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Alternative Märkte Für mutige Anleger gibt's im Irak viel zu holen

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Noch sieht es an der irakischen Börse mau aus

Sollten Anleger also die Sicherheitsrisiken ignorieren? Ignorieren nicht, aber anders einordnen: „Bombenanschläge machen viel Lärm, aber sie haben so gut wie keinen Einfluss auf den langfristigen Geschäftswert eines Unternehmens“, meint Grant Felgenhauer, Co-Manager des Euphrates Fonds, der seit 2010 in irakische Aktien investiert.

Gleiches gelte für die Flüchtlingsproblematik. „Wir nutzen die Unsicherheit und den Pessimismus der anderen für uns, denn Angst und Unsicherheit drücken meist die Aktienkurse“, sagt er. „Das ist der Königsweg für alle, die ruhig bleiben und kaufen. Das war so in der Nachkriegszeit in Italien, das war so in Südkorea in den Sechzigern und das ist heute so im Irak.“

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Euphrates orientiert sich an berühmten Vorbildern: „Kaufe, wenn Blut in den Straßen fließt“, hatte schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Londoner Bankier Nathan Rothschild als Parole ausgegeben und so ein Vermögen gemacht.

Euphrates zählt zu den Frontier Market Fonds, jenen Vermögensverwaltern, die in sogenannte „Grenzmärkte“ investieren. Diese gelten als Vorstufe der Schwellenländer und zeichnen sich durch unterkapitalisierte, illiquide Finanzmärkte aus. Auf den Irak trifft das zweifelsohne zu: Die meisten Papiere der ISX sind spottbillig, sie notieren im Schnitt nur beim Sechsfachen ihres Jahresgewinns – „deutlich unter dem, was wir in den Schwellenländern sehen“, sagt Felgenhauer.

Viele der 90 Aktien an der ISX, an der dank US-Software elektronisch gehandelt wird, dümpeln vor sich hin. Der Tagesumsatz der Börse liegt bei zehn Millionen Dollar, für ein Land dieser Größe viel zu wenig. Die geringe Liquidität lässt keine schnelle Spekulation zu, Investoren müssen einen langen Atem mitbringen.

Foto einer Öl-Pipline in Kirkuk Quelle: dpa

1,3-Milliarden-Börsengang

Wie viel Potenzial indes in der irakischen Börse steckt, zeigte Mitte Februar der Börsengang des Mobilfunkanbieters Asiacell: Die Tochterfirma der katarischen Ooredoo-Gruppe verkaufte Anteile im Wert von 1,3 Milliarden Dollar und legte damit den größten Börsengang des Nahen Ostens seit fünf Jahren hin. 70 Prozent der Käufer kamen aus dem Ausland, ein großer Teil aus den Golfstaaten.

„Das war ein wichtiges Signal für internationale Investoren“, sagt Taha, „und es wird andere Unternehmen ermutigen, an die ISX zu gehen.“ Auch die Mobilfunkkonzerne Zain Iraq, ein Ableger der kuwaitischen Zain-Gruppe, und Korek Telekom, eine Tochter der France Telecom, sollen an die Börse.

Ansonsten sieht es eher mau aus: Viele Unternehmen, allen voran die lukrative Ölindustrie, werden auf absehbare Zeit in Staatsbesitz bleiben. Die Regierung will nicht die Kontrolle über die Petrodollar verlieren. Taha und Felgenhauer setzten auf Konsum- und Finanzwerte, die an der ISX dominieren. „Das sind unkomplizierte Anlagen.

Die Banken betreiben keinen riskanten Wertpapierhandel, und die Konsumgüterbranche produziert Softdrinks – Wasser aus dem Tigris und Zucker –, einfacher geht’s nicht“, sagt Felgenhauer. „Und selbst wenn Bomben hochgehen, Cola trinken die Leute immer.“ North Bank, Pepsi-Verteiler Baghdad Soft Drinks und der Immobilienentwickler Al-Mamoura gehören zu den Euphrates-Papieren.

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