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Anselm Grün „Gott sei Dank habe ich bei der Blase nicht mitgemacht“

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„Zwei Prozent Zinsen sind mir zu wenig“

„Gott, Geld und Gewissen“: Das Cover des Buches, das Anselm Grün zusammen mit dem damaligen Chef des Sportausrüsters Puma, Jochen Zeitz, verfasst hat - eines von mehr als 200 Werken Grüns. Quelle: Pressefoto

Erleben Sie oft mehr Verkäufer als Berater?

Bei Großbanken ja. Mit Beratern habe ich ein sehr offenes Verhältnis. Da weiß ich genau: Die kochen nur mit Wasser, ich koche nur mit Wasser.

Sie agieren selbst aggressiv an den Finanzmärkten und haben auf Pump spekuliert.

Ich nehme jetzt keine neuen Kredite mehr auf. Aber meine Wertpapiere, die ich habe, sind teilweise auf Kredit gekauft worden. Wenn ich nur zwei Prozent Zinsen zahlen muss und sechs Prozent erwirtschaften kann, dann ist das ein schöner Gewinn. Natürlich ist der Schweizer Franken, in dem ich so niedrige Kreditzinsen bekomme, mittlerweile um 30 oder 40 Prozent gestiegen. Aber wenn ich das 20 Jahre mache, dann fällt das wenig ins Gewicht.

Haben Sie ein Renditeziel?

Ich habe irgendwann mal unvorsichtigerweise zehn Prozent gesagt, da hatte ich sogar mehr. Aber durch die Krise habe ich 25 Prozent verloren, das musste ich wieder aufholen. Mittlerweile lassen sich jährliche Renditeziele nicht mehr aufrechterhalten.

Muss man heute spekulieren, wenn man überhaupt noch Rendite erzielen will?

Zwangsläufig. Zwei Prozent Zinsen wie bei Bundesanleihen sind mir ehrlich gesagt zu wenig.

Ist das mit christlichen Grundsätzen vereinbar?

Deswegen rede ich ungern über Geld, sondern arbeite damit. Nach dem Interview werde ich wieder viele böse Briefe bekommen. Aber ich spekuliere ja nicht. Das ist der Unterschied zu Leuten, die auf den Untergang ganzer Länder wetten oder auf steigende Agrarpreise. Da muss sicher eine Regulierung her. Aber Jesus sagt ja auch: Wenn du dein Talent auf die Bank gebracht hättest, hättest du Zinsen bekommen. Wer heute noch meint, Zinsen sind des Teufels, der hat ein mangelndes Verständnis von Wirtschaft. Erstens dient Geld den Menschen, nicht der Habsucht. Wir haben eine Schule, die kann man auch zu Tode sparen. Das wollen wir nicht. Zweitens braucht man das richtige Maß. Man darf nicht alles, was man kann. Und drittens ist es die innere Freiheit, dass ich mich nicht über Geld definiere.

Das war jetzt einerseits Kapitalismuskritik, andererseits ein sehr pragmatischer Ansatz beim Thema Geld. Sympathisieren Sie mit der Occupy-Bewegung?

Sie war sicher ganz wichtig, gerade in den angelsächsischen Ländern. Von den Investment-Bankern ist viel Unheil ausgegangen.

Sie spekulieren wie Banker nicht mit eigenem, sondern mit fremdem Geld. Macht das die Sache einfacher?

Ich bin verantwortlich für knapp 300 Mitarbeiter und 900 Schüler. Wenn es nur mein eigenes Geld wäre, würde ich sicher freier damit umgehen.

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