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Anlageverhalten Je klüger, desto Aktie

Der homo investus scheint entschlüsselt: Je höher der IQ eines Menschen, desto eher kauft er Aktien. Beruf oder Einkommen spielen eine untergeordnete Rolle.

Ein Börsenhändler an der Frankfurter Börse telefoniert Quelle: dapd

Seit Jahren schon untersuchen Banken und Investmentgesellschaften das rätselhafte Wesen: Den Anleger. Welche Aktien kauft er, wann kauft und verkauft er - und warum haben so wenig Menschen Aktien, wo sich doch so gut Geld damit verdienen lässt. Nun scheint die Antwort gefunden: Die Affinität zum Aktienhandel hängt mit dem Intelligenzquotienten zusammen. Je höher der IQ, desto mehr Aktien. Außerdem streuen Menschen mit einem hohen IQ ihr Risiko stärker. Das sagen jedenfalls finnische Forscher.

Das kuriose an der im Journal of Finance veröffentlichten Studie ist das Objekt: Mark Grinblatt, Matti Keloharju und Juhani Linnainmaa haben nämlich fast 20 Jahre lang das Verhalten von rund 160.000 finnischen Soldaten untersucht. Diese werden bei der Einberufung zum Militär einem Intelligenztest unterzogen. Das Militär hat die Ergebnisse der Tests jetzt für die Forschung freigegeben. Zusammen mit den Daten zur finanziellen Situation und dem Beruf der Soldaten sowie deren Anlageverhalten nach dem Ausscheiden aus dem Militär ergaben sie ein für die Forscher logisches Bild: Wer in jungen Jahren einen hohen IQ hatte, investierte später viel und erfolgreich in Aktien - und das unabhängig von Beruf und Einkommen.

Wo sich der Einstieg lohnen könnte
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Deutsche Telekom Die Telekom wird langweilig – und für Aktionäre interessant. „Größere Akquisitionen“ und Schwellenländerabenteuer seien „nicht geplant“, verspricht der jüngste Quartalsbericht. Künftig will sie sich vor allem auf Europa konzentrieren, allen voran Deutschland, wo die Telekom 2011 noch rund 40 Prozent ihrer erwarteten 59 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Wachstumsfelder sind DSL- und TV-Angebote sowie mobiles Internet, das bis 2015 zehn Milliarden Euro Umsatz bringen soll. Schwach entwickelt sich das Geschäft der griechischen OTE, an der die Telekom 40 Prozent hält. Bislang macht sie dort sechs Prozent ihres Umsatzes und sieben Prozent des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda). Ein anderes unrühmliches Kapitel wollte die Telekom beenden: Ende März hatte sie den Verkauf ihrer Tochter T-Mobile USA für rund 28 Milliarden Euro bekannt gegeben. Doch der Verkauf ist geplatzt, Kaufinteressent AT&T zog sein Angebot Mitte Dezember wegen der Widerstände der Aufsichtsbehörden zurück. Als Ausgleich soll die Telekom immerhin 2,3 Milliarden Euro Ausgleichszahlung in bar bekommen und darf das AT&T-Netz mitnutzen. An den Gewinnprognosen soll der geplatzte Deal laut Telekom nichts ändern. Die Chancen auf stabile Gewinne sind dank Kostensenkungsprogrammen gut. Solange die Telekom ihren freien Mittelzufluss bei 6,5 Milliarden Euro hält, sind auch die versprochene Mindestdividende von 0,70 Euro und fast acht Prozent Dividendenrendite nicht in Gefahr.
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Zumindest letzteres dürfte allgemein keine allzu große Rolle spielen, wenn man beispielsweise an die Volksaktie der Telekom denkt. Die haben schließlich auch Alt- und Neuaktionäre jeden Alters, Berufsstandes und sicher auch IQs gekauft. Darüber hinaus ist Aktienbesitz Aktienbesitz - egal, ob es sich dabei um fünf oder 5000 Aktien handelt. Ihr Ergebnis untermauern die Forscher mit der recht steilen These, dass Menschen mit einem hohen IQ eher heiraten und Kinder bekommen. Um für deren Zukunft vorzusorgen, würden die Eltern in Aktien investieren. Darüber lässt sich mit Sicherheit trefflich streiten.

Dumme Nicht-Aktionäre?

Unbestritten ist jedenfalls, dass in dieser sehr homogenen Untersuchungsgruppe, die Zahl der Aktionäre bei den Klügsten um rund 20 Prozent höher war als bei denen, mit einem niedrigeren IQ. Zwar heißt es auch, dass Menschen, die die Börse nicht kennen, sich wundern, was dort geschieht. Die Frage ist nur, ob "nicht kennen" mit geringem IQ gleichzusetzen ist. Ein Manager einer amerikanischen Investmentfirma sieht es so, dass "Anleger mit hohem IQ eher bereit sind, Geld an den Finanzmärkten aufs Spiel zu setzen." Zugegeben: Ein Aktiendepot zu bestücken und zu verwalten, ist komplexer als ein Sparbuch. Der Umkehrschluss wäre nämlich, dass Aktienbesitzer klüger sind, als Nichtaktionäre - und das wäre eine durchaus gewagte These.

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Das würde nämlich bedeuten, dass es in Deutschland von rund 80 Millionen Einwohnern nur 4,1 Millionen Menschen mit Grips gibt. So viele hielten nämlich Ende 2011 Aktien. Bei den Amerikanern wäre dagegen jeder Zweite clever. Dort halten rund 50 Prozent der Bevölkerung Aktien. Wenn das nicht zum Nachdenken anregt.

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