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Anlegerschutz Einfach Recht haben - wie Anleger Verluste eintreiben können

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Auch in der Pleite weitermachen

Atlantik bekam Pfleiderer aber dennoch in die Hände. Der Investor nutzte das zum 1. März geänderte Insolvenzrecht. Es erlaubt Unternehmen, auch in der Pleite weiter zu machen, zum Beispiel durch Tausch von Schulden in Aktien. Juristen sprechen von einer Insolvenz in Eigenverwaltung.

Kaum war das neue Insolvenzrecht in Kraft, stellte Pfleiderer einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Teil des Insolvenzplans war, das Kapital von Pfleiderer zunächst auf Null zu setzen. Anschließend wurde eine Kapitalerhöhung beschlossen, an der die Altaktionäre nicht teilnehmen konnten. Atlantik aber bekam durch Umwandlung seiner Anleihen in Aktien das Unternehmen in die Hand.

Aktionäre können zwar gegen einen Ausschluss vom Insolvenzverfahren klagen, die Erfolgsaussichten sind allerdings mau. „Sie müssen nachweisen, dass sie ohne den Insolvenzplan besser dastünden“, sagt Daniel Vos, Anwalt für Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Göddecke. Da Kleinanleger aber vom Informationsfluss im Unternehmen abgeschnitten seien, könnten sie keine Vergleichsrechnungen aufstellen, die vor Gericht standhielten.

Geldanlage



Das neue Insolvenzrecht stellt für Aktionäre also eine Gefahr dar. Und durch das gerade vom Bundestag in erster Lesung verabschiedete überarbeitete Aktienrecht, das Mitte 2013 in Kraft treten soll, droht neues Ungemach:

  • Unternehmen sollen Vorzugsaktien ausgeben können, bei denen, wenn die Dividende mal ausfällt, in besseren Zeiten kein Nachzahlungsanspruch besteht.
  • Künftig sind Wandelanleihen möglich, bei denen auch der Schuldner, nicht nur der Gläubiger, die Wahl hat, ob sie in bar oder in Aktien zurückgezahlt wird.
  • Das Recht der Aktionäre auf Nichtigkeitsklagen gegen Hauptversammlungsbeschlüsse, beispielsweise bei Übernahmen, soll eingeschränkt werden.

Die Unternehmens-Lobby hat sich hier einmal mehr durchgesetzt. Anleger müssen vor dem Kauf von Wertpapieren häufiger in den Emissionsprospekt schauen. Und für renitente Aktionäre wie Karl-Walter Freitag brechen härtere Zeiten an. Noch schlimmer sieht es allerdings bei den Griechen-Bonds aus.

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