An- und Verkauf von Edelmetallen Wo Goldhändler knausern

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Ernüchternde Abschläge gegenüber dem Goldkurs

Der Goldhandel der Notenbanken
Weltweite GoldreservenSeit 2009 nahmen die Goldreserven der Staaten zu – bis zum Juni 2013. Da nahmen nach Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) die aufsummierten Goldbestände der Notenbanken gegenüber dem Vormonat erstmals ab – um 310.000 Feinunzen. Bis August gingen die Reserven weltweit gegenüber Mai um 1,42 Millionen Feinunzen zurück. Aktuellere Zahlen für September gibt es erst mit zwei Monaten Verspätung. Quelle: dpa
Goldreserven steigen langsamerLaut einer Studie der Schweizer Bank UB, fragen die Notenbanken weltweit zwar weiter netto Gold nach. Aber eben nicht mehr so viel wie in den vorangegangenen vier Jahren. „Obwohl der Kauf-Appetit weiter intakt bleibt, hat sich das Tempo in diesem Jahr gewiss verlangsamt“, schreibt UBS-Analystin Joni Teves. „Die Käufe der Zentralbanken sind zwischen Januar und August 2013 40 Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.“ Die Marktbeobachter von Thomson Reuters GFMS erwarten für 2013 einen Rückgang um 34 Prozent. Goldanalysten sprechen bereits davon, dass mit den rückläufigen Käufen eine wichtiger letzter Schutzwall für den Goldpreis schwächer wird. In einem schwankungsfreudigen Markt wäre das eine bedeutsame Änderung. Quelle: dpa
Russland verkauft GoldMit seinen Verkäufen von Goldreserven geriet jüngst Russland in die Schlagzeilen. Im September stieß die russische Notenbank überraschend zwölf Millionen Unzen oder umgerechnet 373 Kilogramm Gold ab – nachdem das Land jahrelang als einer der größten und zuverlässigsten Goldkäufer war. Insgesamt hat Russland in diesem Jahr seine Goldreserven um 57,4 Tonnen aufgestockt – und bleibt damit der größte Goldkäufer unter den Staaten. Bereits im September 2012 hatte Russland zwischendurch Gold verkauft, danach seine massiven Käufe aber wieder fortgesetzt. Quelle: REUTERS
KasachstanKasachstan ist mit einem Nettozuwachs bei den Goldreserven um 21,8 Tonnen im laufenden Jahr der zweitgrößte Goldkäufer unter den Staaten. Insgesamt sind auf dem Goldmarkt aber die Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Mexico entscheidend für die Nachfrage. In diesen Ländern stammt der Großteil der Nachfrage von Privatpersonen und Investoren. Quelle: dpa
KoreaDie Notenbank von Südkorea hat nach UBS-Erkenntnissen im Februar ihre Goldreserven um 20,2 Tonnen aufgestockt und sich ansonsten still verhalten. Dennoch erreicht die damit die bislang drittgrößten Goldkäufe einer Notenbank im laufenden Jahr. Quelle: dapd
AserbaidschanAserbaidschan hat seinen Goldbestand bei der Zentralbank um 14 Tonnen erhöht und ist damit Nummer vier unter den staatlichen Goldkäufern. Quelle: dpa
UkraineDie Ukraine belegt mit 6,2 Tonnen den fünften Platz. Danach folgen Indonesien (plus vier Tonnen), Jordanien (plus 3,1 Tonnen), Mongolei (plus 2,1 Tonnen) und Bosnien-Herzegowina (plus eine Tonne). Aber es gibt auch Länder, die im laufenden Jahr ihre Goldreserven netto reduziert haben – sogar in Europa. Quelle: dpa
MexicoSeit Jahresbeginn baut die mexikanische Zentralbank ihre Goldreserven in Trippelschritten ab. Insgesamt sind sie zwischen Januar und August um 700 Kilo geschrumpft. Quelle: Fotolia
TschechienAuch in Tschechien sind die Goldreserven um insgesamt 700 Kilo gesunken. Den größten Schwund an Goldreserven bei der Zentralbank hat aber ein wirtschaftliches Schwergewicht Europas verzeichnet. Quelle: dpa
Deutschland/ BundesbankDeutschland verfügt mit rund 3390 Tonnen Gold über die zweithöchsten Goldreserven der Welt. Aber in diesem Jahr gehörte die Bundesbank mit dem Verkauf von rund 800 Kilogramm Gold zu den größten Nettoverkäufern. Verglichen mit dem Gesamtbestand ist diese Menge jedoch noch so gering, dass von diesen Verkäufen kaum Druck auf den Goldpreis ausgeht. Welche Staaten die höchsten Goldreserven halten und wie die Aussichten für den Goldpreis sind, erfahren Sie hier. Quelle: dpa

Ich versuche mein Glück bei einem Juwelier an Düsseldorfs Königsallee. Ein Plakat im Schaufenster macht darauf aufmerksam, dass hier auch Gold angekauft wird. Eine Sicherheitskraft im Anzug öffnet mir die verschlossene Ladentür. Die Mitarbeiterin hinter dem Tresen sucht mit einer Lupe den Stempel im Ring und fragt mich nach meinen Vorstellungen. Ich sage, mir sei klar, dass ich die 500 Euro, die der Ring mal gekostet hat, sicher nicht wiederbekommen werde. Ohne ihn zu wiegen, sagt sie, ich bekäme vielleicht 115 bis 120 Euro für den Ring. Ich solle ihn lieber wieder einstecken.

Das mache ich und trage ihn zu Pro Aurum, einem der größten Goldhändler in Deutschland, der nur ein paar Gehminuten entfernt eine Filiale betreibt. Dort komme ich ohne Klingel und Sicherheitsmann in das Geschäft. Alles wirkt sehr edel und geschmackvoll, die Mitarbeiter tragen alle Anzug und Krawatte. Der Berater, in dessen Büro ich mich setze, begrüßt mich mit festem Händedruck. Den Echtheitstest mit Schieferplatte und Säure macht er als erstes. Dann erst wird gewogen, wieder stehen 9,12 Gramm auf der Anzeige. Ich bin erstaunt, dass diese Waagen offenbar alle präzise geeicht sind und selbst an der zweiten Stelle nach dem Komma keine Abweichungen zeigen.

Der Berater spricht allerdings nur von neun Gramm brutto und einem Feingoldanteil von fünf Gramm. Den Börsenpreis gibt er auf Nachfrage mit 29 Euro für das Gramm an. Er bietet mir 25,48 Euro pro Gramm, insgesamt 127,80 Euro für den Ring. Gemessen an meinem Börsenkurs ist das ein Abschlag von 4,32 Euro oder 15 Prozent. Außerdem hat der Händler offenbar nur mit 5 Gramm statt mit 5,3 Gramm kalkuliert. Lege ich 5,3 Gramm zugrunde steigen die Abzüge des Händlers gegenüber dem Börsenkurs auf mehr als 19 Prozent. Bislang das schlechteste Angebot, wenn man die grobe Schätzung beim Juwelier ausklammert.

HändlerTest
Echt-
heit
Gewicht
lt. Waage
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gold-
anteil lt.
Händler
genannter
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kurs / g.
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kurs / g
(Uhrzeit)
Händler-
marge
in € u. %
Ankaufs-
kurs /g.
Angebots-
preis
Rheinische
Scheideanstalt
nein9,12 g5,3 g29,96 €29,96 €
(15 Uhr)
3 € / g.
10 %
27,36 €145 €
Gold Haegerja9,12 g5,3 g29 €29,12 €
(16 Uhr)
3 € / g.
10,3 %
26 €138 €
Juwelier
Fine Art
nein - -- k.A.k.A.k.A.115 bis
120 €
pro aurumja9,12 g5 g29 €29,80 €
(12:30 Uhr)
4,52 €
15,6 %*
(19,4 %)**
25,48 €*
(24,03 €**)
127,40 €
Exchange
Leihhaus
k.A.k.A.k.A.-29,80 €
(13:00 Uhr)
4,33 €
14,5 %
25,47 €135 €
Angeboten wurde ein Ring von 9,12 Gramm, 585er Gold (14 Karat), entsprechend Feingoldanteil von 5,3 Gramm. Getestet wurden die Händlerangebote am 20. und 21. November. Stand: 21. November, Börsenkurse von vwd.; k.A.=keine Angabe; * laut Händlerangabe; ** rechnerisch für 5,3 g Feingoldanteil

Etwas ernüchtert über die doch deutlichen Abschläge gegenüber dem Goldkurs wage ich einen letzten Versuch beim Pfandleiher. Das Pfandleihaus Exchange nahe am Düsseldorfer Hauptbahnhof beleiht ausschließlich Schmuck, Edelmetallbarren und Münzen sowie hochwertige Uhren. Außerdem kauft das Unternehmen auch Gold an. Ich frage, was ich für Beleihung oder Verkauf des Ringes bekommen würde. Das Ergebnis überrascht: 130 Euro für die Leihe, 135 Euro für den Verkauf. Der Preis ist tatsächlich höher als beim großen etablierten Goldhändler. Angesichts des niedrigen Goldkurses wäre ein Beleihung sogar in doppelter Hinsicht lukrativ: Mehr Bargeld als bei Pro Aurum oder beim Juwelier, dafür aber die Chance, den Ring zurückzunehmen und zu verkaufen, wenn der Goldpreis wieder gestiegen ist. Allerdings ist die Pfandleihe auch mit spürbaren Kosten verbunden. Monatlich fallen 3,50 Gebühren an sowie ein Prozent Zins auf den Darlehensbetrag. Für den Ring wären das insgesamt 4,80 Euro, die monatlich zu zahlen sind. Nach drei Monaten kann der Besitzer des Pfandscheins dann das Pfand wieder auslösen oder die Leihe verlängern.

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