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Fondskosten Warum Profianleger Fondsanteile billiger bekommen

Börsenhandel Quelle: imago images

Wenn Privatanleger die Gebühren ihres Fonds denen der institutionellen Tranche des gleichen Fonds gegenüberstellen, stellen sie vielfach fest: Profianleger zahlen weniger. Wie kommt es zu der Ungleichbehandlung?

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Für nicht wenige Investoren sind die Unterschiede bei Konditionen vieler Investmentfonds eine pure Ungerechtigkeit: Für die sogenannten Institutionellen wie Banken, Vermögensverwalter, Versicherungen und Pensionskassen sind die Gebühren der jeweiligen Fondstranche oft niedriger, dafür ist die Kursentwicklung besser. Das löst Neid, Unverständnis und Ratlosigkeit bei den „Kleinanleger“ aus: die günstigeren Konditionen, die sich auch in einer besseren Performance niederschlagen, gibt es meist erst ab Anlagesummen im sechs- oder siebenstelligen Bereich.

Die Ursache für den höheren Kurs bzw. Preis der institutionellen Tranche liegt in ihrer besseren Performance begründet. Tobias Krause, Associate Director Fund Selection Unit bei Fidelity International, erklärt die Unterschiede zwischen der institutionellen Tranche – der sogenannten Y-Tranche – und der Publikumstranche – auch A-Tranche genannte - so: „Der Anteilspreis der Y-Tranche ist höher als die der A-Tranche, eben weil die Kosten der Y-Tranche niedriger sind. Beide Fonds wurden im April 2012 mit einem Anteilspreis von je 10 Euro aufgelegt. Die jährlichen Kosten der Y-Tranche sind ca. 0,80 - 0,85 Prozentpunkte niedriger und dementsprechend ist die Wertentwicklung besser. Nach mehr als sieben Jahren Laufzeit erklärt sich daher der rund sechs Prozent höhere Anteilspreis der Y-Tranche.“

Die Profitranche hängt die Kleinsparer ab

Die Frage, die sich an dieser Stelle unweigerlich stellt: Warum bekommen - wie beim Fidelity-Fonds - die institutionellen Anleger so viel Rabatt auf die laufenden Kosten? Neben Einsparmöglichkeiten, die offen kommuniziert werden, besitzen die Fondsgesellschaften Optionen, die - wenn überhaupt – nur in informellem Rahmen angesprochen werden.

Wodurch Fondsgesellschaften offiziell effizienter wirtschaften
Die offiziell bekannten Quellen der Einsparpotenziale lassen sich meist erst am Ende des Geschäftsjahres genau beziffern, denn dabei handelt es sich in der Regel um außerordentliche Überschüsse, die beim Handel mit Aktien und der Führung von Depots entstehen können. Die außerordentlichen Überschüsse benennt die Fondsgesellschaft DWS in einem von ihr zur Verfügung gestellten Dokument als Positionen wie Überschussrenditen, Währungs- bzw. Dividendendifferenzen oder Basket Replikationen. Da diese Positionen für sich allein betrachtet selten mehr als einige Promille pro Jahr ausmachen, lohnt es kaum näher darauf einzugehen. Zudem gibt es auch hier wie bei vielen anderen Aspekten der Fondskosten keine einheitliche Sprachregelung, so dass ein Vergleich ähnlicher Finanzprodukte bei den einzelnen Kostenfaktoren praktisch unmöglich ist.

Das nahezu undurchdringbare Wirrwarr bei den Fondskosten setzt sich denn auch bei den unterschiedlichen Konditionen für Institutionelle und Privatanleger fort. Jürgen Kurz, Aktionärsschützer und Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) kritisiert das: „Nach wie vor lässt die Kostentransparenz bei aktiv gemangten Fonds sehr viel zu wünschen übrig. Das ist umso ärgerlicher, da die Kosten der Hauptrenditefresser sind.“ Kurz zufolge fehlen bei der sogenannten TER – dem Total Expense Ratio genannten Gesamtkostenanteil im Verhältnis zum Anlagevolumen –, die die Fondskosten abbilden soll, nicht nur mögliche performanceabhängige Gebühren sondern auch fondsinterne Transaktionskosten oder Gebühren für Zielfonds, wie sie etwa in Dachfonds anfallen. „Auch über die „Market Impact Costs“, also Kosten die entstehen, wenn große Wertpapierpositionen gehandelt werden, findet sich nichts“, bemängelt Kurz.

Mit großen Aktienpaketen drücken Fonds ihre Kosten

Die „Market Impact Costs“ sind die Kosten, die eine Fondsgesellschaft einsparen kann, wenn sie ein großes Aktienpaket von einem Investor erwirbt. Oft werden große Positionen eines einzelnen Titels nicht an der Börse, sondern zwischen den beteiligten Handelspartnern direkt gehandelt. Der Grund dafür ist, dass bei einem Verkauf im dem für alle zugänglichen Aktienmarkt bereits das bloße (große) Angebot eines Aktienpakets den Kurs des Titels sinken lassen würde. Und dies würde selbstverständlich auch den Erlös des Verkaufs erheblich schmälern. So werden marktbeeinflussende Aktienpakete oft – mit einem Rabatt, von dem der Käufer profitiert – abseits der Börse gehandelt.

Wie es bereits DSW-Sprecher Kurz andeutet, können Fondsgesellschaften in nicht unerheblichem Maße davon profitieren, wenn sie einzelne, größere Aktienpositionen nicht an der Börse, sondern im freien Handel erwerben. Denn dabei ist es nicht unüblich, dass etwa ein Lebensversicherer oder betriebliche Rentenkasse ein Aktienpaket auf dem direkten Weg an den Mann bringen will. Da bei einem Verkauf an der Börse allein das Angebot einer solchen Menge eines bestimmten Titels den Kurs nach unten drücken würde, wird einem etwaigen alleinigen Abnehmer ein Rabatt von vielleicht drei, vier oder fünf Prozent eingeräumt.

Finanzielle Vorteile derartiger Transaktionen werden für den Anleger gar nicht erst dokumentiert. Das ist umso ärgerlicher für private Fondsanleger, weil für sie ebenfalls gilt, was ein Fondsmanager bei einem Kaffee als alte Händlerweisheit fallen lässt: „Der Gewinn liegt im Einkauf“. Da selbst der deutsche Fiskus keine Kenntnis von den auf diese Weise generierten Gewinnspannen erhält (die meisten Fonds in Europa werden in Luxemburg oder Irland versteuert), ist diese Praxis Außenstehenden – ja, selbst den meisten Mitarbeitern der Fondsgesellschaften – unbekannt.

Immerhin erklärt dies den derzeit laufenden Kostensenkungs-Wettbewerb unter den ETF-Anbietern. Denn auch die Fondsgesellschaften, die ETFs emittieren, kommen in den Genuss der Rabatte bei großen Aktienpaketen. Was zu guter Letzt die Frage aufwirft, wann denn wohl der erste Indexfonds mit einer negativen Kostenquote auf den Markt geworfen wird.

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