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Rezession erreicht die Börse Anleger sollten sich warm anziehen

Der Abschwung erreicht den Dax – Anleger müssen jetzt besonders wachsam sein Quelle: imago images

Die Rezession scheint nun auch an der Börse angekommen zu sein. Bei den deutschen Top-Aktien drohen weitere Kurskorrekturen. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer.

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Nach den heftigen Turbulenzen vor dem Tag der Deutschen Einheit bleibt es an der Börse weiter angespannt. In Kürze melden deutsche Unternehmen ihre Auftragseingänge für den August, auch neue Zahlen für die Industrieproduktion stehen an. „Angesichts der zurückhaltenden Investitionen dürften die Auftragseingänge bei den Dax-Industrieunternehmen rückläufig bleiben“, sagt Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Er erwarte einen sehr volatilen Oktober. Anleger sollten sich daher warm anziehen. Greil sieht die Gefahr weiterer Kurskorrekturen im Dax, einen Crash erwarte er dagegen nicht.

Skeptischer ist Philippe Waechter, Chefvolkswirt des französischen Investmenthauses Ostrum. Nach seiner Einschätzung dürften die neuesten Zahlen deutscher Unternehmen „die Gefahr einer Rezession in Europa widerspiegeln“. Schon die Umfragen bei Konzernen in Deutschland im Sommer und September hätten dies angedeutet. Für Deutschland wurden zuletzt reihenweise die Prognosen für das Wachstum zurückgenommen. „In der Eurozone ist die konjunkturelle Ausgangslage eindeutig – die Wirtschaft befindet sich in einem mehr als schwierigem Fahrwasser“, so Sebastian Sachs, Renten- und Devisenstratege beim Bankhaus Metzler in Frankfurt.

Für die US-Konjunktur machte das zuletzt schwache Verbrauchervertrauen Sorgen, doch die Wirtschaft scheint noch im Tritt. Die schwachen Wachstumszahlen in Europa sprechen für weiter niedrigen Renditen von Anleihen, ebenso wie die rückläufige Inflation in der Eurozone, die nach jüngsten Zahlen auf 0,9 Prozent im September nach 1,0 Prozent im August zurückgefallen ist. Bei Bundesanleihen „bleibt damit ebenfalls alles beim Alten. Die Renditen im zehnjährigen Bereich sind tief verankert zwischen minus 0,5 und minus 0,6 Prozent“, so Sachs.

Auch bei der Verzinsung von US-Staatsanleihen erwartet Metzler keine Trendwende nach oben. Die jüngsten Verwerfungen in der kurzfristigen Leihe unter US-Banken könnten dafür sorgen, dass die US-Notenbank wie bereits die Europäische Zentralbank eine Wiederaufnahme der Vermögenskäufe zumindest in engere Erwägung ziehe – „dies wäre auch ein wichtiger Faktor für tief verankerte Renditen“, sagt Sachs. Und könnte dem Aktienmarkt ein Stück weit helfen. Das alte Muster – Aktien kaufen, weil die Alternativen so unattraktiv sind – dürfte auch im vierten Quartal halten.

Am Devisenmarkt verabschiede sich der Euro zum Dollar noch weiter nach unten, so das Analyseteam von Metzler. Dieses Jahr hat die Einheitswährung gegenüber dem Dollar bereits rund sechs Prozent verloren. Allerdings sei hinter der Nachhaltigkeit dieser Bewegung aktuell noch ein großes Fragezeichen zu setzen. Zumal auch Donald Trump nicht unbedingt als Freund eines starken Dollar bekannt ist. Kurzfristig könnte der schwache Euro helfen, die angeschlagen Exportkonjunktur zu stabilisieren.

Entspannter als beim Dax insgesamt sieht es derzeit bei den Chipherstellern wie Aixtron aus, weil die Produktion des neuen Apple iPhone 11 die Nachfrage nicht decken kann. Apple hat seine Zulieferer daher aufgefordert, ihre Produktion um zehn Prozent zu steigern. Normalerweise sind Exportwerte wie der Flugzeughersteller Airbus bei Handelskonflikten wie derzeit zwischen den USA und China besonders stark betroffen. Doch der MDax-Wert erholte sich zuletzt wieder, weil die Importzölle der USA auf Flugzeuge geringer ausfielen als befürchtet. Es kommt also vor allem darauf an, ob die kursbewegenden Ängste gerechtfertigt sind oder nicht.

„Zykliker wie Chemie und Autozulieferer können im Oktober positiv überraschen“, sagt Maik Bolsmann, geschäftsführender Gesellschafter des Kölner Vermögensverwalters B&K Vermögen. Voraussetzung dafür sei, dass US-Präsident Donald Trump kurzfristig einen Deal im Handelskonflikt mit China aushandele. Er müsse jetzt handeln, anderenfalls gebe es vor den US-Wahlen keinen positiven ökonomischen Effekt mehr. Wenn es dazu komme, sei der Aufholeffekt, beispielsweise bei BASF und Continental, enorm. Ein Wechsel von defensiven zu zyklischen Werte wäre lukrativ. Die Chancen für dieses Szenario stünden derzeit bei 50 Prozent. Es gibt also durchaus noch Hoffnungsschimmer – und Potenzial für spekulative Wetten auf arg angeschlagenen Dax-Werte.

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