Alternative Geldanlage Im Wein liegt die Rendite

In vino pecunia. Im Wein liegt nach Ansicht einer französischen Fondsfirma nicht nur die Wahrheit, sondern auch das Geld. Weinfonds bieten eine Alternative zur Investition in Aktien. Aber: Anleger müssen sich gut auskennen - und erhebliches Startkapital mitbringen.

Alte Weinflaschen Quelle: dpa

Die Fondsgesellschaft Uzes Gestion hat kürzlich den ersten nach französischem Recht regulierten Weinfonds aufgelegt und will so der Euro-Schuldenkrise ein Schnippchen schlagen. Denn klassische Investments wie Aktien oder Renten haben den Anlegern zuletzt wenig Freude bereitet.

„Wein ist so etwas wie ein sicherer Hafen für die Geldanlage geworden“, sagt Thierry Goddet, Chef und Gründer von Cavissima, einer Firma, die ihre Kunden dabei unterstützt, direkt in Wein zu investieren. Seit die Schuldenkrise die Finanzmärkte lahmlege, seien viele neue Investoren, die nach einer defensiven Anlage suchten, auf den Wein gekommen. „Die Preise sind im letzten Jahrzehnt jedes Jahr um zwölf Prozent gestiegen. Und selbst wenn es Korrekturen gibt wie 2008 und 2011, gibt es danach für gewöhnlich eine rasche Erholung.“

Analysten prognostizieren, dass die Preise für Spitzenweine weiter in dieser Größenordnung steigen werden. Gründe dafür seien das begrenzte Angebot und die steigende Beliebtheit von Wein in aufstrebenden Ländern wie etwa China. Außerdem rechnen sie mit einer weiterhin robusten Nachfrage aus den USA und Großbritannien. Auch Jean-Marie Godet, stellvertretender Chef von Uzes Gestion, ist überzeugt vom Wein als Geldanlage. „Eine ganze Reihe von Studien hat gezeigt, dass sich große Weine seit 1950 durchgängig besser entwickelt haben als die Finanzmärkte. Selbst in Krisenzeiten fallen die Preise für Wein weniger als die Kurse an den Finanzmärkten."

Auch Frankreichs Wirtschaftsprominenz ist schon auf den Wein gekommen. So gehört das Weingut Cheval Blanc unter anderem dem Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH, Chateau Latour gehört dem PPR -Gründer Francois Pinault.

3700 Euro für eine Flasche Wein

Zentrum des weltweiten Weinhandels ist London. Sogar ein Index, der Livex 100 Fine Wine, spiegelt die Entwicklung des Weinmarktes wider. Seit Ende 2007 hat dieser Index 15 Prozent zugelegt, während der Dax 25 Prozent verloren hat und der französische Leitindex CAC40 sogar um 46 Prozent eingebrochen ist. Preise für einen französischen Spitzenwein fangen bei 100 Euro je 0,75-Liter-Flasche an, aber einige Flaschen werden sogar für mehr als 1000 Euro verkauft, wie etwa eine Flasche Petrus des Jahrgangs 2009 für 3700 Euro.

Pro und Contra zu Rohstoff-Spekulationen
Die Frankfurter Skyline ist hinter einem Rapsfeld in Eschborn zu sehen: Die öffentliche Meinung ist eindeutig. Geht es nach einer Forsa-Umfrage vom Ende vergangenen Jahres, dann sind nur elf Prozent der Bevölkerung in Deutschland dafür, dass es Anlageprodukte auf Agrarrohstoffe überhaupt gibt. 84 Prozent sind dagegen. Trotzdem finden sich genügend Experten, die Spekulationen auf Agrarrohstoffe befürworten. Hier eine Auswahl: Quelle: dpa
Professor Harald von Witzke, Agrarökonom an der Humboldt-Universität in Berlin, sagt: „Nur Scharlatane glauben, dass Wetten an den Terminbörsen die Lebensmittelpreise dauerhaft nach oben treiben. Landwirte und Agrarhändler können sich nur gegen Preisrisiken absichern, wenn Finanzinvestoren auf der Gegenseite in die andere Richtung wetten.“ Quelle: obs
Sein Kollege George Rapsomanikis, Ökonom bei den Vereinten Nationen, verweist auf die gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Märkte: "Wenn der Ölpreis steigt, dann steigt auch die Nachfrage nach Ethanol und damit die Nachfrage nach Mais. All diese Märkte sind eng miteinander verknüpft, weshalb wir bei jedem Ölschock auch eine Nahrungsmittelkrise erwarten." Steigende Rohstoffpreise hängen seiner Ansicht nach in erster Linie auch mit der zunehmenden Industrialisierung in den Schwellenländern sowie mit der veränderten Nutzung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zusammen. Werden die vermehrt als Energieträger genutzt, dann führt die steigende Nachfrage auf dem Energiemarkt jedes Mal zu einem Preisanstieg auf dem Rohstoffmarkt. Quelle: Pressebild
Der Gießener Agrarökonom Michael Schmitz sieht vor allem die Entwicklungsländer selbst in der Verantwortung: "Der Hunger ist vor allem ein hausgemachtes Problem in den Entwicklungsländern. Die Preisschwankungen waren Anfang der 70er-Jahre ähnlich hoch wie heute - ohne große Zuflüsse an Kapital", sagt der Professor. 2006 bis 2008 gab es zudem massive Ernteausfälle. Das war seiner Ansicht nach der Grund, warum damals die Preise deutlich anzogen. Außerdem waren die Lagerbestände infolge der Knappheit abgebaut worden, was die Märkte besonders nervös werden ließ. Und dann kam infolgedessen die Politik ins Spiel. Viele Importländer verstärkten ihre Importe, und die Exportländer drosselten ihre Exporte, was den Engpass und somit den Preisauftrieb noch verstärkte. Zudem: 74 Studien zum Thema, wie Rohstoffspekulationen Preise und Hunger treiben, hat sich der Experte angesehen. Nur eine stand in einem qualitätsgeprüften Journal. Quelle: Pressebild
Es ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die sich aus ethisch-moralischen Gründen gegen das Spekulieren auf landwirtschaftliche Produkte ausspricht. Kern aller Argumente ist dabei stets, dass sich hinter der Vielzahl von Kontrakten, die an den Terminbörsen abgeschlossen werden, nur selten Absicherungsgeschäfte für Landwirte und Agrarhändler befinden. In den meisten Fällen wollen Spekulanten vom Auf und Ab der Preise profitieren. Quelle: dpa
"Wir erleben derzeit eine Achterbahnfahrt auf den Weltmärkten für Agrarrohstoffe. Dadurch drohen Grundnahrungsmittel für immer mehr Menschen gerade in den Entwicklungsländern unbezahlbar zu werden", äußerte sich beispielsweise kürzlich Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die Politik hat dabei das große Ganze im Auge: Geht die Preistreiberei weiter, dann könnte es irgendwann Krieg um Grundnahrungsmittel geben. Erste Auswirkungen sah man bereits im vergangenen Jahr in Südostasien, als der Reispreis massiv angezogen hatte und die Menschen auf die Straße gingen. Quelle: dpa
Auch an den Börsen sieht man dieses Treiben zunehmend kritisch. „Es gibt volkswirtschaftlich gesehen überhaupt keinen Grund, warum man Investoren erlaubt, Lebensmittel aus dem Markt zu nehmen und zu horten, nur um von Preissteigerungen zu profitieren“, sagt etwa der als „Mister Dax“ bekanntgewordene Börsenmakler Dirk Müller. Immer wieder gab es Berichte, wonach in großen Lagerhäusern Lebensmittel bewusst zu Spekulationszwecken zurückgehalten wurden, um das Angebot gering zu halten. Quelle: dpa

Dabei wirkt ein Kritikerlob auf dem Weinmarkt so wie die Kaufempfehlung einer großen Bank für eine Aktie. So hat sich der Preis für eine Kiste mit zwölf Flaschen Chateau Smith Haut Lafitte aus dem Jahr 2009 auf mehr als 1900 Euro verdreifacht, nachdem der US-Weinpapst Robert Parker dem Tropfen die Höchstpunktzahl 100 gegeben hatte.

Der Fonds von Uzes Gestion kauft Weinkisten von Händlern und lagert sie in einem Weinkeller in Genf, bevor sie wieder verkauft werden. Vor allem auf Spitzenweine, die sogenannten „Premiers Crus“, setzen die Fondsexperten. Dazu zählen so legendäre Bordeaux-Weine wie Chateau Margaux oder Chateau Mouton-Rothschild. Uzes Gestion plant außerdem, in weniger bekannte und günstigere Weine zu investieren, wie etwa Tropfen aus dem Burgund, deren Preise in den kommenden Jahren durch die Decke gehen könnten.

Der Fonds richtet sich vor allem an Vermögensverwalter, Pensionsfonds und professionelle Investoren. Die Anleger müssen mindestens 30.000 Euro einzahlen, ein Portfolio im Wert von mehr als 500.000 Euro besitzen und dürfen die ersten zwölf Monate keine Anteile verkaufen. Ohne Risiko geht es aber auch beim Wein nicht. So können etwa die Kosten, zum Beispiel für Rohstoffe, Versicherung, Lagerung und Lieferung, steigen. Außerdem könnte die Nachfrage fallen, falls die Wirtschaftslage sich verschlechtert.

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