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Rentenmarkt mit Niedrigzins Diese fünf Punkte machen Anleihen problematisch

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Aktienanleihen und andere Zertifikate sind keine echte Alternative

Problem Nr. 5: Zertifikate können Anleihen zum Teil ergänzen, sind aber kein Zinsinvestment, sondern erhöhen die Abhängigkeit von Börsenschwankungen.

Im Gegensatz zu vielen klassischen Anleihen internationaler Unternehmen gibt es für Anlagezertifikate von Banken fast immer ein Informationsblatt – schließlich wollen die Emittenten ihre Zertifikate ja auch verkaufen. Aktienanleihen und andere Anlagezertifikate haben derzeit Rückenwind, nicht nur weil auf den Zinsmärkten kaum noch etwas zu holen ist, sondern auch, weil die Emittenten die formalen Voraussetzungen gekonnt erfüllen.

Aktienanleihen sind wie klassische Anleihen Inhaberschuldverschreibungen der herausgebenden Bank, hängen also von der Kreditfähigkeit des Emittenten ab. Gemeinsam ist beiden die Zahlung eines Kupons und am Ende der Laufzeit die voraussichtliche Tilgung des Nennwerts. Allerdings, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktienanleihe zu 100 Prozent zurückgezahlt wird, ist wesentlich unsicherer als bei einer klassischen Anleihe.

Eine Aktienanleihe wird nur dann komplett zurückgezahlt, wenn die zugrundeliegende Aktie am Ende der Laufzeit ein bestimmtes Kursniveau erreicht. Ein Engagement in Aktienanleihen hängt also nicht vom allgemeinen Zinsniveau ab, sondern von der Börse. Laufen die Kurse hier nicht so wie erwartet, müssen Anleger zur Fälligkeit automatisch für Verluste geradestehen.

Immerhin gibt es dabei zwei Vorteile: Erstens ist der Kupon einer Aktienanleihe in der Regel deutlich höher als der Kupon einer vergleichbaren Unternehmensanleihe; und zweitens erhalten die Anleger im schlimmsten Fall bei der Tilgung eine bestimmte Anzahl von Basisaktien zum dann niedrigeren Kurs. Wer in begrenztem Umfang Aktienanleihen als Ergänzung von Anleihen einsetzt, sollte sich also nur Anleihen auf Unternehmen aussuchen, dessen Aktien er notfalls gern im Depot hätte.

Fazit für Privatanleger: Angesichts extrem niedriger oder negativer Zinsen sind Anleihen als Neuengagement nur noch in Ausnahmefällen interessant. Dabei ist es wenig sinnvoll, den einen oder anderen Renditepunkt durch noch viel höhere Risiken zu erkaufen. Festgelder können eine Alternative sein. Hier gibt es für mittlere Laufzeit bei überschaubaren Risiken effektive Renditen von gut einem Prozent. Zentrales Sicherheitskriterium dabei ist der Schutz durch die europäische Einlagensicherung, die in der Regel bis 100.000 Euro greift.

Anleihen in Fremdwährungen sind in begrenztem Umfang eine Alternative, doch auch hier gilt: Gerade in den Hochzinswährungen sind die Abwertungsrisiken oft so groß, dass selbst üppige Kupons binnen weniger Wochen aufgezehrt werden. Anlagezertifikate können eine Ergänzung darstellen. Doch wer sich schon auf die Risiken der Börse einlässt, kann auch gleich zu echten Aktien greifen.

Die echten Alternativen zu Anleihen sind nicht extreme oder ausgefallene Kuponpapiere, sondern Aktien starker Unternehmen, die ein stabiles Geschäftsmodell haben und die seit Jahren hohe und sichere Dividenden zahlen. Hierzulande kommen dabei Aktien wie die Münchener Rückversicherung oder die Deutsche Telekom infrage; international interessant sind Werte wie Royal Dutch, Total oder Novartis.

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