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Alternativen zum Strafzins Negativzins? Mit diesen Alternativen ist mehr für Sie drin

Negativzins und was dagegen hilft Quelle: Marcel Stahn

Negativzinsen greifen immer weiter um sich. Die neue EZB-Strategie dürfte den Trend befeuern. Doch Sparer sind nicht machtlos – mit den richtigen Alternativen.

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An niedrige Zinsen haben sich die Sparer in Deutschland längst gewöhnt. Vor zehn Jahren konnten sie mit Festgeld auf Sicht von fünf Jahren noch gut und gerne 2,5 bis 3,0 Prozent Jahreszins erzielen. Mittlerweile sind meist nicht mal mehr 0,5 Prozent drin. Wenn überhaupt – viele Banken und Sparkassen verlangen schon Strafzinsen von ihren Kunden. Ach, nein, Verwahrentgelt heißt der Negativzins, um nicht allzu deutlich zu zeigen, dass die Kreditinstitute fürs Ersparte nichts mehr zahlen, sondern eben noch Kosten berechnen. Allein das Verwahren von Geld ist zu einer Leistung geworden, die von den Kunden gefälligst honoriert werden soll. Dahinter steckt der Strafzins der EZB, den auch die Banken auf ihre Einlagen bei der Zentralbank teils zahlen müssen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Sie selbst werden mit hohen Freibeträgen zum Teil von Negativzinsen befreit, was sie den Kunden gerne verschweigen.

Die Grenzen, ab denen solche Negativzinsen erhoben werden, sind nicht nur immer weiter gesunken. Teilweise weisen Sparkassen Interessenten jetzt sogar komplett ab oder kündigen Kunden, wenn die ihr Erspartes nicht in die von der Bank gewünschten Produkte stecken wollen. Ende Juni waren es schon 350 Banken, die Negativzinsen erheben. Und betroffen sind nicht nur Vermögende. Fünfstellige Summen können dafür reichen, teils noch weniger. Die Degussa Bank berechnet seit Juli auf ihr Tagesgeld ab 5000 Euro 0,5 Prozent Verwahrentgelt. Umbenannt hat sie das Angebot deshalb nicht. Es heißt weiter: TopZins.

Der Unmut der Sparer wächst. Zumal jetzt auch die Inflation anzieht. Lag sie in den vergangenen Jahren teils nur bei 0,5 Prozent pro Jahr, übersprang sie im Mai und Juni dieses Jahres schon die Marke von zwei Prozent. Auch wenn viele den Inflationsanstieg nur für vorübergehend halten, dürften höhere Preissteigerungsraten vorerst ein Fakt bleiben. Die mageren Zinserträge reichen damit längst nicht aus, um den Wert des Ersparten nach Abzug der Inflation zu erhalten. Die Kaufkraft des Vermögens nimmt ab.

Eine rasche Wende ist nicht in Sicht. Jüngst hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre neue geldpolitische Strategie festgelegt. Sie räumt sich nun noch mehr Spielraum ein. Auch bei Inflationsraten jenseits der zwei Prozent dürfte sich die EZB nun kaum noch gezwungen sehen, die Zinsen früher als von ihr erwünscht wieder anzuheben. Die US-Notenbank Fed verfolgt schon länger eine recht freie Geldpolitik, die vor allem auf eine Ausweitung der Geldmenge ausgelegt ist.

Der politische Druck zu einer solchen Niedrigzinspolitik dürfte weiter groß bleiben: Viele Staaten haben sich in der Coronapandemie noch stärker verschuldet und könnten höhere Zinsen kaum schultern. Am Donnerstag, dem 22. Juli, findet die erste reguläre Sitzung des EZB-Rats statt, bei der die neue Strategie zur Anwendung kommt.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach im Vorfeld von einem „wichtigen Treffen“. Erwartet wird, dass der Ankauf von Euroland-Staatsanleihen wenigstens bis März 2022 weitergeht, vermutlich aber noch deutlich länger. Bislang hat allein dieses Programm (mit dem Namen „Pepp“) schon ein Volumen von bis zu 1,85 Billionen Euro.

Sparer sollten sich schon jetzt nach Alternativen umschauen, um Negativzinsen zu entgehen. In einer dreiteiligen Serie hat die WirtschaftsWoche konkrete Geldanlagen vorgestellt, mit denen auch risikoscheue Anleger noch positive Renditen erwirtschaften können.

Im ersten Teil, den Sie hier lesen können, stellen wir passende Festgeld-Angebote vor. Wichtig ist hier, dass diese von einem soliden Anbieter stammen; möglichst mit deutscher oder zumindest europäischer Einlagensicherung. Pro Sparer sind dann meist bis zu 100.000 Euro an Einlagen abgesichert.

Eine zweite Option sind Anleihen. Zwar sind auch bei diesen Festzins-Papieren die Renditen in den vergangenen Jahren kräftig gesunken. Doch ein paar bieten noch auskömmliche Erträge. Im Vergleich zum Festgeld ist das Risiko dabei aber deutlich größer – umso wichtiger ist ein kritischer Blick auf den Herausgeber der Anleihen. (Die wichtigen Informationen zu Anleihen haben wir hier für Sie zusammengestellt.)

Im dritten Teil der Serie haben wir Fonds vorgestellt, die sich als Alternative zum Festgeld eignen. Fondsmanager setzen dabei auf ganz verschiedene Strategien, um möglichst stabile Renditen unabhängig von den Schwankungen an den Aktienmärkten zu erzielen. Auch Immobilienfonds sind eine Option. Allerdings stehen ihren meist überschaubaren Renditen mittlerweile einige Marktrisiken gegenüber. Andere Fonds eignen sich daher eher als Parkplatz für das Ersparte. (Den Fonds-Überblick finden Sie hier.)

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