Anlage-Spekulation Was Anleger von Warren Buffett lernen können

Die Investorenlegende hat mal wieder kräftig Geld gescheffelt. Trotz der aktuell niedrigen Zinsen konnte der Amerikaner den Gewinn seiner Holding um 72 Prozent steigern. Was Anleger von Buffet lernen können.

Warren Buffetts lohnendste Investitionen
Warren Buffett lacht Quelle: REUTERS
Im März 2014 verleibte Warren Buffett seinem Imperium den regionalen Fernsehsender WPLG aus Miami ein. Dies ist Teil eines insgesamt fast 1,2 Milliarden Dollar (860 Millionen Euro) schweren Geschäfts. Bisheriger Eigentümer ist der ehemalige „Washington Post“-Verlag Graham, dem Buffett seit vier Jahrzehnten geschäftlich verbunden ist. „Ich bin überzeugt, dass beide Unternehmen von dieser Transaktion profitieren werden“, erklärte Buffett. Wie so oft bei dem „Orakel von Omaha“ hat auch dieser Deal einen Kniff: Buffett bezahlt in Aktien von Graham, die Berkshire Hathaway seit langem hält. Dafür erhält er neben dem Fernsehsender auch Bares sowie Berkshire-Aktien, die wiederum Graham gehören. Quelle: REUTERS
Das Unternehmen Berkshire Hathaway von US-Starinvestor Warren Buffett setzt Milliarden auf den Erfolg von Exxon Mobil. Wie aus einer Meldung an die Börsenaufsicht hervorging, erwarb Buffett Aktien des weltgrößten börsennotierten Ölkonzerns im Wert von 3,45 Milliarden Dollar. Obwohl diese Summe einem Anteil von weniger als einem Prozent entspricht, gilt eine Investition von Buffett als vielversprechendes Gütesiegel. Deshalb zogen Exxon-Aktien nachbörslich in Folge der Bekanntgabe rund ein Prozent an. Quelle: AP
2013 machte Buffett seine Ankündigung wahr und stieg zu einem der größten Aktionäre des Wall-Street-Hauses Goldman Sachs auf. Er erhält 13,1 Millionen Anteilsscheine, das entspricht etwa 3 Prozent an der Investmentbank. Buffett hatte bereits im März 2013 erklärt, groß bei Goldman Sachs einsteigen zu wollen. Den Schritt begründete er auch mit der langen Geschäftsbeziehung: Er habe erstmals im Jahr 1940 mit der Bank zu tun gehabt, sagte er. Goldman-Chef Lloyd Blankfein hatte sich damals erfreut gezeigt, dass Buffett zum Anteilseigner wird. Quelle: dpa
Im Februar 2013 kaufte der US-Großinvestor zusammen mit dem Finanzinvestor 3G den US-Ketchup-Riesen Heinz für 28 Milliarden Dollar (21 Milliarden Euro) zu übernehmen. "Heinz hat ein starkes und nachhaltiges Wachstumspotenzial", sagte Buffett. Die Übernahme ist eine der größten, die je im Lebensmittelsektor abgewickelt wurden. Quelle: AP
Tesco Einkaufstüten Quelle: REUTERS
Johnson & Johnson Quelle: dapd

Spekulationsgeschäfte und Eisenbahnen haben dafür gesorgt, dass Warren Buffett seinem Ruf mal wieder alle Ehre macht: Seine Holding Berkshire Hathaway hat ihren Gewinn im dritten Quartal um satte 72 Prozent gesteigert. Unterm Strich flossen umgerechnet rund drei Milliarden Euro in die Kassen des US-Amerikaners. Verluste fuhr lediglich der Versicherungszweig seiner Holding ein.

Eines der Erfolgsgeheimnisse des Amerikaners ist sicherlich sein vielfältiges Portfolio. Zwar bewies Buffett einerseits ein glückliches Händchen und verdiente kräftig an Derivatewetten, andererseits warfen aber auch längerfristige Investments wie die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe hohe Gewinne ab.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Das jüngste Beispiel für Buffetts Vielseitigkeit: Der Investor übernimmt mit Oriental Trading einen Spezialisten für Partyausstattung. Das Unternehmen, für das Buffett nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg rund 500 Millionen Dollar bezahlt, produziert unter anderem bunten Schleim, der in der Dunkelheit leuchtet. Außerdem befindet sich eine Fast-Food-Kette und ein Textilhersteller im Buffett-Portfolio.

Neben Beteiligungen setzt Warren Buffett auf Aktien. Er bevorzugt Papiere von großen Marken, die eine sichere Dividende abwerfen, wie Coca-Cola oder den Computerhersteller IBM. Unternehmen, die einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil genießen und deshalb eine marktbeherrschende Stellung haben zählen zu den Lieblingen des Investors.

Anleger, die sich die Buffett-Strategie aneignen wollen, sollten einen Blick in das neueste Werk von Mary Buffett und David Clark werfen, zwei Vertrauten des Anlage-Gurus. In "So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen" werden die einzelnen Kennzahlen und ihre Bedeutung für die Entscheidungen von Warren Buffett beschrieben. Anleger können sich Tipps fürs eigene Depot abholen, außerdem erfahren sie, dass Buffett strenge Prinzipien hat und längst nicht alles kauft: Von Technologie-Aktien beispielsweise lässt er die Finger, denn davon versteht er nichts - auch Privatanleger sollten in nichts investieren, was sie nicht verstehen.

Welche Mächtigen die Märkte bewegen
UnternehmenstitanenMark Zuckerberg, Gründer von Facebook Inc.Der Börsengang, der vorherige Hype sowie das anschließende Desaster haben den 28-jährigen Zuckerberg ins Rampenlicht der Wall Street gerückt. Jetzt muss er zeigen, dass er mit seinem Netzwerk von etwa einer Milliarde Freunden Werbeeinnahmen erzielen kann. Quelle: Reuters
UnternehmenstitanenCarlos Slim, Chairman Emeritus von America Movil SABDas Vermögen des weltweit reichsten Mannes ist in diesem Jahr bis Mitte August um 12 Milliarden Dollar gestiegen, wozu die Kursgewinne bei großen Beteiligungen beigetragen haben. Der 72-jährige Slim hat zugekauft und über America Movil den größten Anteil am niederländischen Mobilfunkanbieter Royal KPN erworben. Quelle: Reuters
UnternehmenstitanenTim Cook, Vorstandsvorsitzender von Apple Inc.Zwar ist der Marktwert von Apple in Cooks erstem Jahr an der Spitze des Technologiekonzerns kräftig gestiegen. Aber es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis der 51-jährige Cook gezeigt hat, dass er ein würdiger Nachfolger für Steve Jobs ist. Er muss außerdem beweisen, dass er sein Vergütungspaket von 378 Millionen Dollar für 2011 verdient hat. Quelle: dapd
Warren Buffett, Vorstandsvorsitzender von Berkshire Hathaway Inc. Quelle: dapd
VermögensverwalterJeffrey Gundlach, Gründer von DoubleLine Capital LPMit jährlichen Durchschnittserträgen von 13,9 Prozent für den Vorzeige-Anleihefonds für den Zeitraum von der Auflegung 2010 bis Juli schlägt der 52-jährige Gundlach seine größten Konkurrenten. Seine Gesellschaft verwaltet etwa 40 Milliarden Dollar.
VermögensverwalterBill Gross, Co-Chief Investment Officer bei der Allianz-Tochter Pacific Investment Management Co.Nachdem Gross 2011 hinter der Konkurrenz herhinkte, hat der 68-jährige in diesem Jahr den weltgrößten Investmentfonds wieder auf Kurs gebracht. Der Pimco Total Return Fund hat in diesem Jahr bis zum 31. Juni und für die vergangenen fünf Jahre 98 Prozent der vergleichbaren Fonds geschlagen. Quelle: dapd
VermögensverwalterLarry Fink, Vorstandsvorsitzender von BlackRock Inc.Der 59-jährige Fink leitet die weltgrößte Vermögensverwaltungsgesellschaft, die zum 30. Juni ein Anlagekapital von 3,56 Billionen Dollar betreute. Er hat Staaten und Unternehmen dabei beraten, wie sie ihre Investments verwalten sollen. Nun möchte er, dass BlackRock auch Privatpersonen berät. Quelle: dapd

Berühmt wurde Buffett, der sich dank seiner profitablen Investitionen den Spitznamen "Orakel von Omaha" verdient hat, vor allem mit seiner Vorliebe für die "Contrarian"-Strategie: Er kauft bewusst Aktien, die die Masse gerade links liegen lässt. Die Idee hinter dieser Taktik ist einfach. Wenn alle kaufen, steigen die Kurse und irgendwann fehlen neue Käufer. Dadurch fällt der Kurs wieder, alle wollen das Papier wieder loswerden. Für Leute wie Buffett ist dann der richtige Zeitpunkt zum Einstieg gekommen. Das Kunststück bei dieser Strategie ist es, den Wendepunkt frühzeitig zu erkennen und den Absprung nicht zu verpassen.

Wem das zu kompliziert ist, der investiert einfach in Buffetts Holding Berkshire Hathaway und profitiert auf diese Weise vom goldenen Händchen des Investment-Gurus.

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