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Anleihe-ETFs und RentenfondsNeun Prozent Rendite: Top oder Täuschung?

Rentenfonds und ETFs mit Anleihen, die Rekord-Renditen abwerfen, sind interessant. Doch Anleger, die auf steigende Ausschüttungen und Kursgewinne spekulieren, müssen einige Fallstricke beachten.Heike Schwerdtfeger 27.06.2023 - 15:50 Uhr

BU: Stada ist ein Pharmakonzern in Bad Vilbel, der Generika wie Paracetamol herstellt, aber auch Grippostad C, Ladival und Mobilat. Finanziert wird das Geschäft durch eine Anleihe der Nidda Healthcare Holding. Sie ist Bestandteil des Rentenfons Fidelity High Yield Bond.

Foto: Bloomberg

Anleihen könnten in nächster Zeit Aktien in den Schatten stellen. Sie bringen derzeit teilweise zweistellige Renditen. Innerhalb eines Fonds sind diese zudem relativ sicher. Mit einem Totalverlust im Fonds oder ETF müssen Anleger nicht rechnen. Viele europäische Großanleger haben in diesem Jahr deshalb schon bei Rentenfonds und Anleihe-ETFs zugegriffen. 92,4 Milliarden Euro flossen ihnen seit Jahresbeginn europaweit netto zu.

Das war eine erstaunliche Wende. Denn im vergangenen Jahr ließen Inflation und höhere Zinssätze die Preise vieler Anleihen abstürzen, und mit ihnen stürzten die Kurse der Rentenfonds und Anleihen-ETFs ab. Teilweise waren die Verluste höher als am Aktienmarkt. Und diese Verluste haben die Fonds und ETFs noch nicht wieder wettgemacht. Aber genau das ist jetzt die Chance für Neuanleger. Je näher Anleihen ihrem Laufzeitende kommen, desto höher steigt ihr Kurs in Richtung des Nennwerts, der meist 100 beträgt. Und sollten mittelfristig die Zinsen sogar wieder sinken, gäbe das Anleihen und damit auch den Rentenfonds und ETFs weiteren Auftrieb. Für Privatanleger sind sie umso interessanter, weil viele Anleihen erst ab einer Stückelung von 100.000 Euro handelbar sind.

Fallstricke bei Anleiherenditen

Noch weisen die Fonds und ETFs hohe durchschnittliche Renditen der im Depot gehaltenen Anleihen aus (siehe Tabelle). Allerdings können sich Anleger nicht allein auf diese Angabe verlassen, es gibt einige Fallstricke.

Erstens: Zinspapiere werden meist zu einem festen Termin zurückgezahlt, die Rendite der Anleihe ist von Anfang an transparent. Rentenfonds und ETFs haben dieses feste Laufzeitende üblicherweise aber nicht (Ausnahme sind Laufzeitfonds, siehe Tabelle). Die Rendite eines Fonds oder ETF ist deshalb nicht so exakt zu bestimmen wie bei einer Anleihe.

Zweitens: Anleiheindizes und damit auch viele ETFs sind häufig nach Marktgröße zusammengestellt. Die am höchsten verschuldeten Emittenten haben dann häufig das größte Gewicht. Das ist riskant. Ein Anleihen-ETF baut einen solchen Index nach. Anleihen, die fällig werden, fallen raus aus dem Index, neu auf den Markt strebende Anleihen kommen hinein. Auch der ständige Wechsel verändert die Renditestruktur im Depot.

Drittens: Bei manchen Anleihen, die vom Emittenten gekündigt werden können, ist die Laufzeitangabe und damit auch die Renditeberechnung tückisch. „Häufig wird der erste Kündigungstermin als Laufzeitende angesetzt und die Rendite auf diese kurze Laufzeit dargestellt", sagt Lars Rosenfeld, Anlagechef bei der FIS Privatbank in Luxemburg. Bei gestiegenen Zinsen hat der Emittent keinen Grund, eine günstigere Anleihe zu kündigen und vorzeitig zurückzuzahlen. Die heutige Renditeangabe der Anleihe und damit auch eines Fonds oder ETF wäre damit nicht ganz exakt. Ein Beispiel ist eine Anleihe der Deutschen Börse, die bis 2048 läuft und bis zum Laufzeitende eine Rendite von zwei Prozent bringt.

Würde sie schon 2028 zum ersten Kündigungstermin zurückgezahlt, läge die Rendite bei 4,7 Prozent. Die Entscheidung des Emittenten, die Anleihe zu kündigen oder nicht, hängt stark vom Zinsumfeld zum Kündigungsdatum ab. Wenn die Zinsen zum Kündigungsdatum niedriger sind als der aktuelle Zinssatz der Anleihe, wird der Emittent wahrscheinlich die Anleihe kündigen, um seine Zinskosten zu senken. Der Gläubiger muss dann mitunter die Gelder zu niedrigeren Zinsen wieder anlegen. Wenn die Zinsen zum Kündigungsdatum relativ hoch sind, wird der Emittent wahrscheinlich die Anleihe nicht kündigen, um zu vermeiden, dass er zu hohe Zinskosten für eine Neuemission trägt. Das könnte die Anleihegläubiger verärgern, da sie ihr Geld zu einem höheren Zinssatz anderswo investieren könnten.

Somit beeinflusst das Zinsumfeld zum Kündigungsdatum maßgeblich die Entscheidung des Emittenten und kann Auswirkungen auf die Rendite der Anleihegläubiger haben. Für Profis wie Rosenfeld ist es deshalb wichtig, das Zinsumfeld sorgfältig zu analysieren, um die wahrscheinliche Handlungsweise des Emittenten abzuschätzen und mögliche Renditeauswirkungen auf die Investition zu berücksichtigen.

Viertens: In Stresssituationen ist der Anleihehandel häufig gestört. Dann fallen die Kurse von ETFs mitunter stärker als die der Anleihen im Depot. Bei Rentenfonds spiegelt der Kurs den Kurs der im Depot enthaltenen Wertpapiere wider.

Lesen Sie auch: Wie ein Experte den Hochzins-Anleihenmarkt einschätzt.

Fünftens: Wer Anleiheportfolios kauft, um sichere Erträge zu erzielen, muss berücksichtigen, dass die Anleihen in den Fonds oder ETFs sehr unterschiedlich auf Zinsänderungen reagieren und deshalb zwischenzeitliche Kursverluste hoch sein können. Es gibt ETFs, die sich nur auf eine bestimmte Laufzeit beziehen. Manche wählen Anleihen, die in spätestens drei Jahren zurückgezahlt werden. Diese Zeiträume sind erkennbar an Namenszusätzen wie 1-3yr oder 15-20 yr. „Yr“ steht für das englische „year“, also Jahr. Je länger die Laufzeit und die Zinssensitivität (Duration) eines Anleiheportfolios sind, desto höher sind die Kursschwankungen.

Wichtige Kennzahlen: Rendite und Restlaufzeit

Die Duration von Anleihen ist ein Maß für das Risiko und deshalb für Anleger neben der Durchschnittsrendite eine wichtige Kennzahl, die üblicherweise auch in den Informationsblättern vieler Rentenfonds und ETFs zu finden ist. Sie gibt an, wie lange es dauert, bis der Anleger Geld, das er in eine Anleihe investiert hat, in Form von Zinszahlungen und der Rückzahlung des Nennwertes zurückerhält. Wenn eine Anleihe also eine Laufzeit von zehn Jahren hat, bedeutet dies, dass Anleger sie zehn Jahre lang halten müssen, um den ursprünglichen Kaufpreis zurückzuerhalten. Die Duration beschreibt aber auch, wie empfindlich eine bestimmte Anleihe auf Zinsschwankungen reagiert.

Die Duration gibt auch für die Fonds an, wie die im Portfolio gehaltenen Anleihen auf eine Zinsänderung von einem Prozentpunkt reagieren. Je höher die Duration, desto höher ist das Zinsrisiko der Anleihen im Depot. Bei einem Fonds mit einer Duration von zehn Jahren bedeutet das auch, dass ein Anstieg der Zinssätze um einen einzigen Prozentpunkt den Kurs des Fonds um zehn Prozent senken würde. Ein Rückgang der Zinssätze würde den Kurs des Fonds zehn Prozent steigen lassen. Ein Fonds, der Anleihen mit hoher Duration im Depot hält, ist riskanter als ein Fonds oder ETF, der Anleihen mit niedriger Duration hält (siehe Tabelle).

Die mit 9,9 Prozent höchste durchschnittliche Rendite aller Anleihen im Depot hat momentan der Fidelity European High Yield-Fonds. Er ist auf Hochzinsanleihen von wackeligen Schuldnern spezialisiert. Die Restlaufzeit der Anleihen im Depot liegt bei 4,2 Jahren. Kauft der Anleger heute den Fonds oder einen ähnlichen ETF und verkauft ihn im Jahr 2027, kann die Rendite, die er mit der Anlage erzielt, von den 9,9 Prozent abweichen. Steckt die Wirtschaft dann in einer Rezession, könnten einige Schuldner pleite sein und die Anleihen nicht zurückzahlen. Es könnten auch plötzlich viele neue Anleger in den Fonds einzahlen und dadurch die derzeit hohe Rendite der Altanleger verwässern. Sinkende Zinsen wären wiederum von Vorteil und könnte den Fondskurs steigen lassen. Anleger sollten den Fondskurs genau beobachten. Eine Anleihe des Pharmaunternehmens Stada, emittiert über die Nidda Healthcare Holding, ist im Depot des Fonds enthalten. Das Geschäft gilt als solide und relativ stabil.

Unter den verschiedenen Fondstypen sind Laufzeitfonds interessant, die bei relativ kurzen Laufzeiten der Anleihen im Depot hohe Renditen verheißen und die ebenfalls nach wenigen Jahren das Geld zurückzahlen. Wer auf die sichere Seite von Euro-Staatsanleihen wechseln will, findet ebenfalls Fonds und ETFs, die aber häufig nicht mehr als vier Prozent Rendite bringen. Und dafür ist die Laufzeit der Anleihen im Depot sogar noch länger. Dadurch sind die Verlustrisiken höher, sollten die Zinsen noch steigen. Bei Euro-Unternehmensanleihen hingegen sind die Renditen höher und die Laufzeiten niedriger als bei den Staatsanleihen. Sie sind ein guter Kompromiss zwischen den riskanteren Hochzinsanleihen und den renditeschwachen Staatsanleihen. Bei den Fonds und ETFs mit Unternehmensanleihen, die Ratingagenturen als sicherer einstufen, gibt es allerdings auch keine neun Prozent Rendite, sondern im Schnitt nur knapp fünf.

Lesen Sie auch: Welche Anleihen mit niedrigen Mindestanlagen es gibt

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