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Riedls Dax-Radar Die Chance auf neue Kaufsignale im Dax steigt

SAP ist der Dax-Überflieger. Quelle: Illustration

SAP-Aktien starten nach Chefwechsel mit Kursfeuerwerk in eine neue Phase ihres Aufwärtstrends, eine Übernahme beflügelt Merck, BMW stabilisiert sich auf niedrigem Niveau.

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Die Hoffnung auf ein verträgliches Ergebnis im Handelskonflikt zwischen den USA und China lässt die Aktien zum Wochenende wieder steigen. Offensichtlich spüren beide Seiten, dass eine weitere Verhärtung niemandem guttun würde. Für US-Präsident Trump ist es im Vorfeld der nächsten Wahlen genauso wichtig, ein strahlendes Bild abzugeben wie für die chinesische Regierung, die gerade das 70-jährige Bestehen ihrer Volksrepublik gefeiert hat.

Allerdings, selbst wenn es bei den laufenden Verhandlungen zu einem konstruktiven Ergebnis kommt und drohende Zölle aufgeschoben oder reduziert werden, ändert sich am grundlegenden Machtkampf zwischen den USA und China nichts. Nach der Auflösung des alten Ostblocks und den divergierenden Entwicklungen in Europa wird der Dualismus USA gegen China das geopolitische Grundmuster der Weltpolitik auf Jahrzehnte bestimmen. Ein solcher Konflikt lässt sich nicht lösen, sondern nur managen.

Die Börsen haben durchaus gelernt, damit zu leben. Zwar kommt es bei überraschenden Nachrichten im Handelsstreit immer wieder zu erratischen Kursbewegungen. Von solchen Ausschlägen wird die Grundrichtung des Marktes aber nicht bestimmt. Und die zeigt nach wie vor nach oben.

Dax und Dow Jones haben in den vergangenen Tagen oberhalb langfristiger Durchschnittslinien gedreht und damit den Schwächeanfall von Anfang Oktober ausgebügelt. Angesichts der politischen und konjunkturellen Unsicherheit zeigt ein solches Muster, wie robust die Märkte sind.

Milliardenschwere Cloud-Investitionen zahlen sich bei SAP aus

Eine wichtige Stütze sind substanziell gute Unternehmensergebnisse. SAP macht den Anfang mit einem fulminanten Kursanstieg. Das ist auf den ersten Blick überraschend, da der langjährige und erfolgreiche Konzernstratege Bill McDermott von Bord geht. Unter ihm hat sich SAP mit milliardenschweren Zukäufen konsequent in Richtung Cloud entwickelt.

Der starke Anstieg an der Börse honoriert nicht nur diese frühzeitige und strategisch richtige Entwicklung, sondern auch die mittlerweile erreichten Margen in diesem zukunftsträchtigen Geschäft. Zudem steht die designierte Konzernführung dafür, die Cloud-Strategie weiter voranzutreiben.

Für SAP-Aktien ist es ein gutes Zeichen, dass sie mit dem überraschenden Abgang eines erfolgreichen Chefs nicht einknickt. Vielmehr gibt die Aktie mit dem Anstieg über 107 Euro (hier verläuft der Abwärtstrend der vergangenen drei Monate) sogar ein klassisches Kaufsignal. Die seit Juli laufenden Konsolidierung dürfte damit abgehakt sein. Spätestens bis Ende des Jahres sollte die Aktie ihre bisherigen Hochpunkte um 125 Euro wieder erreichen.
Für den Dax ist es ein gutes Zeichen, wenn seine wichtigste Aktie in einer soliden Verfassung ist. Zudem zeigen die Zahlen von SAP, dass es für Top-Unternehmen durchaus möglich ist, erfolgreich durch die aktuelle konjunkturelle Schaukelpartie zu kommen.

Die spannendsten Aktien der Woche

Trotz Rezessionsangst: US-Staatsanleihen stabilisieren sich

Auch unter Anlegern wächst die Hoffnung, der Rezession zu entkommen. Das zeigt sich an den Zinsmärkten. In den USA sind die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen zweimal bis auf 1,50 Prozent gesunken, haben sich danach aber wieder erholt. Eine Zinswende nach oben ist das noch nicht. Dennoch könnten die US-Renditen in den nächsten Wochen erst einmal zwischen dem bisherigen Tief um 1,50 Prozent und dem September-Hoch bei 1,90 Prozent pendeln.

Noch deutlicher stabilisieren sich die Renditen in Europa. Hier wurden in den vergangenen Tagen die Tiefpunkte vom August (minus 0,70 Prozent) nicht mehr erreicht. Im Gegenteil, derzeit sieht es sogar danach aus, als ob die zehnjährigen Bundrenditen erst einmal nicht mehr unter minus 0,50 Prozent sinken. Auf den Währungsmärkten wirkt sich dieser leichte relative Zinsvorteil der Europäer schon aus. Hier hat der Euro gegenüber dem Dollar die Marke von 1,10 zurückerobert.

Neue Hoffnungen bei BMW, Deutsche Post und Lufthansa

Weitere Dax-Werte stabilisieren sich. BMW-Aktien könnten zwischen 60 und 65 Euro einen mittelfristigen Boden bilden, obwohl die Stimmungslage gegenüber Autowerten schlecht ist. Die jüngsten Verkaufszahlen sind ansehnlich. Sie deuten darauf hin, dass BMW die aktuelle Durststrecke früher oder später überstehen dürfte.

Einen Rückschlag musste die Deutsche Post hinnehmen, deren einstiger Hoffnungsträger Streetscooter die in ihn gesteckten wirtschaftlichen Erwartungen bisher nicht erfüllt. Jetzt wird der Scooter-Ableger technisch aufgerüstet, um ihn mittelfristig womöglich besser versilbern zu können. Post-Aktien sollten erst einmal das Niveau um 28 Euro halten. Ein Anstieg über 31 Euro wäre ein Kaufsignal.

Lufthansa-Aktien sind wegen enttäuschender Geschäftszahlen und aus Angst vor den Folgen des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikts unter Druck gekommen. Zwischen 13 und 15 Euro deutet sich jetzt eine Bodenbildung an. Zum einen ist das Unternehmen angesichts seiner operativen und strategischen Bedeutung mit einem gesamten Börsenwert von nur noch sieben Milliarden Euro günstig bewertet. Zum anderen haben sich Befürchtungen, die Treibstoffkosten könnten mit dem Ölpreis durch die Decke gehen, bisher nicht bestätigt. Im Gegenteil: Wegen hoher Lagerbestände und wenig dynamischer Nachfrage zeichnet sich an den Rohölmärkten eine Entspannung ab.

Merck mit Trendtechnik

Eine der stabilsten Aktien im Dax ist Familienkonzern Merck. Mit dem Zukauf von Versum bauen die Darmstädter ihr Geschäft mit Halbleiter-Chemikalien aus. Hier könnte ein ganz neuer Trend bevorstehen, da sich die technische Weiterentwicklung von Chips immer mehr aus dem physikalischen in den chemischen Bereich verlagert. Dank der Übernahme gehört Merck hier nun zu den Top-Adressen weltweit. Bis Jahresende sollte die Aktie mindestens die bisherigen Hochpunkte um 115 Euro erreichen.

Fazit für den Dax: SAP als führender Technologie- und Wachstumswert überzeugt mit einem vielversprechenden Geschäft, konjunkturempfindliche Aktien (vor allem die Fahrzeugwerte) stabilisieren sich auf niedrigem Niveau. Die beiden großen Versicherer Allianz und Münchener Rück punkten mit solidem operativem Geschäft, günstigen Bewertungen und hohen Dividenden. Selbst Siemens-Aktien haben sich von den August-Tiefen wieder erholt. Insgesamt sollte sich der Dax kurzfristig bis etwa 12.450 Punkte hocharbeiten, hier verläuft der seit Juli bestehende Abwärtstrend. Kommen dann keine düsteren Nachrichten von konjunktureller Seite oder Querschüsse von Trump, ist ein weiterer Anstieg möglich. Notierungen über 12.500 Punkte wären dann ein starkes Kaufsignal.

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