selbst aus.

Auch Trade Republic kassiert Rückvergütungen für die Weiterleitung von Kundenaufträgen. Auf der Website wird das erwähnt. Bis zu drei Euro pro Order sind es laut „Kundenvereinbarung“. Die wurde mir nach der Registrierung als PDF-Datei in der App eingestellt. Kaum ein Nutzer wird sie lesen. Ich muss mein Handy querhalten und heranzoomen, um den Text zu entziffern. Kunden erklären sich einverstanden, „dass Trade Republic diese Zahlungen vereinnahmt und behalten darf“. Gründer Christian Hecker findet das Modell unproblematisch: Die Kurse bei Trade Republic seien zu Xetra-Handelszeiten an die dortigen Kurse gebunden. Kunden drohten keine Nachteile. Außerdem seien die Ordergebühren nicht nur dank Rückvergütungen so niedrig. „Wir haben unser IT-System völlig neu aufgesetzt und mussten keine alte Technik integrieren.“ Eine Order werde in 16 Schritten automatisiert abgewickelt. Die Kosten seien so viel niedriger als bei anderen Banken.

Mein Test verläuft weitgehend reibungslos. Nur sind viele Indexfonds (ETFs), die ich im Depot halte, bei Trade Republic nicht verfügbar – etwa ein ETF der Fondsgesellschaft Lyxor auf den MSCI All Country World Index. Einen ETF auf den Index gibt es auch in der App, aber von einem anderen Anbieter. Das wäre ein Problem, wenn ich komplett zu Trade Republic wechseln wollte. Noch geht ein solcher Depotübertrag nicht. Im Laufe des Jahres will Trade Republic ihn aber ermöglichen, sagt Gründer Hecker – allerdings nur für Wertpapiere, die sich dort handeln lassen.

Die Suchfunktion zeigt bei ETFs zudem Schwächen. Tippe ich den Namen des Weltaktienindex MSCI World ein, zeigt Trade Republic mir ein Wertpapier mit diesem Namen an. Nur ist der Index selbst nicht handelbar. Erst weiter unten steht als Name „iShares MSCI World“ und die dazugehörige Kennnummer. Mit etwas Vorwissen merke ich, dass es sich um einen ETF der Fondsgesellschaft iShares auf den Index handelt. Das ginge klarer.

Auch die Analysefunktionen der App sind dürftig. Die „Informationen“ zu einzelnen Aktien zeigen Wikipedia-Texte – nicht ganz aktuell und nicht unbedingt fehlerfrei übernommen. So soll Infineon laut Beschreibung bei Trade Republic 2015 einen Umsatz von 5795 Milliarden Euro gemacht haben. Tatsächlich waren es 5,795 Milliarden Euro – und 2015 ist lange her. Zum Spätsommer solle es mehr Analysefunktionen und aktuelle Informationen geben, beruhigt mich Gründer Hecker. Er ist in der Finanzszene nicht neu, hat früher im Investmentbanking der US-Bank Merrill Lynch gearbeitet.

Andere Discount-Broker geben sich zum Start von Trade Republic entspannt. Das Angebot unterscheide sich deutlich, heißt es etwa beim Broker Degiro, der mit Xetra-Aktienkäufen ab zwei Euro Gebühr bislang Preisführer war. „Wir bieten echten börslichen Handel auf vielen weltweiten Hauptbörsen“, sagt Manuel Suckart, Degiro-Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Trades an US-Börsen würden günstiger, schon ab 0,50 Euro pro Order, und 200 ETFs gebührenfrei angeboten. Auch bei meinen Direktbanken kann ich ETFs über Sparpläne oft gebührenfrei kaufen. Nur beim Verkauf wäre Trade Republic für mich günstiger.

Suckart rechnet nicht damit, dass etablierte Anbieter ihre Gebühren wegen der neuen Konkurrenz senken werden. Beim Start von Degiro, 2014, hätten die auch nicht so reagiert. Stattdessen hätten sie sich zusammengeschlossen: DAB und Consorsbank, Comdirect und Onvista. „Dieser Trend könnte sich fortsetzen.“ Um weniger für Aktienkäufe zu zahlen, bliebe Anlegern dann nur eine Wahl: zu wechseln.

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