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Anlagemix Wie die Renditejagd in der Zinswüste gelingt

Immobilien sind teuer, Lebensversicherungen unattraktiv, Aktien heiß gelaufen. Da hilft nur, systematisch zu streuen. Wer Rendite will, braucht auch Aktien.

Die Kurve des DAX vom 27.1.2014 Quelle: dpa

Dass in der Finanzbranche jemand von anderen kein Geld mehr nimmt, kommt so selten vor wie ein Skirennen in der Sahara. Doch in diesem Jahr musste die Fondsabteilung der Schweizer Credit Suisse Anleger davor warnen, sie weiter mit Geld für ihr Produkt Equity Fund Small and Mid Cap Germany zuzuschütten. Der Fonds müsse „temporär“ geschlossen werden, weil sich die Manager außer Stande sehen, mehr als ein Volumen von 700 Millionen Euro sinnvoll in deutsche Nebenwerte, für die das Produkt konzipiert ist, zu investieren.

Solche Probleme haben Privatanleger nicht. Sie sehen sich eher außer Stande, real, also nach Abzug von Inflation und Steuern, ihr Geld über die Runden zu bringen. Dazu braucht es Aktien. Nicht nur, aber eben auch.

Denn die Zustände, die Anleger vorfinden, wenn sie in andere Anlageklassen investieren, sind derzeit nicht berauschend:

Anleihen. Der globale Konjunkturaufschwung ist gefährdet – die Wende zu steigenden Zinsen in weite Ferne gerückt. Die Russland-Krise, die Probleme der Schwellenländer von China bis Brasilien und die Sparprogramme in Südeuropa sorgen für Verunsicherung. Inflation, die Notenbanken zwingen würde, die Zinsen anzuheben, ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Sorgen der Finanzmärkte vor Deflation, also fallenden Preisen, sind groß wie seit Jahren nicht. Im Süden Europas fallen die Preise bereits. Die Agenda der Europäischen Zentralbank deutet daher auf weiter fallende Zinsen hin: So könnten die Zentralbanker Anleihen kaufen, Zinsen direkt senken oder gar Negativzinsen auf Einlagen berechnen.

Damit würden Anleihekäufe noch unattraktiver. Immerhin: Wer bereits Anleihen besitzt, würde bei Deflation zu den Gewinnern zählen. Denn in diesem Fall würde sich das in die Anleihen investierte Kapital trotz Niedrigzins real mehren.

Immobilien. In Deutschland werden Immobilien immer teurer – noch. Laut Verband der Pfandbriefbanken stiegen die Preise für Wohnimmobilien 2012 und 2013 im Schnitt um jeweils vier Prozent. Daten des Internet-Dienstes Immobilienscout24, basierend auf Angebotspreisen, signalisieren in begehrten Lagen bereits Überhitzung. In Berlin etwa sind Preise bestehender Wohnungen seit 2008 um 40 Prozent, in München um 56 und in Hamburg um 46 Prozent gestiegen. Jüngste Daten zeigen, dass der Preiszuwachs abflacht.

Gold. Die Aussichten für Goldinvestoren haben sich aufgehellt. Hohe Zinsen, die zinsloses Gold weniger attraktiv machen, sind nicht in Sicht. Zudem gibt es deutliche Signale, dass die Verkaufswelle bei Goldfonds ausläuft. Bei physischem Gold – also Barren und Münzen – ist die Nachfrage seit Jahren größer als das Angebot, vor allem dank chinesischer Käufer. Seit Mitte Dezember 2013 hat Gold in Dollar um zehn Prozent zugelegt. Doch auch Gold ist – abgesehen von seiner wichtigen Funktion als Krisenversicherung – für Anleger derzeit kein Selbstläufer. Die physischen Käufe könnten bei einer Eintrübung der wirtschaftlichen Lage in China nachlassen. Schon jetzt rechnet der World Gold Council, eine Lobby-Organisation der Goldminenbetreiber, für dieses Jahr nicht mit großen Nachfragesteigerungen dort: Viele Chinesen hätten Schmuck- und Anlagekäufe 2013 vorgezogen. Zudem steckt vielen Anlegern der Preisverfall beim Gold noch in den Knochen (minus 32 Prozent seit dem Hoch bei über 1900 Dollar im September 2011).

Lebensversicherung. Wer jetzt noch eine Lebensversicherung abschließt, bekommt nur noch magere 1,75 Prozent Rendite garantiert. Und die auch nicht auf seine gesamte Prämie, sondern nach Abzug von Vertriebs- und Verwaltungskosten. 2015 könnte der Garantiezins für Neukunden gar auf 1,25 Prozent sinken. Im Schnitt zahlen Versicherer zwar noch deutlich mehr aus, zuletzt 4,3 Prozent. Doch die freiwillige Überschussbeteiligung sinkt, weil auch sie mit neu angelegtem Geld immer weniger Rendite schaffen. Bleibt die Zinswende dauerhaft aus, werden Versicherte das zu spüren bekommen – vor allem bei neuen Verträgen. Weil Versicherer bis vor einigen Jahren sogar noch vier Prozent garantierten, wächst jetzt für neue Kunden das Risiko, dass sie demnächst die alten Kunden ihres Versicherers subventionieren müssen. Ergo und Allianz haben neue Varianten eingeführt – ohne lebenslange Garantien, dafür mit der vagen Hoffnung auf höhere Renditen. Die wollen die Versicherer erreichen, indem sie das Geld der Kunden auch in Aktienfonds stecken.

Aktien sichern den Erfolg von Depots

Tipps fürs Börsenjahr 2014
Blick in die GlaskugelSelten waren Analysten bei ihrem jährlichen Blick in die Börsen-Glaskugel so optimistisch wie in diesem Jahr. Im Schnitt erwarten die Banken, dass der deutsche Leitindex Dax am Ende des Jahres bei rund 10.120 Punkten steht. Die größten Optimisten, in diesem Jahr die Analysten von Barclays, erwarten sogar einen Sprung auf 11.000 Punkte. Es gibt aber auch skeptische Stimmen. Die Helaba und die National Bank aus Essen rechnen damit, dass der Schlussstand 2014 etwas unter dem von 2013 liegen wird. "Das war eine ziemlich unglaubliche Rally und irgendwann werden wir eine Korrektur sehen müssen, wenn voraussichtlich auch noch nicht im Januar", prognostizierte Aktienstratege Peter Garnry von der Saxo Bank. Quelle: dpa
Geldpolitischer KurstreiberGrund zur Skepsis gibt es. Denn es sind weniger die fundamentalen Daten, die die Kurse in die Höhe schießen lassen, als die Handlungen der Notenbanker. Mit ihrer ultra-expansiven Geldpolitik haben EZB-Chef Mario Draghi und Fed-Chef Ben Bernanke den Grundstein für die Börsen-Rally 2013 gelegt. Bernanke kündigte kurz vor Weihnachten an, die Wertpapierkäufe der Fed langsam um 10 Milliarden Euro zurückzufahren. Damit sorgte er für ein Jahresend-Feuerwerk an den Börsen, der Dax kletterte auf über 9600 Punkte und damit auf den höchsten Stand aller Zeiten. Auch 2014 wird vieles an den Börsen von Draghi und Co. abhängen. Zieht die Fed ihr Tapering durch? Schafft auch die EZB die Kehrtwende? Oder senkt Draghi die Zinsen noch weiter? Genug Unruhepotenzial gibt es auf jeden Fall. Quelle: dpa
Einstieg verpasst?Um rund 25 Prozent hat der Dax im vergangenen Jahr zugelegt. Das Problem: Viele Privatanleger in Deutschland konnten davon nicht profitieren. Die Furcht vor Blasen am Aktienmarkt ist noch so präsent wie nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes. Nur langsam kehren Anleger an die Börse zurück, an den globalen Aktienmärkten war 2013 das erste Jahr seit 2006 mit einem Nettozufluss. Laut dem deutschen Fondsverband BVI wurden zwischen Januar und Oktober sogar über sechs Milliarden Euro aus Aktienfonds abgezogen. Dabei gibt es auch für sicherheitsbewusste Anleger passende Aktieninvestments. Quelle: AP
Für SicherheitsfansAuch sicherheitsbewusste Anleger müssen nicht auf Aktien verzichten. Allerdings birgt die Auswahl einzelner Aktien höhere Risiken, gewisse Marktkenntnisse sind erforderlich. Einfacher haben es Anleger mit Indexzertifikaten. Deren Entwicklung ist nicht an einzelne Papiere, sondern an jeweils einen ganzen Index wie beispielsweise den Dax geknüpft. Steigt der Leitindex, ist auch das Zertifikat mehr wert. Zwar ist mit einer Mischung aus Einzelaktien im Zweifel eine noch höhere Rendite drin, dafür ist das Risiko bei Indexzertifikaten aufgrund der Mischung vergleichsweise gering. Hinzu kommt, dass die Papiere im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds günstig sind. Quelle: AP
Überschaubares RisikoWer dennoch Geld für einen aktiv gemanagten Fonds investieren will und Wert legt auf ein überschaubares Risiko, setzt am besten auf Mischfonds. Hier wird nicht nur in Aktien, sondern auch in festverzinsliche Papiere wie Anleihen investiert. Bekannt für ausgewogene Mischfonds ist der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch von Bert Flossbach und Kurt von Storch. Ihr Fonds Multiple Opportunities R investiert neben Aktien und Anleihen auch in Edelmetalle. Die Manager haben dabei keine Beschränkungen, was den Anteil von Aktien oder Anleihen angeht. Was zählt, ist die positive absolute Rendite. Auch DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen ist für seinen ausgewogenen Mischfonds bekannt. Quelle: dpa
DividendenjagdWer als sicherheitsverliebter Anleger auf Aktien setzen will, stürzt sich mit Vorliebe auf dividendenstarke Titel. Grundsätzlich kann die Strategie zum Erfolg führen. Allerdings ist auch da Vorsicht geboten. Denn nicht immer bedeutet eine hohe Dividende gleichzeitig ein florierendes Geschäftsmodell. Wird die Dividende aus der Substanz gezahlt statt aus erwirtschafteten Gewinnen, ist das kein gutes Zeichen. Dennoch gibt es einige Papiere, die sich auch aufgrund ihrer stabilen Ausschüttungen lohnen. Im Dax gehört dazu die Allianz. Die Versicherung ist für eine stetige Ausschüttungspolitik bekannt, außerdem ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als dem zehnfachen des Jahresgewinns vergleichsweise günstig. Ähnlich sieht es beim Rückversicherer Munich Re aus. Wem die Auswahl einzelner Aktien zu kompliziert ist, kann auch hier auf einen Fonds setzen. Einige investieren gezielt in Papiere mit hoher Dividendenrendite, etwa der DWS Top Dividende oder der M&G Global Dividend A. Quelle: dpa/dpaweb
Mittleres RisikoWer mit Zukäufen ins neue Jahr starten will und etwas risikofreudiger ist, kann auf einzelne Aktien setzen. Dabei muss immer auf den Preis geachtet werden. Gerade lukrative Papiere im MDax, der zweiten Börsenliga, sind oft schon sehr teuer - Anleger zahlen ein Vielfaches des Jahresgewinns für eine Aktie. Es gibt aber auch noch Aktien großer Dax-Konzerne, die erschwinglich sind. Dazu zählt unter anderem die VW-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter zehn. Sollte die globale Konjunktur 2014 wie erwartet weiter anziehen, dürften die Wolfsburger davon profitieren. Insbesondere die Entwicklung in China ist entscheidend. Auch Vorzugsaktien von BMW punkten bei Privatanlegern mit einem niedrigen KGV bei gleichzeitig attraktiver Dividendenrendite. Wem die Rendite bei Mischfonds zu niedrig ausfällt, der kann auch auf spezialisierte Fonds setzen, die beispielsweise gezielt in deutsche, europäische oder US-Aktien investieren. Quelle: dpa

Aktien. Ein Aktienportfolio können sich Anleger aber selbst zusammenstellen. In einem langfristig ausgerichteten Depot sollten Aktien, so die schon seit mehreren Jahren erfolgreich praktizierte Strategie, wenigstens 30 Prozent ausmachen. Um das Depot vor Kursstürzen zu schützen, fließt das restliche Geld in Anleihen (ebenfalls 30 Prozent), Gold (25 Prozent) und Tagesgeld (15 Prozent). Je nach Anlagedauer und Risikoneigung können Anleger die Anteile variieren. Wichtig ist aber, an der einmal gewählten Aufteilung festzuhalten und die Depotanteile wieder auf das Ausgangsniveau zu bringen, etwa ein Mal jährlich.

Anlageaufteilung für ein breit gestreutes Mischdepot. Für eine Großansicht auf das Bild klicken

Seit Jahresbeginn hat ein so ausgerichtetes Depot 2,2 Prozent plus gebracht, während der Dax 2,9 Prozent verlor. Seit Anfang 2008 kamen Anleger mit dem Mischdepot sogar auf 5,8 Prozent Rendite pro Jahr – mit einem reinen Dax-Investment nur auf 2,3 Prozent (siehe Grafik). Seit 2009 sind die Aktienkurse aber wieder kräftig gestiegen – ohne Aktien wäre der Erfolg des Mischdepots auf Dauer also nicht möglich.

Einzelinvestments, die nur kurzfristig reüssieren, sind angesichts des Säbelrasselns zwischen Russland und der Nato sowie drohenden Problemen aus China und den anderen Schwellenländern prinzipiell riskant. Anleger können auf kostengünstige Indexfonds (ETFs) ausweichen, die alle Aktien eines Index abdecken. Auch für Unternehmensanleihen gibt es passende ETFs, zum Beispiel von iShares (ISIN DE0002511243). Gold kaufen Anleger am besten physisch, etwa Anlagemünzen wie den Krügerrand.

Etwas teurer als Dax-Aktien

Doch auch mit Einzelaktien lässt sich das Risiko streuen. Ein Korb aus Aktien von Unternehmen verschiedener Branchen, mit zyklischem und nichtzyklischem Geschäft, mit oft attraktiven Dividenden und meist zu vernachlässigenden Schulden sollte auf lange Sicht das Depot bereichern.

Dass Großinvestoren wie Credit Suisse gerade mit Investitionen in Werte aus der zweiten Reihe, aus den Indizes abseits des Dax, den jeweils 50 Werte umfassenden MDax und SDax und den 30 Werte umfassenden TecDax, werben, ist kein Zufall. Gemessen an wichtigen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und der Dividendenrendite sind die Nebenwerte zwar in der Regel einen Tick teurer als der Dax. Allerdings sind sie auch häufig wachstumsstärker, und viele haben, im Gegensatz zu etlichen Großkonzernen, keine Schuldenprobleme. Dazu kommt, dass es oft straff geführte Familienunternehmen sind, die bereits jede Menge politischer und wirtschaftlicher Krisen überstanden haben. Andere wiederum haben in der Vergangenheit gezeigt, dass ihr Geschäft robust genug ist, sich nach jedem Börsencrash aufzurappeln.

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Investments in kleinere Unternehmen eignen sich für aktive Anleger vor allem deshalb, weil sie in der Regel weniger Aufmerksamkeit von Analysten und Investoren genießen als höher kapitalisierte Werte. „Gerade institutionelle Anleger bevorzugen in der Regel große Titel, weil diese eine größere Liquidität aufweisen. Das führt tendenziell zu einer fundamentalen Unterbewertung der kleinen Werte“, so Will Jump, Investmentstratege bei Axa Rosenberg.

Die Suche lohnt sich also.

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