Anlegerschutz Wo Ölinvestoren Verluste tatenlos ertragen müssen

An Öl- und Gasförderprojekten können sich Anleger meist über geschlossene Fonds oder weniger regulierte Vehikel beteiligen. Was jeder wissen sollte, der sich an Öl- und Gasprojekten beteiligen will.

Ein Ölpumpe im Sonnenlicht Quelle: dpa

Bis Juli 2013 haben Emissionshäuser Geld für Öl- und Gasprojekte meist über geschlossene Fonds in Form einer Kommanditgesellschaft eingesammelt. Anleger haben als Kommanditisten über Gesellschafterversammlungen Mitspracherechte. In der Praxis üben die Anleger diese Rechte meist nicht selbst aus, sondern übertragen diese auf einen Treuhänder, der die Fonds eigentlich im Interesse der Anleger kontrollieren soll. Oft jedoch stehen sich der Treuhänder und das Emissionshaus personell oder geschäftlich nahe. Es kommt daher häufig vor, dass die Treuhänder zugunsten des Emittenten entscheiden.

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Flucht vor Regulierung

Mit Einführung des Kapitalanlagengesetzbuches im Juli 2013 wurden geschlossene Fonds deutlich stärker reguliert. So müssen die Emissionshäuser eine Bank oder einen Treuhänder als unabhängige Verwahrstelle für Gelder der geschlossenen Fonds engagieren. Die Verwahrstelle prüft alle Geschäftsvorgänge. Zudem benötigen die Emittenten eine Zulassung der Finanzaufsicht BaFin. Folge: Es wurden deutlich weniger geschlossene Fonds aufgelegt. Anbieter von Öl- und Gasbeteiligungen wichen auf weniger regulierte Anlagevehikel aus, etwa auf stille Beteiligungen oder Namensschuldverschreibungen, spezielle nicht handelbare Kreditpapiere. Die haben diverse Nachteile:

  • Bei Namensschuldverschreibungen haben Anleger überhaupt nichts mehr zu melden, sie bekommen nur Zinsen. Im Prospekt der „US Öl und Gas NSV 6“ des Emittenten ECI steht, dass der Anleger „nicht Gesellschafter der Emittentin wird“. Deshalb nehme er auch nicht an Gesellschafterversammlungen teil und habe kein Stimmrecht.
  • Inhaber stiller Beteiligungen haben nur Anspruch auf einen Anteil am Gewinn und nach Laufzeitende auf ihren Einsatz nach Kosten. Bei Insolvenz gibt es den erst nach Abzug des auf den Kapitalgeber entfallenden Anteils am Verlust. Im schlimmsten Fall bekommt er nichts. Bei Texxol sind Anleger mit 75 Prozent am Gewinn und Verlust beteiligt.
  • Auch Inhaber von Namensschuldverschreibungen können ihren Einsatz verlieren. Besonders riskant sind nachrangige Schuldverschreibungen wie sie ECI für „US Öl und Gas NSV 6“ aufgelegt hat: Anleger müssen sich in der Schlange der Gläubiger ganz hinten einreihen.
  • Stille Beteiligungen und Schuldverschreibungen werden nicht öffentlich gehandelt. Vorzeitig verkaufen geht nicht.
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Anbieter sagen oft, dass die Anlegergelder mit Sachwerten gesichert seien, etwa mit Immobilien. Das hilft aber nur, wenn Anleger direkten Zugriff auf Immobilien, Flugzeuge oder Förderrechte haben.

Bei ECI sind die Anleger über die Namensschuldverschreibung lediglich an der Deutschen Oel & Gas beteiligt und nicht direkt an den Förderrechten für Öl. Dass Anleger im Ernstfall auf die Ölquellen zugreifen und Öl verkaufen können, ist unrealistisch.

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