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Rentenmarkt mit Niedrigzins Diese fünf Punkte machen Anleihen problematisch

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Wacklige Schwellenländer-Investments

Auch andere Schwellenländerwährungen entpuppten sich für deutsche Anleihekäufer als wackliges Investment: Die Rupie fiel trotz Hoffnung auf das indische Wirtschaftswunder im vergangenen Jahr noch einmal schwer zurück, bevor sie sich seitdem etwas stabilisiert. Der brasilianische Real leidet unter der enttäuschenden Regierung von Präsident Bolsonaro. In Südafrika schwindet die Hoffnung, dass die innerpolitischen Konflikte verträglich gelöst werden und die Wirtschaft wieder Tritt fasst. Und selbst die norwegische Krone, einst Hoffnungswährung energieorientierter Investoren, rangiert gegenüber dem Euro derzeit am langjährigen Tief. Etwas besser dürften die Aussichten des russischen Rubels sein, der von den massiven Goldkäufen der russischen Notenbank gestützt wird.

Einen verträglichen Kompromiss bieten derzeit die Dollar-Währungen. Der US-Dollar profitiert von seinem Zinsvorsprung und der nach wie vor dominanten Rolle der USA. Kanada- und Australien-Dollar sollten von stabilen Rohstoffpreisen gestützt werden, der Singapur-Dollar hat die relativ stabile Entwicklung des Stadtstaats im Rücken.

Lange Zeit interessant war für Euro-Investoren das Britische Pfund Sterling. Die Unberechenbarkeit um den Brexit hat daraus aber nur noch eine Wette gemacht. Und wer aus Sicherheitsgründen auf stabile Währungen wie den Schweizer Franken oder den japanischen Yen setzt, muss bei den Renditen noch größere Abstriche machen als im Euro.

Problem Nr. 4: Neue Regulierungen sollen Anleger schützen, schränken letztlich aber den Anleihekauf empfindlich ein.

Auf den ersten Blick klingt es gut, wenn die wichtigsten Daten, Kennzahlen und Szenarien für eine Anleihe kompakt auf ein oder zwei Seiten zusammengefasst werden. Solche Basisinformationsblätter sind mittlerweile auch für Anleihen Pflicht. Immerhin, gerade Anleihen sind wegen der vielfachen Ausgestaltungsmöglichkeiten durch den Emittenten für Privatanleger schwieriger zu handhaben, als oft angenommen. Das beginnt bei gesplitteten Zinsterminen, geht über vorzeitige Kündigungsfristen bis hin zur Status-Einstufung der Anleihe im Fall einer Unternehmenspleite. Die Infos dazu standen zwar schon bisher ausführlich und rechtsverbindlich im Emissionsprospekt; nur lesen den angesichts von oft mehreren hundert Seiten – weite Teile davon in Englisch - in der Regel die wenigsten Anleger.

In der Anlagepraxis erweisen sich die neuen Schutzvorschriften aber als Bärendienst. Da Privatanleger meist nur noch Anleihen, die mit einem Infoblatt ausgestattet sind, handeln können, besteht für viele, interessante Anleihen ein Kaufverbot. Vor allem internationale Unternehmen, die weltweit Festverzinsliche auf den Markt bringen, scheuen den Aufwand für das Infoblatt. Routinierte Anleger, die seit vielen Jahren mit Anleihen handeln, werden damit bevormundet; Einsteigern wird der Zugang zu rentablen Anleihen verbaut.

Immerhin, es gibt einen Ausweg. Emittenten, die von einem EU-Bundesstaat garantiert werden, müssen kein Informationsblatt für ihre Fremdwährungsanleihen vorlegen. Einer der rührigsten Emittenten ist hier die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die über eine direkte Garantie der Bundesrepublik verfügt und zugleich ein reichhaltiges Angebot an handlichen Anleihen in Petto hat.

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