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Aussichten am Rohstoffmarkt"Skeptische Rohstoffanleger könnten überrascht werden"

Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg sieht kein Ende des Superzyklus und hält auch Chinas Nachfrage oder einen starken Dollar nicht für problematisch. Was ihn positiv stimmt, verrät er im Interview.Martin Gerth 19.08.2013 - 06:00 Uhr

Eugen Weinberg leitet das Rohstoff-Research der Commerzbank und ist einer der führenden Experten für den Öl- und Goldmarkt.

Foto: WirtschaftsWoche

Herr Weinberg, mit Rohstoffen lässt sich an der Börse derzeit kaum Geld verdienen. Ist der Superzyklus vorbei?

Der Rohstoffzyklus ist noch lange nicht vorbei, legt aber eine Pause ein. Insbesondere Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium litten zuletzt unter der Konjunkturschwäche in den Schwellenländern. Die Goldpreise kamen unter Druck, weil die Anleger eine baldige Wende der Zinspolitik erwarten und die Inflation sehr niedrig bleibt. Dennoch bleiben die langfristigen Aussichten für den Rohstoffmarkt aus unserer Sicht gut.

Prognosen für den Goldpreis

Viele Analysten der Banken haben ihre Schätzung zum Goldpreis im Laufe des Jahres gleich mehrfach angepasst – teilweise in großen Schritten. Privatanleger lässt das bislang überwiegend kalt: Sie kaufen weiter physisches Gold. Anders als viele Analysten halten sie den niedrigen Goldpreis für eine Kaufgelegenheit. Nachfolgend die Goldpreisprognosen der Banken.

Foto: dpa

Goldman Sachs

Der Goldpreis wird im kommenden Jahr wahrscheinlich um mindestens 15 Prozent sinken. Zu dieser Einschätzung kommen die Analysten von Goldman Sachs in einer Studie. Sie sehen trotz eines beschleunigten US-Wirtschaftswachstums erhöhte Abwärtsrisiken für Rohstoffe. Die Preise für Gold, Kupfer und Sojabohnen werden demnach auf das niedrigste Niveau seit 2010 sinken. Die Goldman-Sachs-Analysten gehen beim Goldpreis von einem Rückgang bis Ende nächsten Jahres auf 1050 Dollar je Unze aus.

Stand: 22. November 2013

Foto: REUTERS

UBS

Die Schweizer Bank UBS prognostiziert im Jahresdurchschnitt für 2013 einen Goldpreis von 1440 Dollar je Unze. 2014 soll dann ein Durchschnittspreis von 1325 Dollar je Unze erreicht werden. Damit nahm die Bank ihre Prognose für das laufende Jahr um zehn und für das kommende Jahr um 18 Prozent zurück.

Stand: 25. Juni 2013

Foto: REUTERS

Morgan Stanley

Für 2013 geht die US-Bank nun von 1409 Dollar je Unze aus, nachdem es zuvor noch 1487 Dollar gewesen waren. Für 2014 rechnen sie mit 1313 Dollar je Unze, zuvor waren es 1563 Dollar. Für 2015 nahmen sie die Prognose von 1450 auf 1300 Dollar zurück.

Stand 25. Juni 2013

Foto: dapd

HSBC

Die größte Bank der Welt senkte ihre Prognose für den Goldpreis auf einen Jahresdurchschnitt von 1396 Dollar je Unze in 2013 und 1435 Dollar für 2014. Damit senkte sie ihre alten Prognosen um neun bzw. zehn Prozent.

Stand: 25. Juni 2013

Foto: REUTERS

RBC Capital

 

Prognose am 1. Januar: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

 

Alle Prognosen beziehen sich auf den erwarteten Goldpreis im vierten Quartal 2013.

Quelle: Bloomberg; Stand: 28. Mai

Foto: REUTERS

Danske Bank

Prognose am 1. Januar: 1775 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1400 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1325 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: PR

LBBW

Prognose am 1. Januar: 1850 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1850 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1350 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Société Générale

Prognose am 1. Januar: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1375 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1375 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Prognose am 27. Juni: 1200 Dollar je Unze (Goldpreis am 27. Juni: 1233 Dollar / Unze)

Foto: dpa

UniCredit

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1400 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Citigroup

Prognose am 1. Januar: 1720 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1455 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Toronto-Dominion Bank

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1550 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1460 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

National Australia

Prognose am 1. Januar: 1460 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Barclays

Prognose am 1. Januar: 1845 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: AP

Deutsche Bank

Prognose am 1. Januar: 2100 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 2000 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1525 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dpa

Credit Suisse

Prognose am 1. Januar: 1880 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1540 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1540 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Prognose am 25. Juni 2013: 1250 Dollar / Unze (Goldpreis am 25. Juni: 1275 Dollar / Unze)

Goldpreis auf Sicht von zwölf Monaten prognostiziert Credit Suisse einen Preis von 1150 Dollar / Unze, für das zweite Halbjahr 2014 lautet die Prognose auf 1150 Dollar je Unze.

Foto: dpa

Westpac

Prognose am 1. Januar: 1700 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1589 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1589 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: AP

DZ Bank

Prognose am 1. Januar: 2100 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1860 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1600 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Commerzbank

Prognose am 1. Januar: 2000 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1800 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Intesa Sanpaolo

Prognose am 1. Januar: 1700 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Nord/LB

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1825 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Standard Chartered

Prognose am 1. Januar: 1900 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1900 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1800 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Die Ankündigung von Fed-Chef Ben Bernanke, man werde künftig weniger Anleihen kaufen, hat nicht gerade geholfen.

Auch wenn die US-Notenbank nicht mehr 85 Milliarden US-Dollar monatlich an Anleihen kaufen sollte, bleibt die Zinspolitik sowohl in den USA als auch in Europa und Japan weiterhin expansiv. Geld bleibt noch lange Zeit günstig. Zwar sind die Rohstoffe nach den Äußerungen der Fed unter Druck geraten, aber dieser Effekt ist bereits in den Preisen eingerechnet. Und: Wenn der Ausstieg nicht ganz so schnell wie erwartet kommt, gibt das den Rohstoffpreisen positive Impulse.

Eine Garantie, dass es so kommt, gibt es nicht. Wäre es für Anleger dann nicht besser, zunächst abzuwarten und Rohstoffe zu meiden?

Die Anleger sind extrem skeptisch und meiden bereits den Rohstoffmarkt. In den vergangenen Monaten wurden bei Metallen ähnlich viele Terminkontrakte auf fallende Preise abgeschlossen wie kurz nach der Lehman-Pleite. Tiefer können die Erwartungen eigentlich nicht mehr sinken. Phasen, in denen Investoren bei Rohstoffen so einseitig positioniert sind, kündigen häufig Trendwenden an. Wir könnten in diesem Jahr, etwa bei Industriemetallen, noch positiv überrascht werden.

So groß ist Chinas Hunger nach Rohstoffen
Beim Aluminium entfallen 39,8 Prozent des weltweiten Verbrauchs auf China.
Auch bei Blei zählt China zu den größten Verbrauchern. 45,6 Prozent des Marktes beansprucht China für sich.
Lediglich den Rang als Spitzen-Erdölverbraucher überlässt China den USA, die einen Marktanteil von 10,7 Prozent einnehmen.
Bei Kupfer kommt der Verbrauch Chinas auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Die USA landen mit deutlichem Abstand auf Rang 2. kurz vor Deutschland.
China zieht 39,3 Prozent des Nickelmarktes auf sich und lässt Japan und die USA weit hinter sich.
Das Reicht der Mitte ist der größte Importeur von Stahl. Die Hälfte des Weltmarkts entfällt auf China.
China ist der mit Abstand größte Verbraucher von Steinkohle. Das Land hat einen Weltmarktanteil von 51,4 Prozent an dem Energieträger. Die USA und Indien rangieren mit Abstand dahinter. Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)/Deutsche Rohstoffagentur (DERA)
42,5 Prozent des Zinkmarkts vereinnahmt China für sich – weit mehr als die USA und Korea.
Beim Zinn kommt das Reich der Mitte auf einen Marktanteil von 41,0 Prozent. Damit liegt China deutlich vor Japan und den USA.

Welche Überraschungen meinen Sie?

Gute Nachrichten aus China und Europa. Die Angst geht um, Chinas Wirtschaftswachstum, das die Rohstoffnachfrage im vergangenen Jahrzehnt antrieb, könnte sich weiter verlangsamen. Zwar bremst die neue Regierung das Wachstum, aber dank der Strukturreformen wird das BIP-Wachstum Chinas noch einige Jahre über sieben Prozent jährlich betragen. Wenn sich der Konjunkturoptimismus wieder durchsetzt, wäre mit steigenden Rohstoffpreisen zu rechnen. Für Investoren, die gegen den Strom schwimmen, sind dies gute Voraussetzungen.

Die Frankfurter Skyline ist hinter einem Rapsfeld in Eschborn zu sehen: Die öffentliche Meinung ist eindeutig. Geht es nach einer Forsa-Umfrage vom Ende vergangenen Jahres, dann sind nur elf Prozent der Bevölkerung in Deutschland dafür, dass es Anlageprodukte auf Agrarrohstoffe überhaupt gibt. 84 Prozent sind dagegen. Trotzdem finden sich genügend Experten, die Spekulationen auf Agrarrohstoffe befürworten. Hier eine Auswahl:

Foto: dpa

Professor Harald von Witzke, Agrarökonom an der Humboldt-Universität in Berlin, sagt: „Nur Scharlatane glauben, dass Wetten an den Terminbörsen die Lebensmittelpreise dauerhaft nach oben treiben. Landwirte und Agrarhändler können sich nur gegen Preisrisiken absichern, wenn Finanzinvestoren auf der Gegenseite in die andere Richtung wetten.“

Foto: obs

Sein Kollege George Rapsomanikis, Ökonom bei den Vereinten Nationen, verweist auf die gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Märkte: "Wenn der Ölpreis steigt, dann steigt auch die Nachfrage nach Ethanol und damit die Nachfrage nach Mais. All diese Märkte sind eng miteinander verknüpft, weshalb wir bei jedem Ölschock auch eine Nahrungsmittelkrise erwarten." Steigende Rohstoffpreise hängen seiner Ansicht nach in erster Linie auch mit der zunehmenden Industrialisierung in den Schwellenländern sowie mit der veränderten Nutzung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zusammen. Werden die vermehrt als Energieträger genutzt, dann führt die steigende Nachfrage auf dem Energiemarkt jedes Mal zu einem Preisanstieg auf dem Rohstoffmarkt.

Foto: Pressebild

Der Gießener Agrarökonom Michael Schmitz sieht vor allem die Entwicklungsländer selbst in der Verantwortung: "Der Hunger ist vor allem ein hausgemachtes Problem in den Entwicklungsländern. Die Preisschwankungen waren Anfang der 70er-Jahre ähnlich hoch wie heute - ohne große Zuflüsse an Kapital", sagt der Professor. 2006 bis 2008 gab es zudem massive Ernteausfälle. Das war seiner Ansicht nach der Grund, warum damals die Preise deutlich anzogen. Außerdem waren die Lagerbestände infolge der Knappheit abgebaut worden, was die Märkte besonders nervös werden ließ. Und dann kam infolgedessen die Politik ins Spiel. Viele Importländer verstärkten ihre Importe, und die Exportländer drosselten ihre Exporte, was den Engpass und somit den Preisauftrieb noch verstärkte.

Zudem: 74 Studien zum Thema, wie Rohstoffspekulationen Preise und Hunger treiben, hat sich der Experte angesehen. Nur eine stand in einem qualitätsgeprüften Journal.

Foto: Pressebild

Es ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die sich aus ethisch-moralischen Gründen gegen das Spekulieren auf landwirtschaftliche Produkte ausspricht. Kern aller Argumente ist dabei stets, dass sich hinter der Vielzahl von Kontrakten, die an den Terminbörsen abgeschlossen werden, nur selten Absicherungsgeschäfte für Landwirte und Agrarhändler befinden. In den meisten Fällen wollen Spekulanten vom Auf und Ab der Preise profitieren.

Foto: dpa

"Wir erleben derzeit eine Achterbahnfahrt auf den Weltmärkten für Agrarrohstoffe. Dadurch drohen Grundnahrungsmittel für immer mehr Menschen gerade in den Entwicklungsländern unbezahlbar zu werden", äußerte sich beispielsweise kürzlich Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die Politik hat dabei das große Ganze im Auge: Geht die Preistreiberei weiter, dann könnte es irgendwann Krieg um Grundnahrungsmittel geben. Erste Auswirkungen sah man bereits im vergangenen Jahr in Südostasien, als der Reispreis massiv angezogen hatte und die Menschen auf die Straße gingen.

Foto: dpa

Auch an den Börsen sieht man dieses Treiben zunehmend kritisch. „Es gibt volkswirtschaftlich gesehen überhaupt keinen Grund, warum man Investoren erlaubt, Lebensmittel aus dem Markt zu nehmen und zu horten, nur um von Preissteigerungen zu profitieren“, sagt etwa der als „Mister Dax“ bekanntgewordene Börsenmakler Dirk Müller. Immer wieder gab es Berichte, wonach in großen Lagerhäusern Lebensmittel bewusst zu Spekulationszwecken zurückgehalten wurden, um das Angebot gering zu halten.

Foto: dpa

Dinge wie diese bringen Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München in Rage. "Das ist doch abartig", erzürnte er sich im Handelsblatt-Interview. Wie könne es sein, dass jemand mit Optionsscheinen darauf wette, dass der Reispreis steige, obwohl es fundamental dafür überhaupt keinen Grund gebe. "In Indien und Bangladesch sterben dann Menschen, weil sie sich den Reis nicht mehr leisten können", sagt Hoeneß. Der Preis steige mittlerweile nicht mehr wegen einer schlechten Ernte, sondern weil ein paar Leute einen schnellen Gewinn machen wollten.

Foto: dpa

Das sieht auch Thilo Bode, Chef der Organisation Foodwatch, so. „Seit dem Jahr 2000, als die Politik die Rohstoffterminbörsen für Investoren geöffnet hat, hat sich das Kapital am Terminmarkt von 15 Milliarden auf 600 Milliarden Dollar erhöht.“ Mehr brauche es nicht, um zu zeigen, wie viel Spekulation in diesem Markt herrsche.

Foto: dapd

Metalle, Erdgas, Kaffee

Wo die Krise am Rohstoffmarkt Chancen bietet

von Martin Gerth

China kämpft mit Problemen: Hoch verschuldete Provinzen und Geisterstädte.

Das sind Symptome der Vergangenheit. Die neue Regierung steuert bereits gegen. Geld fließt nun in sinnvolle Infrastrukturprojekte, die Kreditvergabe wird stärker reguliert. Die neue Regierung will die Wirtschaft einer Radikalkur unterziehen und auf einen nachhaltigen Wachstumspfad führen. Außerdem werden weiterhin jedes Jahr 15 bis 20 Millionen Chinesen vom Land in die Städte ziehen. Neue Häuser, Straßen, Brücken und Fahrzeuge werden gebraucht.

Wenn die Rohstoffmärkte abhängig von China sind, werden die Preise dann nicht stärker schwanken?

Nein, im Gegenteil. Die Chinesen kaufen ein, wenn die Preise unten sind - auch wenn die heimische Industrie die importierten Mengen nicht gleich verarbeiten kann. So baut China strategische Lager für Zeiten auf, in denen die Rohstoffpreise wieder anziehen. Mitten in der Weltwirtschaftskrise hat China einige Millionen Tonnen Metall aufgekauft. Anfang des Jahres hielten sich die chinesischen Händler zurück, nun kaufen sie wieder verstärkt Kupfer, Zink oder Aluminium ein. Denn die Vorräte an Kupfer oder Aluminium an der Metallbörse in Shanghai liegen auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr. Offensichtlich beschleunigt sich das Wachstum in China derzeit wieder, weshalb die Rohstoffproduktion in China nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten kann.

Ein starker Dollar verteuert Rohstoffimporte. Bricht die Nachfrage dann ein?

Auch wenn der US-Dollar die wichtigste Währung im Rohstoffhandel ist, wird seine Stärke nicht die Richtung an den Rohstoffmärkten bestimmen. Denn die Rohstoffnachfrage ist weitestgehend preis-unelastisch - sie wird über den Bedarf, nicht über den Preis gesteuert. So ist der Benzinpreis in Deutschland seit Anfang 2009 um 50 Prozent gestiegen. Der Verbrauch sank zwar um knapp fünf Prozent, nicht aber, weil wir etwa weniger fahren, sondern weil die Autos sparsamer sind. Wenn der Bedarf da ist, können die Preise stark anziehen, ohne dass ab einer bestimmten Preisschwelle die wieder einbricht.

Umgekehrt, wenn es kriselt und es mehr Arbeitslose gibt, werden die Rohstoffpreise überproportional fallen. Ohnehin hat China kein Währungsproblem, da der Renminbi weitgehend an den Dollar gekoppelt ist. Und wenn überhaupt, wertet er gegenüber dem Dollar auf. Für die Rohstoffproduzenten ist ein starker Dollar sogar gut, weil sie Lohn und andere Kosten in schwächerer Heimatwährung bezahlen müssen. Eine Dollarstärke könnte deshalb den Gewinnen der Minenbetreiber und deren Aktien nutzen.

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