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Anlegen in KrisenzeitenWie Warren Buffett von der großen Finanzkrise profitierte

Der größte Investor aller Zeiten lieferte 2008/2009 ein Meisterstück. Von Firmen, die dringend Geld brauchten, kassierte er garantierte Dividenden. Er konnte billig ihre Aktien kaufen – und pumpte viel Geld in ein überraschendes Jahrhundert-Investment. Eine Detail-Analyse.Ronny Ruchay 01.04.2020 - 06:00 Uhr

Profiteur der Finanzkrise: Warren Buffett

Foto: REUTERS

Wer Gelegenheiten nutzen will, muss Geld haben. Und so starteten Warren Buffett und sein Vize Charlie Munger mit viel Cash in die Finanzkrise. Sie kauften für Berkshire Hathaway für 21 Milliarden Dollar sogenannte Preferred Stocks. Das sind nicht börsengehandelte Aktien mit einer festen Dividende, die von Dow Chemical, Swiss Re, General Eletric, Goldman Sachs und Wrigley mit einer festen Verzinsung von zehn Prozent emittiert wurden, um so ihr finanzielles Überleben in der Finanzkrise abzusichern.

Zusätzlich zu diesen Preferred Stocks erwarb Berkshire Hathaway Optionen, die zum Bezug von Aktien zu einem festen Kurs innerhalb eines bestimmten Zeitraums berechtigten. Dieser Aktien- Kicker katapultierte die Rendite deutlich über die garantierten zehn Prozent, da sich die Börsen – wie wir heute wissen – in 2009 und den folgenden Jahren deutlich erholten.

Verkäufe zur Kapitalbeschaffung

Zur gleichen Zeit verkauften Buffett und Munger aber auch Aktien von ConocoPhillips, Moody’s, Procter & Gamble und Johnson & Johnson, um die obengenannten Käufe zu finanzieren. Und sie brauchten weitere Finanzmittel für einen Jahrhundertdeal: die Übernahme der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF), die bis 2010 vollzogen wurde. Am Ende des Jahres 2009 hatte Berkshire Hathaway 31 Milliarden Dollar Cash. Davon waren bereits acht Milliarden Dollar für die Übernahme von BNSF reserviert.

Immer flüssig bleiben

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Buffett und Munger wollen zu jeder Zeit Berkshire Hathaway mit mindestens 20 Milliarden Dollar Cash ausgestattet wissen, um immer – auch unter extremen Bedingungen – zahlungsfähig zu sein. Das ist dem Versicherungsgeschäft von Berkshire geschuldet, wo es jederzeit zu großen Verlusten kommen kann, etwa aufgrund von Naturkatastrophen. Die wichtigste Akquisition in dieser turbulenten Zeit war die Akquisition von BNSF für insgesamt 31 Milliarden Dollar. Bereits vor Ausbruch der Finanzkrise war Berkshire mit 18 Prozent an der Eisenbahngesellschaft beteiligt.

Insgesamt hat Berkshire für BNSF 22 Milliarden Dollar in Cash ausgegeben und den Rest mit eigenen Aktien bezahlt. Obwohl die eigenen Aktien damals unterbewertet waren, also der wahre Wert der Übernahme teurer war als die 31 Milliarden Dollar, ist die Investition ein großartiger Investmenterfolg: Von 2010 bis 2019 hat BNSF über 37 Milliarden Dollar an Dividenden an Berkshire überwiesen, deutlich mehr als Berkshire damals dafür bezahlt hat. Allerdings sind die ausgegebenen Berkshire-Aktien heute auch deutlich mehr wert, so dass sich der Gewinn etwas relativiert. Trotz der Dividenden konnte Burlington Northern Santa Fe seine Ertragskraft weiter steigern und dürfte heute einen Wert von mehr als 75 Milliarden Dollar haben. Grob gesagt, hat sich der Wert des Investments seit der vollständigen Übernahme in 2010 mindestens verdreifacht.

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Pulver verschossen

Interessant ist auch, dass Buffett von sich selbst sagt, dass er „sein ganzes Pulver“ bereits Ende des dritten Quartals 2008 verschossen hatte - und dann nicht mehr viel nachlegen konnte, als die Börse bis Ende März 2009 weiter fiel. Daher wahrscheinlich auch die Verkäufe der genannten Aktienpositionen wie Procter & Gamble und Johnson & Johnson, die er „gerne behalten hätte“.

Diese Verhaltensweise hängt mit seinem Investmentstil zusammen, da er sich ausschließlich am inneren Wert orientiert und nicht den Aktienmarkt prognostiziert. Am Ende des Tages waren seine Investitionen hoch lukrativ. Dagegen hätte ein Aktienmarktprognostiker sehr wahrscheinlich nicht investiert, weil das Kursmomentum so negativ war.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit der Situation heute ist nicht von der Hand zu weisen. Wir dürfen gespannt sein, was uns Buffett im Mai bei der ersten virtuellen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway live aus Omaha berichten wird.

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