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Anselm Grün „Gott sei Dank habe ich bei der Blase nicht mitgemacht“

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„Bei Anlageentscheidungen dominiert der Bauch“

Seit 1977 ist der studierte Theologe oberster Vermögensverwalter seines Klosters. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Sind Sie damals rechtzeitig ausgestiegen?

2008 bin ich nicht rechtzeitig rausgegangen. Da habe ich schon Geld verloren. Doch das habe ich bis Ende 2010 wieder gewonnen.

Und was haben Sie in einem Jahr wie 2011 gemacht, als ab Ende Juli alles wieder nach unten ging?

Da habe ich wieder verloren. Aber schlaflose Nächte hatte ich nicht. Ich weiß: Es ist immer ein Auf und Ab. Kurzfristig kann ich verlieren, aber langfristig wird sich das einspielen. Als es runterging, habe ich stets in kleinen Umfängen Aktien gekauft. Mit denen liege ich gut im Plus.

Gehen Sie bei Aktien nur auf Dax-Titel oder auch in den Nebenwerte-Bereich?

Dax-, aber auch MDax- und TecDax-Titel sind dabei. Vor allem Maschinenbauer.

Und wie viel Zeit investieren Sie dafür?

Ich brauche für die ganzen Geldgeschäfte höchstens eine Viertelstunde am Tag.

Dominiert der Kopf oder der Bauch bei Anlageentscheidungen?

Eindeutig der Bauch. Es gibt beispielsweise Aktien, da herrscht eine emotionale oder ethische Flanke. Luxusgüter mag ich nicht oder auch Rüstung und Tabak. Wenn Firmen nicht ethisch arbeiten, kaufe ich die Aktien nicht.

Gerade im ethischen Bereich werden sehr viele Produkte aufgelegt. Investieren Sie da?

Ja, das ist mir ein wichtiges Anliegen. Die Frage ist nur: Wie ethisch ist das alles? Ich habe natürlich Klima- und Öko-Fonds. Aber die haben ziemlich Minus gemacht.

Dominiert bei diesen Anlagen zu sehr die Ideologie?

Skeptisch bin ich immer dann, wenn Menschen mit ideologischen, ethischen und nachhaltigen Gedanken kommen, aber vom Geld keine Ahnung haben. Dann fühle ich mich missbraucht.

Haben Sie diese Erfahrung schon gemacht?

Ja.

Und das hat Sie Geld gekostet?

Ja.

Wer berät Sie?

Ich habe gut zehn Banken, mit denen ich zusammenarbeite. Normalerweise sage ich denen, was ich will. Skeptisch bin ich, wenn vor allem Großbanken zu sehr ihre eigenen Produkte anpreisen.

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