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Anlagerisiken Gold bleibt die beste Versicherung

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Keine Inflationssignale

Eine indische Schmuckverkäuferin Quelle: REUTERS

In den Industriestaaten signalisieren jedenfalls die offiziellen Statistiken keine Inflationsgefahr. Doch die Preise von Vermögensgütern, etwa für deutsche Wohnimmobilien oder Aktien, steigen – und die werden in der Inflationsrate nicht erfasst.

Unabhängig davon, ob das Geld der Notenbanken über Kredite der Banken in den wirtschaftlichen Kreislauf kommt: Tatsache ist, dass mehr und mehr Papiergeld geschaffen wird. Das Währungsmetall Gold lässt sich dagegen nicht im gleichen Tempo aus dem Boden holen. Pro Jahr wächst die oberirdische Goldmenge nur um etwa eineinhalb Prozent. Der Produktion von Papiergeld sind dagegen keine Grenzen gesetzt – aber Gold wird in Papierwährungen ausgedrückt.

Goldschätze der Staaten
Alle Länder gemeinsam halten Goldreserven im Volumen von 881,1 Millionen Unzen, oder umgerechnet 27.405,1 Tonnen. Auf der Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze entspricht das einem Gegenwert von knapp 1410 Milliarden Dollar. Damit haben die Goldreserven an den weltweiten Währungsreserven von 11714 Milliarden Dollar einen Anteil von durchschnittlich 12 Prozent. Aber die Goldbestände in den Staatstresoren sind ungleich in der Welt verteilt. Auch internationale Institutionen halten Gold, der Internationale Währungsfonds IWF allein im Wert von knapp 145 Milliarden Dollar, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Wert von 6,1 Milliarden Dollar. Welche Staaten darüber hinaus die größten Währungsreserven halten und wie viel davon durch Gold gedeckt ist. Berechnungen auf Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze Quellen: Bloomberg, World Gold Council, eigene Berechnungen Stand: 6. Oktober 2011 Quelle: dpa
AlgerienDer nordafrikanische Staat hütet einen Goldschatz von 5,6 Millionen Unzen, das sind 173,6 Tonnen Gold zu einem Marktwert von 8,9 Milliarden Dollar. An den gesamten Währungsreserven Algerien hat der Goldbestand einen Anteil von 4,9 Prozent. Im Bild: die republikanische Garde in Algerien. Quelle: AP
ThailandThailand verfügt über Goldbestände von 4,1 Millionen Feinunzen, bzw. 127,5 Tonnen, die einen Wert von 6,6 Milliarden Dollar haben. Hinzu kommen Währungsreserven im Volumen von 178,1 Milliarden Dollar. Damit hat Gold einen Anteil an den Reserven Thailands von 3,6 Prozent. Im Bild: Ein Mönch steht gegenüber von goldenen Buddhas im Dhammakaya Tempel bei der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Quelle: REUTERS
LibyenDas Land in Nordafrika verfügt über eine Goldreserve von 4,6 Millionen Feinunzen, bzw. 143,8 Tonnen. Der Gesamtwert der Reserven liegt bei 7,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anteil an den Währungsreserven von 6,9 Prozent. Im Bild: Demonstranten auf dem Platz der Freiheit in Misrata. Quelle: dpa
Saudi-ArabienDas größte Erdölförderland der Welt hält Goldreserven in Höhe von 10,4 Millionen Feinunzen. Das entspricht einem Gewicht von 322,9 Tonnen und einem Wert von 16,6 Milliarden Dollar. Der Anteil an den Währungsreserven des Goldes liegt bei 3,2 Prozent. Im Bild: Die Pilgerstadt Mekka empfängt im Hadj-Pilgermonat Pilgerer aus der ganzen Welt. Quelle: dpa/dpaweb
Taiwan Der chinesische Inselstaat verfügt über Goldreserven in Höhe von 13,6 Millionen Feinunzen, was einem Goldgewicht von 423,6 Tonnen entspricht. Taiwan hält damit Reserven im Wert von 21,8 Milliarden Dollar – etwa 5,3 Prozent der gesamten Währungsreserven. Im Bild: Das Hochhaus Taipei 101 in der Hauptstadt von Taiwan. Quelle: AP
IndienDer Subkontinent verfügt über 17,9 Millionen Unzen. Das sind 557,7 Tonnen. Der Wert dieser Reserven, die etwa 9,4 Prozent der gesamten Währungsreserven entsprechen, liegt bei 305,1 Milliarden Dollar. Im Bild: der Goldene Tempel der Sikhs in Amritsar, Indien. Quelle: dpa

Unterlegte man das Angebot der weltweit wichtigsten Papierwährung Dollar mit den Goldreserven der USA, dann errechnete sich für Gold in Dollar derzeit ein theoretischer Gleichgewichtspreis von 10.400 Dollar pro Unze (siehe Tabelle). Das ist das gut Sechsfache des aktuellen Marktpreises für Gold. Anfang 2006 lag dieser theoretische Gleichgewichtspreis bei 3000 Dollar und damit ebenfalls beim Sechsfachen des damaligen Goldpreises. Die Ausweitung des Dollar-Angebots in diesem Zeitraum spiegelt sich also fast eins zu eins im Goldpreisanstieg in Dollar. „Intelligente Menschen sehen schon, dass, wenn man die Geldmenge erhöht, eine Papierwährung gegenüber einer Währung, die nicht erhöht werden kann, verliert“, sagt der wie Zulauf aus der Schweiz stammende Investor Marc Faber. Sollte die Papiergeldmenge also in nicht allzu ferner Zukunft mit noch höherer Geschwindigkeit erhöht werden, dann wird auch der in Papierwährungen ausgedrückte Preis für Gold weiter steigen.

Planspiel Goldstandard

Unterlegte man das Angebot der  wichtigsten Reservewährungen mit den ausgewiesenen Goldreserven...
WährungGoldreserven in Millionen Unzen 

Monetäre Basis¹ in

Milliarden 

Dollar261,52722
Euro346,81467
Schweizer Franken33,4227
Japanischer Yen24,6113.008
Britisches Pfund10,0251
…erhielte man diese Goldpreise...

Gleichgewichtspreis pro

Feinunze

Aktueller Goldpreis 
in Dollar

10.410

1652
in Euro

4230

1265
in Schweizer Franken

6788

1528
in Japanischen Yen

4.593.462

138.840
in Britischen Pfund

25.149

1052
…und diese Wechselkurse:
 Abgeleiteter Dollar-KursAktueller Dollar-Kurs
1 Euro

2,4610

1,3058
1 Schweizer Franken

1,5334

1,0811
100 Japanische Yen

0,2266

1,1900
1 Britisches Pfund

0,4139

1,5706
¹ Bargeldumlauf plus Einlagen der Geschäftsbanken  bei der Zentralbank (Mindestreserve plus Überschussreserve); Quelle: BoE, BoJ, EZB, Fed, SNB, IWF

Und wenn doch alles anders kommt, die Schuldenlast zu erdrückend wird, der deflationäre Trend hin zu sinkenden Preisen, steigenden Pleiten und einbrechender Wirtschaft nicht zu stoppen ist, wenn Draghis „Dicke Bertha“ Ladehemmungen hat und US-Notenbankchef Ben Bernanke sich bei seinen quantitativen Lockerungsübungen das Genick bricht? Dann bricht alles ein, auch der Goldpreis. Der aber weniger als alles andere.

Gold zahlt immer

Gold sei gar besonders wünschenswert in einer Deflation, meint Faber. Denn ein Barren verschwindet ja nicht einfach und sagt: „Ich zahle nicht“ – so wie etwa ein pleitegegangener Anleiheschuldner. Die Bedeutung von Gold liege sowieso weniger in seinem Preis als in seinem Besitz, meint Anthony Deden, Chef von Edelweiss Holdings, einer auf den Bermudas registrierten Investmentfirma.

Gold trägt kein Kreditrisiko, Gold geht nie pleite. Gerade dieser Eigenschaft wegen könnten konservative Anleger, die bisher viele Staatsanleihen gehalten haben, zunehmend in Gold investieren. „Das ganze Konzept der risikofreien Anlage ist ins Wanken gekommen“, sagt Tobias Merath. Wenn die Bonität von Staaten infrage gestellt werde, sei Gold erste Wahl, so der Leiter des Rohstoffresearchs bei der Großbank Credit Suisse in Zürich.

Möglicherweise ist das von den Goldfonds hinterlegte Gold auch nicht mehr dort, wo es der Anleger eigentlich vermutet. Was den unglücklichen Besitzern von Rohstoffkonten beim US-Brokerhaus MF Global passiert ist, sei nur der Vorgeschmack auf das, was eines Tages bei allen Finanzinstituten geschehen werde, prophezeit der Vermögensverwalter und bekennende Pessimist Marc Faber. „Investoren und Sparer werden keinen Zugriff mehr auf ihre Vermögenswerte haben.“ MF Global, der vom ehemaligen Goldman-Sachs-Chef und US-Gouverneur Jon Corzine geleitete Derivate-Broker, hatte offenbar Hunderte Millionen Dollar von Kundenkonten abgezweigt, um eigene Fehlspekulationen mit europäischen Staatsanleihen auszugleichen. Das meiste Geld werden die Kunden vermutlich nicht wiedersehen.

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Goldene Gedanken machen werden sich auch große Anleiheinvestoren. Diese sind bisher davon ausgegangen, ihre Bestände an riskanten Staatsanleihen aus Europa durch den Kauf handelbarer Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) abgesichert zu haben. Doch der Schuldenschnitt Griechenlands hat gezeigt, dass sie sich nicht uneingeschränkt darauf verlassen können. Über Monate war unklar, ob der freiwillige Schuldenschnitt, dem sich Griechenland-Gläubiger auf Druck ihrer Regierungen unterwarfen, überhaupt einen Versicherungsfall auslöst. Deshalb scheint es gut möglich, dass Gold in Zukunft bei großen Kapitalsammelstellen wie Stiftungen, Versicherungen und Pensionskassen als zusätzlicher Baustein zur Absicherung von Kreditrisiken eingesetzt wird. So gesehen wirkt Gold nicht wie ein barbarisches und wertloses Überbleibsel von gestern, sondern wie ein ziemlich modernes Finanzprodukt.

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