Anleihen Wo Pimco Chancen und Risiken sieht

Der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco sieht Chancen für gute Renditen mit Dollarinvestments, in inflationsgeschützten Anleihen und in Schwellenländern.

Welche Länder Rendite-Chancen bieten
Das Analysehaus Keppler Asset Management hat seine Kandidaten für seine Strategie „Top Value“ veröffentlicht. Zu dieser Liste gehören nur Industrieländer – die „Emerging Markets“ wurden bewusst ausgeblendet. Keppler setzt nach dem Prinzip des Value-Investing auf unterbewertete Märkte. Ausgehend von Einzelaktien, die den Markt des jeweiligen Landes wiederspiegeln, baut Fonds-Manager Keppler Länderwerte zusammen. Um sie anschließend zu bewerten, sieht der Analyst unter anderem auf das durchschnittliche Preis-Buchwert-Verhältnis, Preis-Cash-Flow-Verhältnis, Preis-Gewinn-Verhältnis und auf die durchschnittliche Dividenden- und Eigenkapitalrendite. Keppler sieht für Australien in den nächsten Jahren ein überdurchschnittliches Renditepotenzial. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 26,9 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 48,9 ProzentQuelle: Keppler Asset Management Inc., Developed Markets Country Selection Quelle: REUTERS
Ebenfalls zu den unterbewerteten Märkten gehört laut Keppler der österreichische Aktienmarkt. Hier verspricht sich der Fondsmanager überdurchschnittliche Zuwächse. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 44,4 ProzentGeschätzte Rendite: (3-5 Jahre): 57,9 Prozent Quelle: dpa
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU ist laut Keppler einen Kauf wert. Der Aktienmarkt Frankreichs werde überdurchschnittlich (verglichen mit dem MSCI World) zulegen. Geschätzte Index-Entwicklung: 22,9 ProzentGeschätzte Rendite: 36,4 Prozent Quelle: dpa
Deutschland gehört schon seit mehreren Jahren zur „Top Value“ Strategie von Keppler. Bereits im Jahr 2013 sah Keppler den deutschen Markt als unterbewertet an. Im Frühling 2015 hat sich die Einschätzung immer noch nicht geändert – obwohl der deutsche Leitindex Dax in diesem Jahr bereits mehr als 20 Prozent zugelegt hat. Doch die Experten sehen noch Luft nach oben. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,9 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 34,3 Prozent Quelle: dpa
Hong Kong zählt ebenfalls zu den Märkten, die einen Kauf wert sind. Hier sieht das Fondshaus Keppler jährliche Zuwachsraten von mehr als elf Prozent. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 39,2 ProzentGeschätzte Rendite: 53,9 Prozent Quelle: dpa
Italiens Aktienmarkt hat sich von dem Absturz im Jahr 2007, dem Jahr der Finanzkrise, nicht wirklich erholt – anders als der deutsche. Auch deshalb sieht Keppler den italienischen Markt als unterbewertet. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,9 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 35,7 Prozent Quelle: AP
Japans Notenbank flutet den Markt mit Geld. Noch hat das Geldpolitik-Experiment keine Früchte gebracht, die Wirtschaft stottert weiterhin. Doch der schwache Yen hilft den Exportunternehmen und Experten hoffen, dass das Programm der Notenbank bald fruchtet. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,8 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 30,8 Prozent Quelle: AP
Norwegens Aktienmarkt ist Keppler zufolge einen Kauf wert. Die gute wirtschaftliche Lage und die reichen Ölvorkommen geben dem Land noch viel Potenzial – obwohl der Markt seit Jahren gut gelaufen ist. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 79,8 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 112,9 Prozent Quelle: dpa
Singapur hat sich mittlerweile zu einem beliebten Finanzplatz entwickelt und zieht zahlreiche Investoren und Kapital an. Keppler sieht in dem Land noch große Wachstumschancen. Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 43,6 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 62,5 Prozent Quelle: dpa
Letzter Kandidat auf der Liste von Keppler ist das Vereinigte Königreich. Hier soll in den nächsten Jahren mehr zu holen sein als im Durchschnitt (MSCI World). Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 24,6 ProzentGeschätzte Rendite (3-5 Jahre): 43,5 Prozent Quelle: dpa

Wo kann man mit Anleihen noch Geld verdienen? Andrew Bosomworth, Leiter des deutschen Investmentmanagements beim weltgrößten Anleihenmanager, der Allianz-Tochter Pimco, sollte das wissen. In Frankfurt stellte er den Ausblick von Pimco vor. Gute Chancen sieht Bosomworth für Anleger aus dem Euroland vor allem bei US-Anleihen. Der Aufwertungstrend des Dollar halte an, hier sollten Anleger übergewichtet sein. Die höheren Zinsen werden mehr Geld in die USA locken und dies mache die Währung stark.

Kurzfristig könnte ein Anstieg der US-Verbraucherpreise den Zielwert der Federal Reserve übersteigen. Pimco rät dazu, jetzt den Inflationsschutz in Form von inflationsgeschützten US-Anleihen zu kaufen, meint Pimco-Fondsmanager Mihir Worah, einer der drei Fondsmanager des 107 Milliarden Dollar schweren Rentenfonds Pimco Total Return.

Zwar geht Pimco-Chefökonom Joachim Fels in seinem Basisszenario davon aus, dass die globale Inflation nur allmählich zunehmen wird und das Zinsniveau niedrig bleiben wird, doch sei die Chance, dass die Preissteigerung auf kürzere Sicht das Ziel der Zentralbank übersteigt, viel höher als die Wahrscheinlichkeit einer Deflation. Pimco rechnet mit einer Zinserhöhung in den USA ab September um 0,25 Prozentpunkte. Sobald jedoch die Zinserhöhungen dämpfende Wirkungen auf die Wirtschaft hätten, werde der Zyklus gestoppt.

Doch bis dahin sei in den USA ein schneller Preisanstieg möglich. US-Staatsanleihen mit Inflationsschutz, so genannte TIPS, seien im derzeitigen Umfeld “attraktiv gepreist, weil sich viele Investoren noch immer über eine Deflation oder Niedriginflation Sorgen machen, so Pimco-Fondsmanager Worah. Die TIPS sind Staatsanleihen, die mit der Inflationsrate indexiert sind. Ihre Rückzahlungskurse steigen also, sollte die Geldentwertung zulegen. Zehnjährige TIPS rentierten aktuell allerdings nur bei 0,44 Prozent während die Rendite traditioneller US-Staatsanleihen bei 2,39 Prozent lag.

TIPS sind eine Wette der Profi-Investoren darauf, dass es der US-Notenbank gelingen wird, die private Nachfrage und Investitionsnachfrage anzukurbeln. Das wiederum würde die indexierten Rückkaufkurse der TIPS steigen lassen und die Rendite für das Investment doch noch in positiveres Terrain bringen. Die Rechnung würde im Vergleich mit einem Investment in normale US-Anleihen aufgehen, wenn die Inflationsrate auf über 1,92 Prozent ansteigen würde. Das Inflationsziel der Federal Reserve liegt bei zwei Prozent.

Mit welchen Maßnahmen Regierungen und Notenbanken Sparer attackieren können
Instrument: NiedrigzinsAusgestaltung: Notenbank kauft (über Banken, die günstig Geld bekommen) Staatsanleihen; Notenbank hält Leitzinsen unten negativ betroffen wären/sind: Konten, Anleihen, Lebensversicherung, Betriebsrenten, Versorgungswerke Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft bereits; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: Inflation frisst Zinsen; Sparen lohnt sich kaum; ••••∘ Vorteil für Staaten: niedrige Zinslast auf eigene Schulden historische Vorbilder: USA • = unwahrscheinlich/ sehr niedrige Einbußen; ••••• = so gut wie sicher/ sehr hohe Einbußen Quelle: dpa
Instrument: Inflation zulassenAusgestaltung: Notenbanken schöpfen weiter Geld; Bürger verlieren Vertrauen; Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt negativ betroffen wären/sind: Bargeld, Konten, Anleihen, Lebensversicherung Eintrittswahrscheinlichkeit: aktuell gering; langfristig wahrscheinlich; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Hohe Inflation kann sämtliche Geldvermögen entwerten; ••••• Vorteil für Staaten: Schulden werden nicht auf dem Papier, aber real drastisch verringert historische Vorbilder: Deutschland 1923; Frankreich 18. Jahrhundert; Zimbabwe 2009 Quelle: dpa
Instrument: NegativzinsAusgestaltung: Notenbank setzt negativen Leitzins fest; Banken legen negative Zinsen auf die Guthaben von Sparern um oder verteuern Gebühren/Kredite negativ betroffen wären/sind: Konten Eintrittswahrscheinlichkeit: ist bereits in der Diskussion; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Erspartes leidet nominal durch Negativzinsen und real durch Inflation ••••∘ Vorteil für Staaten: höheres Wachstum durch ausgeweitete Kreditvergabe erhofft historische Vorbilder: Schweiz 1964, 1970er; Schweden; Dänemark Quelle: dpa
Instrument: VermögensabgabeAusgestaltung: Staat schneidet sich von allen Vermögenswerten einmalig ein Stück ab negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: je reicher desto härter; ••••∘ Vorteil für Staaten: kann Schulden sofort drastisch senken historische Vorbilder: Deutschland 1918/19, 1952 Quelle: dpa
Instrument: ZwangsanleiheAusgestaltung: Staat zwingt Bürger, einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen zu packen; wird (teilweise) zurückgezahlt negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: hängt von Rückzahlungen ab; •••∘∘ Vorteil für Staaten: verschafft Spielraum bis zum Rückzahlungsdatum historische Vorbilder: Deutschland 1914, 1922/23 Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Vermögensteuer, zum Beispiel ein Prozent auf steuerpflichtiges Vermögen (nach Abzug von Freibeträgen) negativ betroffen wären/sind: Vermögen generell Eintrittswahrscheinlichkeit: politische Forderung; ••••∘ wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermögende; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland, wurde 1997 abgeschafft Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Transaktionsteuer von 0,1 Prozent auf Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent auf Derivate; fällig für jedes Geschäft negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate; indirekt auch Fonds und Lebensversicherungen Eintrittswahrscheinlichkeit: politisch herrscht Konsens; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: drückt auch Rendite von Fonds und Versicherungen; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland 1881–1991; Schweden 1985–1992 Quelle: dpa
Instrument: SteuererhöhungAusgestaltung: Abgeltungsteuer wird angehoben oder Spekulationsgewinne werden künftig nach individuellem Steuersatz versteuert negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate, Fonds Eintrittswahrscheinlichkeit: SPD-Forderung; nicht im Koalitionsvertrag; ••••∘ wie gefährlich für das Vermögen?: je nach Steuersatz; gerade Aktionäre wären getroffen; ••••∘ Vorteil für Staaten: Einnahmesteigerung; nur Minderheit der Wähler ist betroffen historische Vorbilder: - Quelle: dpa
Instrument: SteuererhöhungAusgestaltung: Grund- und Grunderwerbsteuer werden sukzessive angehoben negativ betroffen wären/sind: Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: Eigenheimnutzer schmerzt nur die Grundsteuer; •••∘∘ Vorteil für Staaten: Einnahmesteigerung historische Vorbilder: Ausweitung Spekulationsfrist 1999 Quelle: dpa
Instrument: SteuererhöhungAusgestaltung: Spekulationsfrist wird gekippt negativ betroffen wären/sind: Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Eigenheimnutzer schmerzt nur die Grundsteuer; •••∘∘ Vorteil für Staaten: Einnahmesteigerung historische Vorbilder: Ausweitung Spekulationsfrist 1999 Quelle: Fotolia
Instrument: VerboteAusgestaltung: Verschärfung des Verbots von Mieterhöhungen; zum Beispiel in gefragten Gegenden bei bereits hoher Miete negativ betroffen wären/sind: Immobilien (nur vermietete) Eintrittswahrscheinlichkeit: im Koalitionsvertrag überraschend entschärft; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermieter; •••∘∘ Vorteil für Staaten: Zustimmung von der Mehrheit der Wähler historische Vorbilder: in Deutschland seit 1974 Quelle: dpa

Weltweit jedoch, so Fels, gäbe es durch eine hohe Verschuldung, geopolitische Risiken und die ungünstige demografische Entwicklung Gegenwind für das Wirtschaftswachstum.

Interessante Renditen sieht Pimco bei ausgewählten Anleihen aus Schwellenländern. Positive Rahmenbedingungen gäbe es in Mexiko, Polen und der Türkei, sowie asiatischen Staaten wie China, Indien und Indonesien. Mit den von Pimco erwarteten Zinssenkungen in Brasilien habe man auch dort Chancen auf Kursgewinne bei den Staaatsanleihen, die auf US-Dollar oder Euro lauten.

Bei Aktien sieht er weitere Chancen in Europa, Japan und den Schwellenländern, während Pimco bei US-Aktien eher skeptisch ist.

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