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Anleihen Hybridpapiere bieten traumhafte Erträge

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Höhere Zinsen als Entschädigung für das höhere Risiko

Im Gegenzug müssen die Emittenten bei Hybrids höhere Zinsen bieten, mit denen Investoren für das höhere Risiko entschädigt werden. „Die Höhe der Aufschläge hängt von der Laufzeit der Bonds und der Bonität der Emittenten ab“, sagt Ingo Nolden, Managing Director bei HSBC in London. Mit kräftigen Aufschlägen wird unter anderem das Insolvenzrisiko abgedeckt. In den vergangenen Jahren haben in Europa gleich drei Emittenten von Hybrids Bankrott angemeldet – der französische Elektronikkonzern Thomson sowie die deutschen Firmen IVG und Pfleiderer. Wer in Zwitter investiert, sollte unbedingt darauf achten, dass die Unternehmen eine gute Bonität haben.

Ein weiteres Risiko: Bei Hybrids können die Emittenten die Zahlung der jährlich fälligen Zinsen ausfallen lassen. Die Zahlung muss aber nachgeholt werden. In der Finanzkrise sind mehrere europäische Großbanken in den Zinsstreik getreten. „Dies geschah auf Druck der Aufsichtsbehörden, die so das Kapital der angeschlagenen Banken stärken wollten“, sagt Tobias Kessler, Hybridexperte bei HSBC Trinkaus. Bei Industriekonzernen ist Zinsaufschub aber selten. „Ein Ausfall der Zinszahlungen hat extrem negative Auswirkungen auf die Reputation des Emittenten an den Finanzmärkten“, sagt Miraji Othman, Analyst der BayernLB.

Anleger, die Zwitter-Anleihen kaufen wollen, sollten eine weitere Besonderheit beachten. Da Hybrids Eigenkapital-Charakter haben, sind die nominalen Laufzeiten äußerst lang. Bertelsmann, Merck und Siemens haben Bonds begeben, die erst nach 60 Jahren fällig werden. VW hat sogar Zwitter mit unendlicher Laufzeit aufgelegt.

Die Emittenten dürfen die Anleihen jedoch vorzeitig meist erstmals nach fünf bis zehn Jahren kündigen. Feste Zinsen werden nur bis zum ersten Kündigungstermin gezahlt, danach ist eine flexible Verzinsung üblich. Anleger müssen jedoch nicht befürchten, dass sie auf ewig in die variable Verzinsung hineinlaufen und ihr Geld erst in Jahrzehnten wiedersehen. Denn in der Regel sind die Unternehmen peinlich darauf bedacht, die erste Kündigungsmöglichkeit wahrzunehmen, die Anleihe also nicht unendlich laufen zu lassen. Andernfalls würden die Märkte die Neuemission weiterer Hybrids skeptisch sehen. Doch es gibt Ausnahmen. So kündigte Südzucker im Herbst an, dass ein Hybrid über 700 Millionen Euro nicht zum ersten Kündigungstermin am 30. Juni 2015 eingelöst werde. Binnen weniger Tage fiel der Kurs um zwölf Prozent. Als Ausgleich für die Nichtkündigung muss Südzucker aber demnächst höhere Zinsen zahlen.

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    Der Kurssturz von Südzucker ist eher ungewöhnlich. Normalerweise verläuft der Börsenhandel mit Hybrids in relativ ruhigen Bahnen. Die Kursschwankungen sind zwar größer als bei üblichen Firmen-Bonds, aber niedriger als bei Aktien. Kaum Sorgen machen müssen sich Investoren um die Liquidität am Hybridmarkt, die mittlerweile recht hoch ist. „An den europäischen Börsen werden derzeit 129 Hybrid-Anleihen von 84 Emittenten gehandelt. Die Bonds haben einen Nominalwert von insgesamt 91 Milliarden Euro“, sagt Investmentbanker Minor von RBS.

    Aus der großen Auswahl lassen sich also leicht attraktive Beimischungen zu normalen Unternehmensanleihen und Staatspapieren finden, die ein ordentliches Renditeplus ins Portfolio bringen.

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