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Zschabers Börsenblick
Boom im Baltikum: Die Neustadt der estischen Hauptstadt Tallinn Quelle: imago images

Osteuropa: Der Boom vor unserer Haustür

Zahlreiche Länder Osteuropas hängen den Westen wirtschaftlich ab. Multinationale Konzerne verlagern zunehmend Hightech-Standorte in den Osten. Wie Privatanleger investieren können.

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Polen, Tschechien, Litauen, Estland oder Lettland – wer unsere östlichen Nachbarn persönlich kennenlernt, gerät schnell ins Staunen: Moderne Metropolen, eine agile Wirtschaft und aufgeschlossene Menschen machen jede Reise in den Osten zu einem Aha-Erlebnis. Auch Investoren können aufhorchen. Titel aus Osteuropa haben eine Menge zu bieten. Das zeigt nicht zuletzt der Vergleich des Osteuropa-Index MSCI Eastern Europe mit beispielsweise dem EuroStoxx 50.

Auch der Internationale Währungsfonds ist vom Wachstum im Osten überzeugt. Die Mehrheit der Staaten Osteuropas wird demnach 2019 und 2020 stärker wachsen als Deutschland und unsere westlichen Nachbarn. Grund genug, sich mit Anlagen im Osten einmal näher auseinanderzusetzen.

Reformeifer eröffnet Chancen

Dass Osteuropa längst mehr ist, als ein Produktionsland für Weiße Ware oder andere eher einfache Produkte, zeigen die jüngsten Meldungen. Der japanische Roboterspezialist Yaskawa eröffnete ein Werk in Slowenien. Hier sollen künftig 80 Prozent der Maschinen für den europäischen Markt gebaut werden. Die Slowakei überzeugt ebenfalls mit guten Zahlen und bietet aktuell nach Malta das stärkste Wachstum aller Euroländer. Die Slowakei war über viele Jahre bekannt für eine liberale Wirtschaftspolitik und niedrige Steuern. Selbst die seit 2006 regierende Mitte-Links-Regierung kann als wirtschaftsfreundlich gelten, wenngleich zuletzt die Klassenkampf-Rhetorik zugenommen hat. Trotzdem ist sich auch die Slowakei bewusst, dass künftige Investitionen erkämpft werden müssen. Aktuell investiert das Land in eine moderne Verkehrsinfrastruktur mit dem Ziel, künftig mehr Industrie anzusiedeln.

Reformen in Infrastruktur und das gezielte Beschreiten neuer Wege ist auch das Credo der baltischen Staaten. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks zu Maßnahmen gezwungen, haben Estland, Lettland und Litauen den Wandel ins Zentrum gerückt – im Falle Estlands mehr, in Litauen eher weniger. Mit diesem neuen Selbstbewusstsein gelang es den baltischen Staaten, Investoren zu überzeugen. Heute werden die Länder kaum mehr als verschlafene Ostblock-Staaten wahrgenommen. Wer schon einmal durch die estnische Hauptstadt Talinn geschlendert ist, wird diesen Vergleich gar für absurd halten.

Anfällig für Schwankungen

Doch wie sollen Privatanleger mit den Wachstumschancen vor unserer Haustür umgehen? Sicher, auch in Osteuropa gibt es spannende Unternehmen, wie den ungarischen Finanzkonzern OTP Bank, den ungarischen Energieriesen Mol Magyar Olaj Gazipari oder die polnische Computerspieleschmiede CD Projekt. Dennoch sollten Privatanleger von Einzeltiteln besser Abstand nehmen. Anders als Investoren vor Ort, ist es für hiesige Anleger noch immer schwer, sich über derartige Nischenwerte zu informieren. Auch halte ich es für falsch, sich einzelne Volkswirtschaften herauszusuchen und gezielt dort zu investieren, beispielsweise mittels eines ETFs auf den slowakischen SAX-Index oder ein Produkt, das die Wertentwicklung polnischer Titel abbildet. Warum? Trotz der ökonomischen Erfolgsgeschichten sind unsere östlichen Nachbarn noch immer anfällig für Schwankungen. Brechen Investitionen weg, kann es schnell ungemütlich werden. Selbst Börsen-Stars wie die Slowakei haben Baustellen, beispielsweise bemängeln Beobachter immer wieder die geringe Zusammenarbeit von Wirtschaft und Forschung.

Chancen und Risiken auf viele Schultern verteilen

Da liegt es näher, auf Osteuropa als Ganzes zu setzen und breit gestreut zu investieren. Der MSCI EM Eastern Europe ex Russia bildet die Entwicklung unserer Nachbarn recht exakt ab und ist über ETFs investierbar. Wer russische Titel nicht ausschließt, verzichtet auf den Namenszusatz „ex Russia“ und holt sich damit eine große Portion Öl- und Gasunternehmen ins Portfolio. 2019 war dies keine schlechte Idee und machte sich bislang bezahlt. Ein reines Osteuropa-Investment ist der ETF inklusive russischer Titel angesichts der hohen Marktkapitalisierung russischer Gasmultis dann allerdings nicht mehr.

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